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Die Lesenden im Landestheater Neustrelitz: Burkhard Wolf, Noah Alexander Wolf, Barbara Schnitzler, Josefin Ristau und Thomas Pötzsch (von links).

Wer am gestrigen Sonntagnachmittag trotz des Bilderbuchwetters den Weg ins Landestheater Neustrelitz gefunden hat, wird es nicht bereut haben. Die szenische Lesung mit Barbara Schnitzler und den Mitgliedern des Schauspielensembles Thomas Pötzsch, Josefin Ristau, Noah Alexander Wolf und Burkhard Wolf sowie der Stimme von Uwe Johnson hat das auf der Drehbühne platzierte Publikum schnell in den Bann der Wortgewalt des bedeutenden Schriftstellers und Chronisten gezogen. Johnson hat nicht nur geschrieben, er hat mit dem ihm eigenen, unverwechselbaren Sprachstil Bilder gemalt, die in ihrer Detailliertheit seine Leser oder in diesem Fall Zuhörer eintauchen lassen in das Geschehen, ja geradezu fesseln. Und er ist ein wertvoller Zeitzeuge.

Gelesen wurde von den Mutmaßungen über den Tod von Jakob Abs, der ins Visier der Staatssicherheit gerät und nach seiner Rückkehr aus Westdeutschland umkommt. „Mutmaßungen über Jakob“ ist Uwe Johnsons Debütroman (1959). Anlässlich des 90. Geburtstages sowie des 40. Todestages widmet die Schauspielsparte der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz dem Jahrhundert-Schriftsteller eine exklusive Veranstaltungsreihe. Ensemble und Gäste erkunden gemeinsam Johnsons umfassendes Werk. Mit der gestrigen Lesung ist eine feine Fortsetzung der Reihe gelungen. Der größte Part fiel dabei Barbara Schnitzler zu, sie hat ihn mit Bravour bewältigt. Und der Einfall, die Literaturfreunde immer wieder zu neuen Podien der Lesenden zu drehen, verdient einen Sonderapplaus.