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Auszeichnung, Daniel Sanders Preis, Kulturquartier, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Starsy

Im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz hat gestern Peter Starsy den Daniel-Sanders-Preis 2024 für Kultur und Demokratie erhalten (Strelitzius berichtete). Laudator Dr. Bernd Schattinger würdigte den von der Stiftung Kulturgut Ausgezeichneten als einen „Datensammler, der sich als Laienforscher professionalisiert und der letztlich mit seiner genealogisch ausgerichteten Familien- und Personendaten-Sammlung eine besondere kulturell-wissenschaftliche Leistung erbracht hat und erbringt“.
Schattinger, langjähriger Vorsitzender des Fördervereins der Landesbibliothek M-V, sprach im Zusammenhang mit der Würdigung aber nur von einem ersten Schritt. In einem zweiten müsse für das auf einem Privat-PC existierende Verzeichnis eine offizielle, öffentliche, serverbasierte und professionelle Datenbank eingerichtet und betrieben werden. Er denke dabei an Institutionen wie das Landeshauptarchiv, die Landesbibliothek oder auch an die Universitätsbibliotheken Rostock und Greifswald. „Wenn das gelänge, wäre das Lebenswerk von Peter Starsy, des in der Tradition von Daniel Sanders wirkenden Personen-Lexikografen gesichert.“
Peter Starsy selbst äußerte sich zum Vergnügen der Teilnehmer an dem Festakt erleichtert, nicht für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden zu sein. Das hätte sich doch etwas sonderbar angefühlt. Schließlich habe er trotz seines langen Wirkens noch viel vor, so der 64-Jährige. Nicht unwidersprochen blieb die Aussage des Preisträgers, Mecklenburg-Strelitz lebe „heute nur noch in den Köpfen einiger mir mir gealteter Enthusiasten fort, und das auch nur für begrenzte Zeit. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern wird“. Auch sei es still geworden in der Beschäftigung mit der Geschichte der Demokratie in MV. „Aus unserer Region sind es nur einige wenige Namen, die wir damit in Verbindung bringen, darunter auch Daniel Sanders, den Namensgeber des heutigen Preises“, sagte Starsy.
Der Neustrelitzer Bürgermeister, dessen Stadt mit dem Schlossberg ja über einen anerkannten Ort der Demokratiegeschichte verfügt, wollte das so nicht stehen lassen. Mit dem Überreichen der obligatorischen Strelitzie an Starsy lud Grund den Geehrten und dessen Laudator ausdrücklich ein, sich mit all ihrer Expertise in die aktuelle Erarbeitung eines Ausstellungskonzeptes zur Demokratiegeschichte einzubringen. In der künftigen Ausstellung in Neustrelitz werde mit Sicherheit auch auf die Daniel-Sanders-Preisträger verwiesen.
Stiftungsvorsitzender: Beeindruckende jahrzehntelange Arbeit
Eingangs hatte der Stiftungsvorsitzende Marco Zabel den Preisträger 2024 „für seine beeindruckende jahrzehntelange Arbeit“, gewürdigt. „Recherche, Forschung, Dokumentation, Digitalisierung und Publikation zur Geschichte des Landes Stargard und des späteren Mecklenburg-Strelitz, insbesondere der Stadt Neubrandenburg sind ihm Lebensthema geworden.“ Eine ausführliche Begründung zur Preisvergabe findet sich im Anhang. Zabel freute sich, neben zahlreichen Vertretern von Kommunen aus dem Altkreis Mecklenburg-Strelitz auch Herzog Michael zu Mecklenburg als Vertreter des Großherzoglichen Hauses begrüßen zu dürfen.
Unbedingt hervorzuheben ist der Festvortrag von Sebastian Göttel, ausgewiesenen Sanders-Experte und moderner Lexikograph bzw. Wörterbuch-Schreiber. „Ein Preis für Kultur und Demokratie – mit Daniel Sanders als Namensgeber – lässt bereits erkennen, wie eng Sprache mit dem Wesen unserer Demokratie verknüpft ist. Sprache ist ein Machtinstrument, ein Werkzeug der Teilhabe; sie kann uns verbinden, sie trennt uns, sie kann uns erleuchten oder auch gehörig in die Irre führen“, betonte der Redner. Umso wichtiger sei es, sprachliche Präzision und kritische Reflexion zu fördern. „Hier spielt die Bildungssprache eine entscheidende Rolle. Sie ist das Fundament für öffentliche Diskurse, politische Debatten und wissenschaftliche Diskussionen. Bildungssprache erlaubt es uns, komplexe Zusammenhänge zu denken und auszudrücken.“
Sprachbildung sei daher kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für Demokratie. „Nur wenn wir jungen Menschen die Werkzeuge an die Hand geben, um differenziert zu kommunizieren und zu argumentieren, können sie in einer zunehmend polarisierten Welt ihre Stimme erheben und Gehör finden. Bildungssprache bedeutet Teilhabe. Wer die Sprache der Debatte nicht versteht, bleibt ausgeschlossen“, schloss Göttel.
Letztlich möchte ich nicht versäumen, an dieser Stelle noch die Kon.centus-Musikschüler namentlich aufzuführen, die uns alle im Daniel-Sanders-Saal des Kulturquartiers Mecklenburg-Strelitz erfreuten: Ella Vöske (Viola), Lydia George (Klavier) und Nazar Repetovskyi (Gitarre).




