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Nach der Pressekonferenz: Maik Priebe, Sven Müller, Stefanie Esser, Malte Bähr und Daniel Geiss (von links) freuen sich auf die neue Spielzeit der TOG.

Mit einer ebenso erfreulichen wie kurzen Mitteilung hat Malte Bähr, Kaufmännischer Geschäftsführer der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz, heute Vormittag die alljährliche Spielplanpressekonferenz eröffnet. „Die Besucher sind wieder da.“ Gemeint ist, dass der coronabedingte Einbruch bei den Publikumszahlen weitgehend ausgebügelt ist. Ein Zuwachs zeichnete sich bereits in der vergangenen Spielzeit ab. Im Vergleich dazu wurde per April diesen Jahres noch einmal ein Plus von satten 18 Prozent verzeichnet.

Gleichwohl ist die finanzielle Lage der TOG wie die der meisten Theaterhäuser im Land angesichts von Tariferhöhungen und Preissteigerungen angespannt. „Bei uns sind es zusätzlich die Immobilien, die zu Buche schlagen“, so Bähr weiter. Deshalb sei es eine tolle Nachricht und eine Anerkennung, dass der Bund Fördermittel für die Erneuerung der Bühnentechnik im Landestheater Neustrelitz bereitstellt. Allerdings könne der dazugehörige Eigenanteil nicht von der TOG allein gestemmt werden, da bedürfe es der Unterstützung durch die Gesellschafter. „Wir sind guten Mutes“, fasste Intendant, Geschäftsführer und Operndirektor Sven Müller zusammen.

Philharmoniker erwarten hochkarätige Solist*innen

Solchermaßen motiviert, hat die TOG für Neustrelitz und Neubrandenburg einen großartigen neuen Spielplan erarbeitet, der mit Sicherheit bei denen ankommt, für die er gestrickt ist. Generaldirektor Daniel Geiss, Chefdirigent der Neubrandenburger Philharmonie, stellte für seinen Part die zehn Philharmonischen Konzerte der Saison 2024/25 in den Vordergrund. „Sie werden von denen angenommen, für die wir sie machen“, ist sich Geiss nach den Erfahrungen der Spielzeit 2023/24 sicher. Hochkarätige Solist*innen wie die Cello-Legende David Geringas, die Pianistin Julia Okruashvili und der Organist Vincent Knüppe werden erwartet. In einem Vivaldi-Programm mit Lichtinstallation werden auch Orchestermusiker als Solisten auftreten. Außerdem sei es gelungen, die junge Dirigentin Anna Handler für ein Konzert zu gewinnen.

Zum Auftakt der Konzertreihe wird Anton Bruckner anlässlich des 200. Geburtstages des Komponisten gehuldigt. Ein besonderes Highlight wird das neunte Konzert sein. Erstmals wird es eine konzertante Aufführung von Puccinis „Tosca“ mit szenischen Einlagen in der Konzertkirche geben, gemeinsam mit Opernchor und dem Philharmonischen Chor Neubrandenburg. Daneben dürfen sich die Musikfreunde auf Sonderkonzerte freuen, so zum Tag der Deutschen Einheit unter Mitwirkung der Orgel, zu Silvester und Neujahr.

Im Herbst wird es wieder ein Filmkonzert geben. Außerdem wird die Philharmonie beim Festspielfrühling auf Rügen vertreten sein, und sie wird bewährte Formate wie die „Musik zur Kaffeezeit“ und das „KlangLabor“ fortsetzen. Schließlich wird ein Konzert mit Schülern „ZukunftsMusik“ zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz in der Region veranstaltet. „Ich denke, wir haben eine attraktive Mischung aus Altbekanntem und spannend Neuem zusammengestellt“, so das Resümee des Chefdirigenten.

Sechs neue Produktionen im Musiktheater

Sven Müller machte mit den „gewichtigen und abwechslungsreichen“ Vorhaben in der Sparte Musiktheater bekannt. Sechs neue Produktionen wird es geben, fünf unter Dach und die Kálmán-Operette „Die Zirkusprinzessin“ auf dem Neustrelitzer Schlossberg. „Sehr aktuell, sehr politisch und unglaublich wichtig“ die Weill/Brecht-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“. Es folgt mit Gastsängerbesetzung, „um den wahren Verdi-Schmelz zu erzielen“, die berühmte Oper „Rigoletto“. Dann wird das Erfolgsmusical „Chicago“ von John Kander und Fred Ebb aufgeführt. „Ein unglaublich gutes Stück, man kann nur ‚Wow“ sagen“, so Müller voller Vorfreude.

Mit Mozarts Oper „Die Hochzeit des Figaro“ ist ein weiterer Opern-Klassiker ins Programm aufgenommen worden. Und schließlich wird noch ein Musikwerk mit Seltenheitswert in Neustrelitz inszeniert: „Die Feen“ von Richard Wagner, seine erste vollendete Oper, leicht eingekürzt. „Die kann unser Orchester machen, ansonsten bedarf es bei Wagner ja eher größerer Klangkörper.“ Müller hofft, auch überregional und gerade bei Wagnerianern Interesse zu wecken. Wieder aufgenommen werden wegen des großen Erfolges „The Famous Door on Swing Street“, unter anderem zu Silvester „Die Fledermaus“ und das Chor-Pasticcio „Bella Italia“.

Historische Wegmarken gesetzt

Schauspieldirektor Sven Priebe und Schauspieldramaturgin Stefanie Esser freuen sich auf Uraufführungen, deutsche Erstaufführungen und Theater an anderen Orten. Der Herbst 1989 und der Mai 1945 sind historische Wegmarken, die sie für das Schauspiel gesetzt haben. Was sperrig erscheine, werde sinnlich, poetisch und unterhaltsam, stellte Priebe in Aussicht.

Traditionell eröffnet wird die Saison auf dem Theatervorplatz. „Die Leute haben so oft danach gefragt, dass wir uns entschlossen haben, hier noch einmal ‚Stolz und Vorurteil‘ aufzuführen“, teilte der Direktor mit. Weitere Wiederaufnahmen: Das Kultstück „Die Känguru-Chroniken“ und die Komödie „Alle meine Männer“, zu sehen in Neubrandenburg und Neustrelitz. Und der „Polizeiruf 110“ wird auf Neubrandenburgs Straßen und Plätzen fortgesetzt. Die TOG bittet auch in der neuen Spielzeit wieder zu Tisch, das Format hat Anklang gefunden, und das Landestheater widmet sich dem literarischen Werk von Helga Nowak (1935 bis 2013). Zur ersten Lesung ist Corinna Harfouch angekündigt.

Probebühnen, Gelbes Gewölbe, Domjüch

Auf die Probebühnen in Neustrelitz und Neubrandenburg kommt das Märchen für die ganze Familie „Die Geschichte vom Baum“. Im Gelben Gewölbe des Hotels Schlossgarten wird „Inoffizielle Gefühle“, ein Recherchestück über queeres Leben in der DDR uraufgeführt. „Wahnsinnig froh“ ist Priebe, dass die TOG die Rechte für seine Bühnenbearbeitung des Arbeiter- und Nachwenderomans „Aus unseren Feuern“ von Domenico Müllensiefen bekommen hat, eine weitere Uraufführung. Musikalische Erinnerungen bringt der DDR-Liederabend „Als ich fortging“. „Glück“ (Neubrandenburg) und „Die verzauberten Brüder“ (Neustrelitz) sind die diesjährigen Weihnachtsmärchen. Bei Letzterem inszeniert Johanna Schall, die Musik übernimmt Pascal von Wroblewski.

Der multimediale Thriller „Anna“ von Ella Hickson, international sehr erfolgreich, erlebt am Schauspielhaus Neubrandenburg seine deutsche Erstaufführung. Die szenische Collage „Nach 1000 Jahren im Mai“ zum 80. Tag der Befreiung von Ute Frings, Nikolaus Merck und Thomas Möckel führt die Zuschauer auf sehr spezielles Gelände in die ehemalige Nervenheilanstalt Domjüch.

Noch nie im Theater zu sehen „Wege übers Land“ nach dem Roman von Helmut Sakowski, eine kleine Sensation. Mike Priebe bearbeitet die Vorlage für die Bühne. Die Komödie „How to date a Feminist“ von Samantha Ellis wird im umfänglichen Spielplanheft als „hochspannende Regiearbeit“ angepriesen, „die namentlich an dieser Stelle noch nicht verraten werden soll“.

„Marlene“ folgt „Cabaret“ im Sommerspektakel

Das Sommerspektakel in Neubrandenburg wird wieder opulent. Nachdem in diesem Jahr alle 19 Vorstellungen von „Cabaret“ ausverkauft sind, erhoffen sich die Theatermacher von dem Stück „Marlene“ über das Leben von Marlene Dietrich 2025 einen ähnlichen Erfolg. Es sorgt am Renaissance Theater Berlin für Furore.

Voller Verehrung hat Maik Priebe mitgeteilt, dass neben zwei Neuzugängen die große Mimin Karin Hartmann mit der kommenden Spielzeit ins Neustrelitzer Schauspielensemble zurückkehrt. Ihr Porträt ist im Spielplanheft übrigens neben der Ankündigung von „Wege übers Land“ zu sehen. Die Frage, wer die Gertrud Habersaat, unvergessen in der Verfilmung Ursula Karusseit, auf der Bühne spiele, ließ Priebe allerdings unbeantwortet.

Letzte Informationen: Künftig soll es nach Neustrelitzer Vorbild auch in Neubrandenburg vor Premieren Matineen geben. Außerdem werden Studententickets und Studentenabos angeboten, um mehr junge Leute von der Hochschule Neubrandenburg für die Angebote der TOG zu begeistern. Hier geht es zum

Spielzeitheft 2024-25