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Akademie für Alte Musik, Brandenburg, Dido - Königin von Karthago, Heckentheater, Kammeroper, Oper, Piccinni, Rheinsberg, Schloss

Vom 22. Juni bis 31. August findet in diesem Jahr der beliebte Rheinsberger Opernfestivalsommer statt. Unter dem Motto „Die Schatten Trojas“ wird in zahlreichen Veranstaltungsformaten dem Mythos rund um Troja nachgespürt. Musiktheater spielt dabei die größte Rolle: Neben Christoph Willibald Glucks „Iphigenie in Aulis“ im Heckentheater (Premiere: 6. Juli) ist Niccolò Piccinnis „Dido – Königin von Karthago“ als zweite Open-Air-Produktion im Hof des Rheinsberger Schlosses zu erleben (Premiere: 25. Juli).
Die Regisseurin Andreea Geletu richtet das Werk als halbszenische Produktion in geschichtsträchtiger Schlosshofkulisse ein. Die musikalische Leitung übernimmt Bernhard Forck, der Konzertmeister der nach Rheinsberg zurückkehrenden Akademie für Alte Musik Berlin. Die Rollen geben die Preisträger des 33. Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper Schloss Rheinsberg: Über 200 Bewerbungen aus aller Welt gab es in diesem Jahr. Die Hauptpartien werden doppelt besetzt: So bekommen noch mehr aufstrebende Opernsängerinnen und -sänger zu Beginn ihrer Karriere die Möglichkeit, sich mit einem starken Auftritt auf professionellem Niveau zu beweisen.
Das Schicksal um das legendäre Liebespaar Dido und Äneas hat seinen festen Platz in der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte: Die heute beliebteste Opernversion darf Henry Purcell für sich beanspruchen, vermutlich gefolgt von Hector Berlioz mit seinem Monumentalwerk „Les Troyens“. Der Stoff ist starker Tobak und dreht sich um aktuelle Themen: Um die Folgen des Krieges, um Flucht und Vertreibung, und um die Gnadenlosigkeit des Schicksals. Niccolò Piccinnis „Dido“ – eine Tragédie lyrique von 1783, frz. Originaltitel „Didon“ – spielt im heutigen Repertoire keine Rolle. Zu Unrecht, bringt die kurzweilige Partitur doch gerade die intimen Momente und die zwischenmenschlichen Konflikte der Figuren musikalisch zum Leuchten, untersucht das Spannungsfeld von privater und politischer Ebene und verleiht den verhandelten Grunddispositionen der Menschheit in ihrer Zeitlosigkeit Ausdruck.
Ludwig XVI. war von der Oper so begeistert, dass sie am Tage der Uraufführung auf Schloss Fontainebleau gleich dreimal hintereinander gespielt werden musste. Rund 250 Aufführungen an der Pariser Oper lassen sich in den darauffolgenden vier Jahrzehnten festhalten, was für die einstige Beliebtheit des Werkes spricht.
Das Libretto von Jean-François Marmontel basiert auf Pietro Metastasios Opernlibretto „Didone abbandonata“ („Die verlassene Dido“) aus dem Jahr 1724, das über 70 Mal von unterschiedlichen Komponisten vertont wurde – darunter Händel, Hasse und Paisiello. Ursprünglich geht der Stoff auf das berühmte Versepos „Aeneis“ des römischen Dichters Vergil zurück.
Kunstästhetische Debatte nachgestellt
Mit der Gegenüberstellung von Piccinnis „Dido“ und Glucks „Iphigenie in Aulis“ stellt die Kammeroper Schloss Rheinsberg bei ihrem Festivalsommer eine kunstästhetische Debatte des 18. Jahrhunderts nach: Gluck strebte musikdramatische Reformen an, legte Wert auf Natürlichkeit und Ausdruck – Piccinni hingegen auf Eleganz und Melodie. Das kontrastierende Doppel steht zudem im Zeichen des Festspielmottos „Die Schatten Trojas“: Während die „Iphigenie“ als Vorgeschichte des Trojanischen Krieges den Schatten vorauswirft, so wirft „Dido“ als eine Art Epilog den Schatten zurück.
Übrigens: Auch Purcells „Dido and Aeneas“ ist Teil des vielschichtigen Festspielprogramms. Die Akademie für Alte Musik Berlin und das „Opera Collective Ireland“ bringen Henry Purcells Kurzoper im halbszenischen Doppelpack mit John Blows „Venus and Adonis“ auf die Bühne des Schlosstheaters. (Premiere: 9. August; in englischer Sprache mit deutschen Übertiteln)
DIDO – KÖNIGIN VON KARTHAGO
Oper in drei Akten (halbszenisch)
in französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Bernhard Forck
Regie: Andreea Geletu
Akademie für Alte Musik Berlin
Vokalsystem Berlin
Dido: Fanny Utiger, Noémie Bousquet
Äneas: Ido Beit Halachmi, Chen Li
Iarbas: Maksim Andreenkov, Yiwei Mao
Phenice: Alexandra Beason, Lyriel Benameur
Araspe/Anchises: Hyunseuk Lee
VORSTELLUNGSTERMINE
Donnerstag, 25. Juli, 19.30 Uhr, Schlosshof Rheinsberg, Premiere, Besetzung A
Samstag, 27. Juli, 19.30 Uhr, Schlosshof Rheinsberg, Besetzung B
Sonntag, 28. Juli, 19.30 Uhr, Schlosshof Rheinsberg, Derniere, Besetzung A
TEASER HANDLUNG
Troja liegt in Schutt und Asche. Der trojanische Prinz Äneas flüchtet übers Mittelmeer an den Palast von Karthago, wo ihm Asyl gewährt wird. Dido, die Königin von Karthago, verliebt sich in ihn, und Äneas verliebt sich in sie. Doch die Götter haben einen anderen Plan: Äneas soll zurück nach Europa und Rom gründen, und der nubische König Iarbas marschiert mit seinem Heer voller Zorn auf Karthago zu…
