Simsalartistin Rico. (links) und Projektleiterin Marieken Matschenz sprayen das Logo auf die Plane vom Kulturmobil. Foto: Ramona Seyfarth
Der Verein „simsalArt e.V.“ ist mit seinem Projekt „Kultur:Mobil“ wieder unterwegs und macht dieses Mal Station in Puchow und Triepkendorf.
Im Gepäck für Puchow bei Penzlin am kommenden Freitag, 29. April, sind bunte Spraydosen, Leinwände, Pappen und Sprayercaps. Denn hier gibt es Jugendliche, die vor einiger Zeit auf einer Folie bereits gezeigt haben, wie gut sie sprayen können und dass es einen Ort zum Sprayen auch in Puchow braucht. Dafür haben die anonymen Sprayer eine Folie über ein Volleyballfeld gespannt und darauf zwei große farbenfrohe „Pieces“ gesprüht. Und obwohl die unbekannten Künstler sehr umsichtig bei ihrer Aktion vorgegangen sind, ist wohl einigen Bewohnern des kleinen Ortes nicht ganz geheuer bei dem Gedanken daran, wo diese als nächstes sprühen werden.
Bereits am vergangenen Freitag hatte es die Polizei mit einer Straßensperre in der Dorfstraße in Puchow bei Penzlin zu tun. Die eingesetzten Beamten trafen dort auf einen 72-Jährigen, welcher mit einem Bagger und aufgestellten Betonteilen die Ortsdurchfahrt blockierte. Er reagierte aggressiv auf die Polizisten und ließ sich nicht dazu bewegen, die Hindernisse zu entfernen. Im weiteren Gespräch schlug er einen der Beamten mit der Hand ins Gesicht. Zur Beendigung des Übergriffs und zur Unterbindung weiterer Angriffe wurde der Angreifer zu Boden gebracht und mit Handfesseln fixiert. Infolge der Vollzugsmaßnahme zog sich der 72-Jährige leichte Verletzungen an Händen und Armen zu.
Nachdem sich der Mann beruhigt hatte, wurden die Handfesseln entfernt und er räumte die Fahrbahn von allen Hindernissen. Gegen ihn ermittelt nun die Kriminalkommissariatsaußenstelle Waren wegen Körperverletzung, tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.
Marieken Matschenz, Projektleiterin von „Kultur:Mobil“, im Gespräch mit Mentor Andreas Willisch, Staatssekretär Nikolaus Voss sowie Künstlerin Dorothee Rätsch und vom Vorstand des „simsalArt e.V.“ Anke Müller sowie Vereinsvorsitzende Ramona Seyfarth (von links) Foto: Ute Köpke
Beim Besuch vom Staatssekretär Nikolaus Voss aus dem Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommern und Andreas Willisch vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. Ende Juli in Passentin waren sich beide einig: Es ist schon toll, was hier von den Simsalartisten auf die Beine gestellt wurde und jetzt mit dem Kulturmobil auch ins Rollen gebracht wird.
Oben auf der Wilhelmshöhe bei Passentin, Ortsteil von Penzlin, hat der Verein „simsalArt e.V.“ mit seiner Gründung vor rund anderthalb Jahren seinen vielseitigen Vereinsstandort aufgebaut. Seitdem haben zahlreiche Gäste das weitflächige Gelände mit dem zauberhaften Skulpturengarten sowie dem „Theater mit Puppen“ bei verschiedensten Veranstaltungen, wie zum Beispiel die Reihe „Kultur auf der Höhe“, kennengelernt, und auch die Macher vor Ort. Den „Simsalartisten“, wie sich die Vereinsmitglieder selbst titulieren, ist es allerdings ein besonderes Anliegen, dass Kunst und Kultur zu den Menschen vor Ort kommen. „Es geht uns um die Vernetzung, Begleitung und Selbstermächtigung von Menschen, die in ihrer dörflichen Region Kultur und Gemeinschaft als Lebensqualität umsetzen möchten, ohne selbst mobil zu sein“, beschreibt Vereinsmitglied Marieken Matschenz, Projektleiterin vom „Kultur:Mobil“. Dieses Projekt wurde ausgewählt für das Förderprogramm „Neulandgewinner – Zukunft erfinden vor Ort“ des Thünen-Instituts für Regionalentwicklung e.V. und wird damit bis Ende 2022 gefördert.
Und das Kulturmobil gibt es in Kürze auch ganz praktisch zu erleben: als einen wandelbaren sowie mit Material bestückten Anhänger, der für verschiedenste Workshops bis hin zur ausklappbaren Bühne genutzt werden kann. Mit neugierigen Akteuren und Institutionen in verschiedensten Orten wurden bereits Kontakte geknüpft. „Uns geht es darum, dass wir entsprechend dem Bedarf mit und für die Menschen vor Ort kulturelles Leben zu gestalten“, betont Ramona Seyfarth, Vorstandsvorsitzende vom „simsalArt e.V.“ Dementsprechend wichtig sei vorab wie auch im weiteren Prozess der Umsetzung die aktive Kommunikation.