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Ödön von Horvath, Glaube Liebe Hoffnung, Landestheater, Maik Priebe, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Premiere, Schauspiel

Mit viel Applaus ist gestern Abend im Landestheater Neustrelitz die Premiere des Schauspiels „Glaube Liebe Hoffnung“ von Ödön von Horváth unter Mitarbeit von Lukas Kristl bedacht worden. Gedrückter Stimmung, wurde das Publikum im Anschluss in die frühlingslaue Februarnacht entlassen. Und so mancher Theatergänger dürfte die Schlusszeilen des Stücks noch lange im Kopf hin und her gedreht haben: „Ich lebe, ich weiß nicht wie lange. Ich sterbe, ich weiß nicht wann. Ich fahre, ich weiß nicht wohin. Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.“ Dermaßen unter die Haut gehen, das kann nur Theater. Es will nicht nur unterhalten, es will zum Denken anregen, bilden, aufklären, kritisch sein, aufrütteln, den Finger in die Wunde legen. Alles das bietet die jüngste Inszenierung am Neustrelitzer Bühnenhaus, und das macht sie so wertvoll. Gut gemacht!
Regie geführt hat Schauspieldirektor Maik Priebe. Ödon von Horvath hat ihm mit „Glaube Liebe Hoffnung“, entstanden zwischen 1932 und 1933 nach einem tatsächlichen Kriminalfall und mit Machtergreifung der Nazis noch vor der Inszenierung abgesetzt, eine Steilvorlage geliefert. Der Stoff, die Auseinandersetzung zwischen Individuum und Gesellschaft, ist aktuell wie eh und je, scheint zeitlos, die Handlung könnte im Heute spielen. Den „Kleinen Totentanz“, wie der Autor untertitelte, gerade jetzt, da die Welt radikalisiert erneut aus den Fugen zu geraten scheint, wieder auf die Bühne zu bringen, ist fast geboten. Priebe in seiner ersten Spielzeit bei der Theater und Orchester GmbH hat das erkannt, die Vorlage großartig umgesetzt, ihr mit seiner schon beachtlichen Erfahrung als Theatermann seine Handschrift verliehen.
Ergreifende Protagonistin
Voller Dankbarkeit dürfte Maik Priebe für das ergreifende Spiel seiner Protagonistin sein. Judith Florence Ehrhardt in ihrer Gastrolle in Neustrelitz vergisst man so schnell nicht. Anrührend als junge Frau Elisabeth zwischen Hoffnung auf das große Glück, dem Glauben an die eigene Kraft und dem letztlichen Scheitern an der Unbarmherzigkeit ihrer Umwelt bis hin zum Suizid, bietet sie großes Theater. Eine Besetzung, von der man meinen sollte, dass sie ideal ist. Und singen kann Judith Florence Ehrhardt auch noch!
Mit Rahel Ohm, bekannt vor allem aus Film und Fernsehen, als Frau Amtsgerichtsrat ist ein weiterer Gast für die Inszenierung gewonnen worden. Die Schauspielerin ist dem Theater immer treu geblieben, zum Glück, wie sich bei der Neustrelitzer Premiere wieder erwies. Noah Alexander Wolf als Polizist und Geliebter Elisabeths steht überzeugend für das Rädchen im Getriebe, das mit unzähligen anderen den Apparat am Laufen hält und dabei eigene Persönlichkeit, eigenes Gesicht nur noch unterschwellig erkennen lässt. Der Mitläufer schlechthin. Als er von der Vorstrafe Elisabeths erfährt, will er nichts mehr von ihr wissen, stürzt sie in die Verzweiflung und die Ausweglosigkeit. Großartig, wie Thomas Pötzsch den Invaliden gibt. Burkhard Wolf als Präparator, dem Elisabeth schon zu Lebzeiten für anatomische Zwecke ihren Körper verkaufen will, Josefin Ristau als fiese Geschäftsfrau und Dirk Schmidt als Kriminaler legen für das hauseigene Schauspielensemble Ehre ein und tragen unbedingt dazu bei, dass die Inszenierung ein Erfolg ist.
Für das Bühnen- und Kostümbild steht Susanne Maier-Staufen. Eine in den Bühnenhimmel ragende Betonmauer, flankiert von sich wie von Geisterhand öffnenden riesigen Jalousien, spärlicher Einsatz von Requisiten, weniger ist mehr. Die karge Ausstattung korrespondiert mit der Kälte des Geschehens, befördert Hochspannung und eine maximale Konzentration auf die Darsteller. Und wenn diese immer wieder ihren Gedanken nachhängen, könnte man die berühmte Stecknadel im Zuschauerraum fallen hören.
Musik, Licht, Ton: Permanente Gänsehaut
Auch mit Johannes Winde verbindet Maik Priebe eine langjährige Zusammenarbeit. Winde hat die musikalische Leitung übernommen. Musik, Licht (Matthias Kley) und Ton (Daniel Wolff) runden die trostlose, bedrohliche Atmosphäre perfekt ab, sorgen für permanente Gänsehaut, zerren an den Nerven. Die Dramaturgie hat Stefanie Esser besorgt.
„Glaube Liebe Hoffnung“ in der Inszenierung von Maik Priebe steht der TOG und ihrem Landestheater gut zu Gesicht. Dem „Volksstück“, wie es Horváth und Kristl auch nannten, sind gute Besucherzahlen zu wünschen, nachdem bei der Premiere doch der eine oder andere Platz im Zuschauerraum unbesetzt geblieben ist. Es wird auch am Schauspielhaus Neubrandenburg zu erleben sein und kann sich wirklich sehen lassen, auch wenn es keine leichte Kost bietet. Die nächsten Vorstellungen:
Fr. 01.03., 19:30 Uhr – Landestheater Neustrelitz
Mo. 01.04., 16:00 Uhr (Ostermontag) – Landestheater Neustrelitz
Fr. 12.04., 19:30 Uhr – Schauspielhaus Neubrandenburg
Sa. 20.04., 19:30 Uhr – Landestheater Neustrelitz
Fr. 26.04., 19:30 Uhr – Schauspielhaus Neubrandenburg
Kartenwünsche werden gern entgegengenommen unter 03981 20 64 00 oder Tickets einfach online buchen unter https://tog.de



