Im Saisonfinale der Neubrandenburger Philharmonie übernimmt die Königin der Instrumente eine Hauptrolle: Von Georg Friedrich Händel erklingt das Konzert für Orgel und Orchester F-Dur op. 4 Nr. 5, das ganz am Anfang der Gattungsgeschichte steht. Der große Barockmeister wollte bei seinem Londoner Publikum, das über erhöhte Eintrittspreise verärgert war, mit besonderen Attraktionen punkten und gab bei den Oratorienaufführungen zusätzlich Kostproben seiner Improvisationskunst an der Orgel. Aus diesen „Einlagen“ entwickelten sich die ersten Konzerte für Orgel und Orchester. Die Erfolge mit diesem neuen Werktyp ermutigten Händel 1738, eine erste Serie von Orgelkonzerten als op. 4 in Druck zu geben.
Das 4. Philharmonische Konzert der Neubrandenburger Philharmonie am kommenden Donnerstag, 19. Dezember, ist einer jungen und bereits sehr erfolgreichen Nachwuchsdirigentin anvertraut: Anna Handler! Die 28-jährige war 2023/24 Dudamel Fellow des Los Angeles Philhaermonic Orchestra und ist ab September 2024 für zwei Jahre Assistenzdirigentin beim Boston Symphony Orchestra. Mit dem renommierten Klangkörper debütiert sie 2025 in Tanglewood. Handler hat u. a. an der HMT München, der Folkwang Universität und der Weimarer Musikhochschule „Franz Liszt“ Klavier und Dirigieren studiert.
Natürlich wird am Freitag in Schwerin auch ein Auszug aus „Der Tod und das Mädchen“ dabei sein. Passend zum 250. Geburtstag des großen Romantikers, erfuhr diese Hommage an Caspar David Friedrich (Choreographie: Lars Scheibner) gerade eine Neueinstudierung durch Vinicius da Silva. Im Landestheater Neustrelitz zu sehen am 1. November.Foto: Theresa Lange
Während heute im nahen Güstrow Kunstnacht gefeiert wird, wird in Berlin der Theaterpreis des Bundes verliehen. Und zwar auch an das Ernst-Barlach-Theater Güstrow, mit dem die Deutsche Tanzkompanie Neustrelitz eine lange und enge Zusammenarbeit verbindet, zuletzt gefestigt durch eine mehrjährige Bundesförderung.
Zur Begründung für die Auszeichnung hieß es, als Gastspielhaus in einer strukturschwachen Region mit politischen Herausforderungen überzeuge das Haus in Güstrow durch die Balance im Programm zwischen Tradition und zeitgenössischer Ausrichtung. Und: Besonders das Engagement und die Zusammenarbeit in den Bereichen Tanz und Zirkus habe die Jury überzeugt. Auch die diesbezüglichen Mitmachangebote bzw. Workshops für Kinder und Jugendliche fielen auf.
„Und so freut man sich bei der Deutschen Tanzkompanie in Neustrelitz für Güstrow und ist auch ein bisschen stolz!“, schreibt mir der Geschäftsführende Direktor Marco Zabel. Nach einer beeindruckenden Gala im September reist das Ensemble heute wieder nach Güstrow, wo die Tänzerinnen und Tänzer erneut die Kunstnacht bereichern. Und es stehen weitere spannende Gastspiele in der laufenden Saison an.
Ab heute steht M-V außerdem im Fokus, wenn das zentrale Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit in Schwerin gefeiert wird. Nicht nur die Bundespolitik, ein ganzes Bundesland präsentiert sich. Und die Deutsche Tanzkompanie – seit vielen Jahren mit Botschafterfunktion für das Land – ist dabei! „Da wo Einheit, Miteinander und auch die Kultur dieses Landes gefeiert werden. Am 4. Oktober, 14 Uhr, zeigt die Deutsche Tanzkompanie open-air auf der Hauptbühne ein abwechslungsreiches Programm, das vom klassischen Pas de deux bis zu kraftvollen Gruppenbildern reicht. Dramatische Szenen, Tanzpoesie, neoklassisches Ballett und „liquide“ Bewegungen treffen auf zeitgenössischen Tanz und mitreißende folkloristische Klänge. Übrigens das einzige große Tanz-Event im Line-Up der Einheitsfeier.
Der Auftritt ist dabei in vielfacher Hinsicht symbolträchtig“, hebt Marco Zabel hervor: Ist die Deutsche Tanzkompanie doch auf Grundlage des Einigungsvertrages, durch Bürgerengagement und aus bzw. in der Verantwortlichkeit des Landes Mecklenburg-Vorpommern entstanden. Sie steht heute für zeitgenössisches Tanztheater mit fester Verwurzelung in der Tradition und ist regelmäßig in Neubrandenburg und Neustrelitz, im Land M-V und bundesweit zu erleben.