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Die überraschende Bewegung in der Auseinandersetzung zwischen Vertretern des Landes und der Stadt Neustrelitz über den Umgang mit dem Schlosskeller und die Gestaltung der darüber liegenden Fläche (Strelitzius berichtete) hat auch den bekannten Neustrelitzer Bauexperten Prof. Helmut Böhme zu einer Meinungsäußerung veranlasst. So erfreulich es sei, dass sich Schwerin auf Neustrelitz zubewege, müsse er doch die Frage stellen, was der vom Rostocker Büro Webersinke vertretene „enttäuschende“ Entwurf mit der Denkmalliste des Landes zu tun habe.  Vorgeschlagen werde „eine durchaus interessante Platzgestaltung, die allerdings völlig neutral irgendwo anders in der Welt“ auch infrage käme.

„Man muss leider feststellen, dass im gesamten vorgestellten Entwurf des Landes diese denkmalgeschützten Areale nicht nur eine untergeordnete Rolle spielen, nein, sie existieren überhaupt nicht. Erstens müsse ohne Wenn und Aber der Denkmalschutz eingehalten werden und zweitens müsse das von den Verlusten nach 1945 gebeutelte Neustrelitz unbedingt die Chance bekommen, wenigstens mit einem gesicherten Schlossareal einen nicht nur touristischen Höhepunkt  schaffen zu dürfen. Dieser würde der Region Auftrieb geben und dem historisch überregional bedeutenden ehemaligen Schloss, nicht nur als Sitz eines ehemaligen deutschen Staates, sondern in dem 1919 führend in Deutschland die erste demokratische Nachkriegsverfassung durch die in Strelitz führenden politischen Kräfte initiiert wurde, gerecht werden, so Böhme.

Der von der Neustrelitzer Initiativgruppe unter Leitung von Bernd Werdermann gemachte Vorschlag stelle viel eher eine alle befriedigende Lösung dar. „Dazu gehört in erster Linie die vom Land beharrlich unterschlagene Notwendigkeit der absolut sauberen Beräumung aller Keller und dann eine solide, bautechnisch einwandfreie Stahlbeton-Überdeckung der gesamten Kellerkonstruktion.“

Darüber hinaus erfordere eine sinnvolle Gestaltung als Blick- und Höhepunkt auch den Aufbau eines quasi Ausrufungszeichens, eines  echten Bellevue, eines schönen Ausblicks. Überall sei die typische Schlossturm-Silhouette bekannt, nicht nur durch das Pendant in Berlin-Charlottenburg. Dabei könnte eine sinnvolle heutige Anpassung der baulichen Struktur gut geeignet sein, dem ganzen Ensemble das notwendige Flair zu vermitteln, meint der Professor. Es sei daran erinnert, wie positiv die vor Jahren dort an alter Stelle konstruierte Stahlstruktur als Blickpunkt auf alle Betrachter gewirkt habe.

Viele brauchbare Vorschläge

Wenn erst einmal der erste Schritt zur Freilegung der Keller und Fußböden getan wurde, dann werde eine eingehende Bauschadenanalyse die weiteren Schritte, also Sicherung der Kellerkonstruktion und Nutzung als Museum für Besucher und Lager für wissenschaftliche Untersuchungen, klar vorzeichnen, ist sich der Bauexperte sicher. Am Rande der Stadtvertretersitzung seien überwältigend viele brauchbare Vorschläge für eine anhaltende, wirtschaftliche Nutzung des Areals geäußert worden. Da brauche sich das Land nicht zu sorgen, dass das Geld nicht sinnvoll angelegt wäre.