Schlagwörter
Angesichts des schlechtesten Saisonstarts seit fünf Jahren hat sich die TSG Neustrelitz an ihre rund 180 Sponsoren gewandt. „Viel wurde im Umfeld der TSG Neustrelitz in den vergangenen Wochen über die sportliche Misere gesprochen und geschrieben. Diese wollen wir auch nicht schönreden. Aber für uns ist sie kein Grund, bereits jetzt die Flinte ins Korn zu werfen“, heißt es in dem Schreiben.
Insbesondere im Fußball hänge der sportliche Erfolg maßgeblich von finanziellen Mitteln ab. Die TSG habe sich vor der Saison ganz bewusst entschieden, den Konsolidierungsweg einzuschlagen und mit einem abgespeckten Budget in die Spielzeit zu gehen, heißt es weiter. „Dass damit natürlich auch eine schwere Saison auf uns zukommt, war und ist uns bewusst.“
Die TSG habe sich jetzt entschlossen an die Sponsoren heranzutreten, um „in der öffentlichen Wahrnehmung auch einige Fehl-Wahrnehmungen zu korrigieren“. Der Verein hoffe, dass ihm die Sponsoren treu bleiben. Er sei davon überzeugt, mit Trainer Benjamin Duray die Regionalliga zu halten.
Hallo Herr Gross,
der Vorstand hat bereits im Mai gewusst, dass die neue Saison unter ganz anderen Vorzeichen stehen wird, als in den Jahren zuvor. Noch im „Heimspiel“ vom August, der Beilage des Nordkuriers zur Saisoneröffnung der TSG, liest sich das völlig anders. Für mich ist das eine bewusste Täuschung aller Mitglieder, Anhänger und Sponsoren und ein klarer Verstoß gegen die Pflichten eines gewählten Vorstands.
Anstatt nach dem Offenbarungseid jetzt wenigstens ein Minimum an Selbstkritik zu üben, flüchtet man sich in hohle Phrasen und spricht von „Fehl-Wahrnehmungen“. Was soll damit überhaupt gemeint sein? Ist es etwa eine Fehl-Wahrnehmung, dass die TSG mit nur einem Punkt auf dem letzten Tabellenplatz der Regionalliga steht? Dass die zweite Mannschaft in unrühmlicher Art und Weise zu Grabe getragen wurde? Dass während der laufenden Saison ein Vorstandsmitglied nach 13 Jahren plötzlich feststellt, dass das Amt zuviel Zeit kostet und der Co-Trainer, dass es in Russland mehr Geld zu verdienen gibt? Sind es auch nur Fehl-Wahrnemungen, dass die Homepage des Vereins seit Jahr und Tag nicht den Ansprüchen eines Regionalligisten genügt und seit über 3 Jahren keine Mitgliederversammlung mehr stattgefunden hat?
Es ist höchste Zeit, dass der Vorstand sich selbst kritisch hinterfragt, die Mitglieder wieder ihr Recht auf Mitbestimmung einfordern und auch die Fans „mitgenommen“ werden.
In erfolgreicheren Tagen wurde der Slogan „Eine Stadt – ein Verein“ aus der Taufe gehoben, leider blieb er für alle Beteiligten mehr oder weniger immer nur ein Lippenbekenntnis. Für einen kleinen Verein wie die TSG ist er jedoch geradezu überlebensnotwendig, will man weiterhin überregional präsent sein. Nur muss man ihn dann auch zum Leben erwecken und mit entsprechenden Taten unterfüttern.