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Radtour3Erst beim dritten und dann schon etwas lauteren “dzien dobry” öffnete der dicke Mann die Augen, war dann aber auch sofort die Freundlichkeit selbst. Usedom ist eine Radlerinsel, Tausende treten täglich auf Europas längster Strandpromenade zwischen Swinemünde und Bansin in die Pedale. Aber es gibt auch jede Menge Verleiher, daneben bieten die meisten Hotels Drahtesel an. Da kann man sich schon mal ein Vormittagsschläfchen gönnen. Für einen Euro pro Stunde und Zweirad erhalten wir zwei fast neue fahrbare Untersätze mit Sechs-Gang-Schaltung einschließlich Schlössern und Fahrradkorb für die unvermeidliche Handtasche der Holden. Ab auf die Piste!

Lieber erst anhalten, dann bestaunen

Um es zusammenzufassen: Es ist das pure Vergnügen. Der Kurs führt teils durch Wald, teils direkt an der Ostsee durch die Kaiserbäder, immer flankiert von atemberaubenden historischen und Neubauten. Allerdings sollte zum ausgiebigeren Häuserbestaunen lieber angehalten werden, der Radelweg ist wie gesagt stark frequentiert, auch von Leuten, die ihrer Fahrweise nach zum ersten Mal im Sattel sitzen. Und von Fußgängern, die vom eigenen Pfad abkommen. Überall laden schicke Gaststätten zum Verweilen ein, Fahrradständer gibt es en masse und sogar ein Toilettentunnel wird passiert. Aus dem will der Frischluftfan aber auch schnell wieder raus. Zum Beispiel an den Strand für ein Bad zwischendurch.

RadtourNatürlich ist ein Gang über die  Seebrücken ein Muss, das Theaterzelt Chapeau Rouge der Vorpommerschen Landesbühne Anklam liegt ebenso am Wegesrand wie die Public Viewing Arena direkt am Strand, die zur Fußball-EM wieder die Adresse schlechthin ist. Ein Schuh-Outlet, das vorübergehend ausgerechnet im noblen Kaiserhof untergekommen ist, hob meine bessere Hälfte aus dem Sattel… Auch eine Rast direkt an der Nahtstelle zwischen Deutschland und Polen ist zu empfehlen, Grenze mal anders.

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Gehweg und Radweg liegen, wie hier in Swinemünde, häufig nebeneinander. Das führt zu “Grenzübertritten” beider Seiten, Vorsicht ist geboten.

Am Ende hatten wir, zurück in Swinemünde, 24 Kilometer in den Waden und bis auf ein blödes “Wer lesen kann, ist klar im Vorteil” einen schönen Tag gehabt. Denn, wo absteigen dran steht, sollte auch abgestiegen werden. Unser freundlicher Pole war diesmal wach und wir haben ihm versprochen, beim nächsten Mal in Swinemünde wieder seine Dienste in Anspruch zu nehmen. Vielleicht geht es dann mit den Rädern auf die schöne Nachbar-Ostseeinsel Wolin. Fortsetzung folgt.