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Was hat meine Holde, was ich nicht habe? Sicherlich so einiges, aber das kann man ja durch ein simples Telefon nicht sehen. Zumal ja gar keine Verbindung zustande gekommen ist. Jedenfalls nicht mit mir an der Muschel. Einen ganzen Vormittag lang habe ich überweisungsscheinbewehrt versucht ein körperliches Gebrechen vorzutragen, allein, ich wurde nicht erhört. Als ich dann irgendwann entnervt aufgab und das Ergebnis Null der Bemühungen meiner besseren Hälfte fernmündlich klagte, besaß die doch tatsächlich die Kühnheit, sich die anscheinend undurchlässige Nummer geben zu lassen. Mehr noch, nach nur einer Viertelstunde hatte ich die Zierde meines Heims wieder an der Strippe, mit dem von mir ersehnten Facharzttermin in Neustrelitz. Nicht mal auf eine Warteliste bin ich gekommen, ich fasse es nicht.

Was mich jedoch so richtig fertig macht, ist der mir übermittelte Kommentar der Sprechstundenhilfe, es müsse einfach nur der Richtige anrufen. Womit meine Wenigkeit im Umkehrschluss also die falsche ist. Schon keimt in mir ein Minderwertigkeitskomplex auf, der, sollte er sich erst so richtig auswachsen, erneut eines Medizinmannes bedürfte. Allerdings eines anderen, den ich zwecks Termin wieder anklingeln müsste. Und dann wird wieder nicht abgehoben, weil bei uns auf dem flachen Land dieser Arzt noch schwerer zu haben ist, und ich bin vielleicht wieder nicht der Richtige. Mein Komplex würde zur Depression.

Wenn nun meine Angetraute einmal mehr einen telefonischen Treffer beim Doktor landet, droht die Ausweitung zur Schizophrenie. Ich bräuchte allerdings in dem Fall nur noch drei Ziffern einzutippen. Unter 112 geht immer einer ran. Und dann kommen sie mich holen. Ohne Termin.