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Der Trauerschnäpper wird kräftig mitzwitschern. Foto: Roland Weber

Ich gebe zu, dass mich bei dieser Meldung geradewegs der Schalk geritten hat. Bei der Ankündigung einer „Meditativen Wanderung“, noch dazu durch den Wald, sehe ich mich sofort in Trance gegen Bäume laufen. Bleibt nur zu hoffen, dass zumindest die Müritz-Nationalpark-Ranger in diesem Fall nicht mitmeditieren und erste Hilfe leisten. Nicht auszudenken, wenn nach einer ganzen Wandergruppe gesucht werden müsste, die irgendwo da draußen vor lauter Bewusstseinserweiterung im Unterholz in den Tiefschlaf gerutscht ist. Spaß beiseite, tatsächlich wird am 21. und 28. April zu einer Vogelstimmenwanderung in das Naturreservat eingeladen. Getreu dem Motto „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ geht es bereits um 6 Uhr vom Parkplatz des Jugendwaldheims Steinmühle auf die dreistündige Tour über rund sechs Kilometer.

Im Frühling vereinen sich die vielen unterschiedlichen Vogelgesänge zu einer stimmgewaltigen Sinfonie des Waldes. Doch wer kann all diese so unterschiedlichen Stimmen im Frühlingswald unterscheiden, ein wenig Übersicht in die scheinbare Unordnung bringen? Der Ranger weiß, wer da singt. Vor allem aber übersetzt er die geheime Sprache der Vögel. Ist es tatsächlich eine Liebeserklärung die da vertont wird, oder versuchen die gefiederten Musiker aus voller Kehle ihr Revier abzustecken? Vielleicht werden auch Artgenossen mit lautstarkem Gezeter vor drohender Gefahr gewarnt.

Frühaufsteher und Musikliebhaber kommen sicher auf ihre Kosten, wird versprochen. Und für die Meditation lässt sich für den Fall der Fälle sicherlich vor dem Losgehen noch eine schonende Wecktechnik vereinbaren. Wäre schon toll, wenn die Piepmätze mit ihrem Gezwitscher tatsächlich den Wandervögeln dazu verhelfen, die schon vom Psychiater und Philosophen Karl Jaspers (1883 bis 1969) beschriebene Subjekt-Objekt-Spaltung zu überwinden. Vielleicht ein ganz neuer Therapieansatz. Zumindest für den Nationalpark. Auf meinen Entspannungs-CDs daheim haben es die gefiederten Sänger schon geschafft.