Schlagwörter
Brandenburg, Kernkraftwerk, Kunst, Leibniz-Institut, Rheinsberg, Salz.Ton.Granit., Schreiber, Stechlinsee

Das künstlerische Forschungsprojekt SALZ. TON. GRANIT. Über nukleare Vergangenheiten und strahlende Zukünfte lädt am 8. September zu einem Ausflug mit der Künstlerin Marike Schreiber ein. Ziele sind das Kernkraftwerk Rheinsberg (KKR), das seit 1995 zur „grünen Wiese“ zurückgebaut wird, der seit Theodor Fontanes Würdigung berühmte Stechlinsee sowie das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.
Das KKR wurde als erstes Kernkraftwerk der DDR 1966 in Betrieb genommen. Wegen der geringen Besiedlung, der zur Verfügung stehenden Kühlwassermenge sowie der fehlenden Kohlevorkommen in der Gegend wurde ein Standort am Stechlinsee ausgewählt. Damals hatte das KKR etwa 650 Mitarbeiter_innen, nun arbeiten nur mehr 100 Personen am Rückbau, der bereits länger dauert als die eigentliche Betriebszeit. Die Künstlerin Marike Schreiber interessiert sich für die Verstrickungen des Kernkraftwerkes und des umliegenden Naturschutzgebietes und verbindet beide durch den Stechlinsee, der eine Schlüsselrolle als „Kühlungsanlage“ des KKR spielte, gleichzeitig aber auch ein wichtiger Klarwassersee mit hervorragender Wasserqualität und großer Biodiversität ist und seit dem späten 19. Jahrhundert von Forschenden untersucht wird.
Der Ausflug beginnt am Rheinsberger Bahnhof mit der Besichtigung des ehemaligen Atomtransportwagens und einer Führung der AG Rheinsberger Bahnhof, die von engagierten Eiseinbahner_innen gegründet wurde, um das Bahnhofsgelände wieder zu beleben. Im Anschluss treffen wir Jörg Möller, ehemaligen KKR-Mitarbeiter und Vorsitzender des Vereins Stadtgeschichte Rheinsberg für ein Gespräch über seine damalige Arbeit und die Auswirkungen des KKR auf die Gemeinde. Nach einer kurzen Mittagspause brechen wir zu einer Sonderfahrt der Niederbarnimer Eisenbahn zum Betriebsbahnhof der Kernkraftwerkes durch das Naturschutzgebiet Stechlin auf. Diese Bahnstrecke wurde speziell für den Werkverkehr des KKR gebaut (Personenfahrten sowie Transport) und 1996 stillgelegt, nun wird sie nur für den Rückbau verwendet.
Vom Werkbahnhof wandern wir zum Werktor des Kernkraftwerks und dann entlang des Stechlinsees bis zum Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (mit Bademöglichkeit). Hier werden uns Forschende über ihre Langzeitrecherche zu den Auswirkungen des KKW-Betriebs auf den Stechlinsee berichten und Messinstrumente verschiedener Generationen vorstellen. Das Institut ist einzigartig, weil es seit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks dessen gewässerökologischen Auswirkungen mitverfolgt und aufgrund der seit 1959 andauernden Untersuchungen über eine der weltweit umfangreichsten Langzeitdatenreihen der Limnologie (Seenkunde) verfügt.
„Wasserempfang“ zum Abschluss
Den Abschluss bildet ein „Wasserempfang“ am Seeufer mit einer mobilen Bar/Skulptur gestaltet von Marike Schreiber unter der Mitwirkung von Reinhard Dalchow, Pfarrer i.R. der Evangelischen Kirchgemeinde Menz. Er hat in den 1980er Jahren die Veranstaltungsreihe „Umweltsonntage“ mitinitiiert, mit der eine offene Debatte über den Schutz der Umwelt und die Folgen der Energiegewinnung in der DDR gefordert wurde. Erstes Thema der Treffen war Wasser, da es darüber damals keine öffentliche Diskussion gab. Auf die Bedeutung von sauberen Trinkwassers wurde mit einem „Wasserempfang“ in der Kirche aufmerksam gemacht, den Marike Schreiber nun künstlerisch aufgreift und wiederbelebt.
Datum: Sonntag, 8. September, 11:30 – 18:30 Uhr
Treffpunkt: 9 Uhr vor der nGbK am Alex (für gemeinsame Anreise aus Berlin) oder 11.15 Uhr am Bahnhof Rheinsberg (Mark)
Sprache: Deutsch, mit Flüsterübersetzung auf Englisch
Die Teilnehmer_innenzahl ist begrenzt, deshalb Bitte um Voranmeldung bis 4. September unter anmeldung@ngbk.de, mit Anzahl der Personen und Ort des Zustiegs (nGbK am Alex, Berlin oder Bahnhof Rheinsberg). Teilnahme und Sonderfahrt kostenfrei (sonstige Fahrkarten müssen selbst bezahlt werden). Familienfreundliches Programm (für Kinder ab 6 Jahren empfohlen).