Die Deutsche Tanzkompanie ist bei ihrer Uraufführung von „Luft“ gestern Abend im Neubrandenburger Schauspielhaus umjubelt worden. Das dritte Stück im Elementezyklus der Truppe nach „Feuer“ und „Wasser“ in den vergangenen beiden Jahren choreografierte Gaetano Posterino.
Weitere Termine im Schauspielhaus am 28. und 29. März, jeweils um 19.30 Uhr. „Luft“ kommt im Mai auch ins Landestheater Neustrelitz. Mehr zur gestrigen Aufführung morgen Abend hier im Blog.
Das Schauspiel-Epos „Wege übers Land“ nach dem Roman von Helmut Sakowski, erstmals für die Bühne bearbeitet von Schauspieldirektor Maik Priebe, erlebt am 29. März um 17 Uhr im Landestheater Neustrelitz seine Uraufführung. Ein deutsches Leben: Gertrud Habersaat geht mit ihrem Mann nach Polen und erlebt die Gräuel des Krieges und der Deportationen. Sie adoptieren und retten ein jüdisches Mädchen und einen polnischen Jungen. Gertruds Mann bleibt an der Front verschollen und sie kehrt mit den Kindern nach Mecklenburg zurück, bewirtschaftet in kürzester Zeit den zweitgrößten Bauernhof des Dorfes, wehrt sich gegen die Kollektivierung und übernimmt letztlich den Vorsitz der LPG. Und als sie wieder heiraten will, steht plötzlich ihr totgeglaubter Mann in der Tür. Aus Westdeutschland.
Sara Branco, Aidan Grierson, Franziska Schüller, Daisuke Sugawa und Emma Lucia Barattini (von links) tanzen „Der Tod und das Mädchen“. Alle Fotos: Theresa LangeKollektives „Schweben“.
Erst war das Publikum „nur“ verzaubert, dann hob es ab, und sein Beifall ging förmlich durch die Decke. Was für einen großartigen Abend hat uns die Deutsche Tanzkompanie am gestrigen Freitag im Landestheater Neustrelitz beschert! Und was für eine geniale Idee, der berührenden Hommage an Caspar David Friedrich „Der Tod und das Mädchen“ nach der Pause das launige „Schweben. Halb du, halb ich“ folgen zu lassen! Die Abfolge bot der Kompanie die Möglichkeit, ihre ganze Leistungsbreite unter Beweis zu stellen, und den Zuschauern schier grenzenloses Bühnenvergnügen.
Mit Domenico Müllensiefens preisgekröntem Roman „Aus unseren Feuern“ kommt eine der wichtigsten neuen ostdeutschen Stimmen erstmals auf eine Theaterbühne. Schauspieldirektor Maik Priebe hat den Stoff für die Bühne bearbeitet, seine Inszenierung feiert am Samstag, 28. September, im Schauspielhaus Neubrandenburg Premiere.
Sie sind jung und sie sind müde, sie sind wütend, sie rauchen. Doch sie leben im Jetzt. Aber bevor Heiko, Thomas und Karsten vor Langeweile sterben, legen sie lieber Feuer. Der eine soll den elterlichen Schlachthof übernehmen, der andere will nach Amerika auswandern. Der Dritte, Heiko, muss in dunklen Gängen Kabel verlegen und saufen lernen. Als er Jana trifft, verliebt er sich in sie. Doch das Glück kommt einfach nicht näher, und Heiko wird Bestatter. Eines Tages wird er an eine Unfallstelle gerufen und dann fängt seine Geschichte noch einmal von vorn an. Ein grandioser Arbeiter- und Nachwenderoman über drei Freunde, die ihre Herkunft nicht als Urteil und ihre Klasse nicht als Schicksal hinnehmen wollen.
Wunderbar vorgetragene Tanzszenen, die sich förmlich eingebrannt haben, unter die Haut gegangen sind: Das Publikum im Neustrelitzer Landestheater hat am gestrigen Abend völlig zu Recht seine Deutsche Tanzkompanie gefeiert. In den minutenlangen Beifall mischten sich immer wieder Hochrufe auf das Ensemble für die Uraufführung des Tanzpoems „Wasser“, zweite Inszenierung nach „Feuer“ im vierteiligen „Zyklus der Elemente“.
Der stürmische Applaus galt nicht nur den Tänzerinnen und Tänzern, sondern auch Choreograf Lars Scheibner für die Inszenierung und Oliver Hohlfeld für das Libretto sowie die Dramaturgie. Das extrem sparsame Bühnenbild (Axel Rothe) und die wenigen Requisiten beförderten die volle Konzentration der Zuschauer auf den Tanz und ließen der Phantasie viel Raum. Auch bei den Kostümen (Nicola Clarissa Gehring) wurde angemessene Zurückhaltung geübt. Unbedingt zu würdigen ist die Musikauswahl von traditionellen bulgarischen Frauen-Stimmen über Musik von Nils Frahm bis zu Richard Wagners Lohengrin-Ouvertüre. So kam zum optischen auch noch akustischer Genuss. Die Resonante Videochoreographie von Dr. Marcus Doering tat ein Übriges.
Anderthalb Stunden fast wie im Flug
Gefallen hat auch, dass die gewichtige Hommage an unser aller Lebenselixier, sehr beeindruckend unter anderem „Tränen“ oder „Auf der Eisscholle“, mit kurzweiligen Einspielen wie „Am Swimmingpool“ oder „Im Regen“ aufgelockert wurde. So vergingen die anderthalb Stunden fast wie im Flug, wobei auch die Pause bei der Fülle der Eindrücke gut getan hat. Gut beraten waren die Theatergänger, die ein hilfestellendes Programmheft erworben haben. Auf der Reise vom vertrockneten Baum der Erkenntnis im Garten Eden bis zur Mündung in den Ozean half die Lektüre der Vorstellungskraft schon mal auf die Sprünge. Aber das soll nicht wirklich eine Kritik sein. Zu erleben war durchweg hohe Tanz- und Darstellungskunst, und das überwiegt alles. Aus der fulminanten Ensembleleistung noch herausragend Giorgia Enrico und Franziska Schüller sowie Noé Plasencia Fernández. Chapeau!