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Anlässlich des 200. Todestages der britischen Königin Charlotte und passend zum Trauermonat November steht diesmal der Tod im Mittelpunkt des nächsten Vortrages von Sandra Lembke im 3 Königinnen Palais Mirow. Exklusiv gewährt meine Blogfreundin den Strelitzius-Lesern eine ausführliche Vorschau.

„In the midst of life we are in death“ (Mitten im Leben sind wir im Tod) ist ein Hymnus, der bereits seit Jahrhunderten zur anglikanischen Totenliturgie gehört. Er erklang auch im Dezember 1818 bei den Beisetzungsfeierlichkeiten der britischen Queen Charlotte in der St. George’s Chapel auf Windsor Castle. Zahlreiche Monarchen wurden unter diesem Gesang zu Grabe getragen, der unter anderem von englischen Komponisten wie dem großen Henry Purcell so wunderbar vertont worden ist.

Sophie Charlotte blickte auf langes Leben zurück

Großbritannien sagte seiner Königin auf sehr würdevolle Weise Lebewohl. Schließlich hatten die meisten Menschen nie eine andere Queen gekannt. Denn anders als viele ihrer Zeitgenossen, konnte die im Alter von 74 Jahren verstorbene Sophie Charlotte auf ein langes Leben zurückblicken. Im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert klopfte Gevatter Tod fast ständig an die Pforten. Er ließ kleine Kinder von eigentlich harmlosen Krankheiten nicht mehr genesen, raffte Männer durch Unfälle und Frauen im Kindbett dahin oder ereilte einige Menschen im grausamsten Fall immer noch am Galgen.

Die Hinterbliebenen wollten ihren Toten natürlich ein möglichst ehrenvolles letztes Geleit geben. Während die Trauerfeiern des Volkes ergreifend, aber oft bescheiden anmuteten, fielen die Beisetzungen des Adels äußerst prachtvoll aus. Auch das Mecklenburg-Strelitzer Herzogshaus bettete seine Angehörigen stets prunkvoll zur letzten Ruhe. Das kleine Mirow erwachte an solchen Tagen aus seinem Dornröschenschlaf, wenn sich die beeindruckenden Trauerprozessionen zur Johanniterkirche hin bewegten, wo der Sarg des oder der jeweiligen Verstorbenen seinen Platz in der Gruft finden sollte. Ein solches Ereignis wurde vorbildlich und minutiös vorbereitet und verlangte auch noch im Nachgang die Einhaltung strenger Vorschriften. Das erschwerte den Alltag der Lebenden hin und wieder doch sehr, vor allem wenn – wie Mitte des 18. Jahrhunderts geschehen –  mehrere Herzöge und Herzoginnen kurz hintereinander starben.

Auch adlige Familien vor Kindstod nicht gefeit

Doch im Tod sind Arm und Reich dennoch immer gleich gewesen. Während der eine binnen Minuten friedlich aus dem Leben schied, standen andere tagelange entsetzliche Qualen aus, bevor sie endlich von ihren Leiden erlöst wurden. Als Beispiele seien hierfür Königin Sophie Charlottes Schwägerinnen Friederike und Charlotte von Hessen-Darmstadt genannt, die beide unter unvorstellbaren Schmerzen im Kindbett ums Leben kamen.

Große Trauer herrschte zudem in den Familien, wenn Kinder das Zeitliche segneten. Trotz günstigerer Lebensbedingungen waren auch adlige Familien vor einem solchen Schicksalsschlag nicht gefeit. Königin Sophie Charlotte und ihr Gatte verloren zwei ihrer Söhne im Kleinkindalter. Obwohl am britischen Hof für Kinder unter 14 Jahren offiziell nicht getrauert werden durfte, sollte vor allem George III. über den Verlust der kleinen Prinzen nie hinwegkommen. Adel wie Volk fanden in sämtlichen Trauerfällen nur Trost in dem Gedanken, dass ihre Lieben nun in eine bessere Welt eingegangen waren. 

„Im Vortrag werde ich den Umgang mit Tod und Trauer in Mecklenburg-Strelitz und Großbritannien beleuchten. Hier gab es viele Parallelen, aber auch interessante Unterschiede“, schreibt mir Sandra Lembke. „Ich habe mich im Rahmen meiner Recherchen unter anderem mit den Trauerzeremoniellen der herzoglichen Familie und mit denen der englischen Royals intensiv auseinandergesetzt. Daher werden die Zuhörer beispielsweise viele Details von der Beisetzung Königin Sophie Charlottes erfahren können.“

Schläge und Tritte bei der Beerdigung

Natürlich bleiben auch die Totenbräuche des Volkes nicht unbeachtet. Einige von ihnen erscheinen uns aber heute doch eher skurril – denn wo muss man schon als Gast auf einer Beerdigung Schläge und Tritte einstecken? Ebenso zeugen manche alte Grabinschriften vom Humor des Verstorbenen oder seiner Hinterbliebenen.

 Trotz des ernsten Themas können sich die Zuhörer also wieder auf einige Überraschungen freuen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Vorträge ab sofort immer um 18 Uhr beginnen!