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Adolf Friedrich VI.

Bei der mit Spannung erwarteten Premiere von Verdis „Ein Maskenball“ am kommenden Sonnabend um 19.30 Uhr im Großen Saal des Landestheaters Neustrelitz wäre Großherzog Adolf Friedrich VI. (1882 bis 1918) mit Sicherheit gern dabei gewesen. Der große Freund und Gönner des Neustrelitzer Theaters hätte Gelegenheit gehabt, sich selbst auf der Bühne zuzuschauen. Regisseur Lothar Krause hat eine Fassung eigens für das Landestheater Neustrelitz erarbeitet. Sie beschreibt fiktiv die letzten Lebenstage des letzten Regenten von Mecklenburg-Strelitz, der tragisch im Winter 1918 von eigener Hand ums Leben kam.

Lothar Krause. Foto: TOG

Alles, was Strelitzius bislang aus der begeistert aufgenommenen Matinee zur Oper und von Zaungästen der Proben erfahren hat, deutet auf einen Geniestreich Krauses hin. Aber auch Ausstatter Pascal Seibicke hat alle Register seines Bühnenhandwerks gezogen. Auf der Bühne zu erleben sind Nana Dzidziguri, Ryszard Kalus, Robert Merwald, Sebastian Naglatzki, Laura Scherwitzl, Sonja Maria Westermann, Jenish Ysmanov und Hyoung-Jun Lim. Einer der Höhepunkte im Musiktheater, wenn nicht der Höhepunkt der Spielzeit, steht an!

Sehr erfreulich ist, dass Sandra Lembke jeweils um 18.45 Uhr im Rangfoyer in das Stück einführt. Die Neustrelitzer Historikerin war so freundlich, mir und meinen Lesern schon mal einen kleinen Einblick zu gewähren: „Schon die Vorfahren von Adolf Friedrich VI. waren mit bedeutenden Komponisten ihrer Zeit persönlich bekannt oder luden berühmte Opernsänger und Schauspieler in die Residenzstadt ein. Besonders die Großmutter des jungen Adligen drückte dem Neustrelitzer Hoftheater ihren Stempel auf. Die resolute britischstämmige Großherzogin Augusta Caroline wohnte sogar den Proben bei und stürmte dabei auch schon mal die Bühne, um den Darstellern zu zeigen, wie sie – nach Meinung der Landesmutter – ihre Rollen interpretieren sollten.

Gern saß Augusta Caroline während der Aufführungen hinter dem Kapellmeister und klopfte ihm mehr oder weniger sanft mit dem Fächer auf die Schulter, wenn ihr gewisse Tempi nicht genehm waren. Adolf Friedrichs Großeltern sorgten sich auch anderweitig um das Musikleben von Neustrelitz – nur durch ihre großzügige Stiftung konnte die Grüneberg-Orgel in der Stadtkirche vollendet und im Jahr 1893 geweiht werden.

Kostümpuppe. Foto: Sandra Lembke

Adolf Friedrich VI. war der Musik und Kunst ebenfalls sehr zugetan. Die Neustrelitzer konnten ihren Landesherrn bei den Aufführungen im Hoftheater ihrer Stadt regelmäßig antreffen. Der junge Adlige lauschte auch im privaten Kreis Opernklängen, die dann beispielsweise von Musikgrößen wie der italienischen Sopranistin Mafalda Salvatini dargeboten wurden. Die in Berlin engagierte Primadonna besuchte Adolf Friedrich VI. auch in der Sommerfrische im Ostseebad Heringsdorf und sang dort für ihn, seine Freunde und Gäste.

Zum Dank schenkte ihr der Großherzog im Sommer 1916 ein Portraitfoto mit der Widmung „Zur Erinnerung an den herrlichen Gesang“. Wie wichtig ihm gerade das Musiktheater war, zeigt auch eine Passage aus seinem Testament, das er 1917 auf dem Weg zur Westfront aufsetzte. Adolf Friedrich VI. wollte demnach in Neustrelitz eine nach ihm benannte Kunstschule ins Leben rufen, für die die bedeutendsten Künstler der Musik und des Gesanges verpflichtet werden sollten.

Hätte Adolf Friedrich VI. länger gelebt, dann hätte er sich seinen großen Traum erfüllen können. Denn in einem Nachruf heißt es, dass der Großherzog ein zweites Weimar in Neustrelitz wiederauferstehen lassen wollte. Demnach plante er wohl auch die Errichtung eines neuen Hoftheaters. Doch während des Ersten Weltkrieges hatten andere Dinge Priorität. Adolf Friedrich VI. erwarb sich schnell die Sympathien der Bevölkerung, weil er stets versuchte, die Not seiner Landeskinder zu lindern.

Er beschaffte Lebensmittel, spendete großzügige Summen und tat aber auch wieder etwas für das Hoftheater: Als allerorts die Spielstätten geschlossen wurden – weil die Kohlen knapp und viele Ensemblemitglieder zudem an der Front waren – zögerte er diesen Schritt nachweislich so lange wie möglich hinaus, um die Neustrelitzer Theatermitarbeiter in dieser schweren Zeit nicht ohne Lohn und Brot zu lassen“, hat mir meine Blogfreundin Sandra zugearbeitet. Die hat noch viel mehr herausgefunden, auch wenn sie sich dagegen sträubt, inzwischen eine Institution in Sachen Mecklenburg-Strelitz zu sein. Unbedingt ihre Stückeinführungen mitnehmen!

Weitere Vorstellungen der Oper „Ein Maskenball“ in ihrer außergewöhnlichen, nur in Neustrelitz zu erlebenden Inszenierung am 26. Januar und am 1. Februar, Vorstellungen 19.30 Uhr, Stückeinführungen mit Sandra Lembke um 18.45 Uhr.