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Landestheater, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Oroczo, Theater- und Opernball, Theaterpreis

„Der 21. Neustrelitzer Theater- und Opernball und die Verleihung des Theaterpreises 2024, das alles hat enorm viel mit Können und Leistung zu tun, das ist die Voraussetzung für beides, aber der gestrige Abend war doch auch sehr emotional. Wie könnte es anders sein?“, schreibt mir der Vorsitzende des Theaterfördervereins Landestheater Mecklenburg, Marco Zabel. Durchaus ein Höhepunkt eines wahrhaft glamourösen Abends sei zu vorgerückter Stunde die Verleihung des Neustrelitzer Theaterpreises 2024 an den lyrischen Tenor Andrés Felipe Orozco gewesen.
Bereits die nackten Zahlen beeindrucken: 15 Jahre Ensemble-Zugehörigkeit, mit bis jetzt 63 Rollen (nur die großen Theaterabende gezählt), allein elf Festspiele im Schlossgarten. Vor allem aber: Können und unbedingter Einsatz, sängerische und darstellerische Klasse bei größter Vielseitigkeit. Einer der hiesigen Theaterlieblinge, der das Publikum immer wieder überrascht und bezaubert, einer, der den Preis gewiss schon lange verdient hat.
Orozco wurde in Cali/Kolumbien geboren. Dort schloss er ein Journalismus- und ein Musikpädagogikstudium an der Universität von Valle ab und absolvierte ein Gesangsstudium mit Schwerpunkt Liedinterpretation am Konservatorium „Antonio María Valencia“ in Cali bei Margarita Castro-Alberty. Später legte er an der Kölner Hochschule für Musik bei KS Dieter Schweikard sein Diplom in Künstlerischer Gesangsausbildung mit Auszeichnung ab. Nach dem Studium war er Mitglied des internationalen Opernstudios der Oper Köln, wurde später in das dortige Ensemble übernommen und erhielt 2009 den „Jacques-Offenbach-Preis“ der Freunde der Kölner Oper für die beste künstlerische Leistung und stimmliche Entwicklung. Darüber hinaus bekam der Tenor das Richard-Wagner-Stipendium für die Bayreuther Festspiele 2009 und war im Jahr 2011 Preisträger des europäischen Operettenduett-Wettbewerbs der Stadt Poznań, Polen.
In 15 Jahren in 63 Rollen zu erleben
Seit nunmehr 15 Jahren (seit der Spielzeit 2009/2010) gehört er zum Ensemble des Landestheaters Mecklenburg bzw. der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz) und war hier bisher in 63 Rollen zu erleben, u. a. als Tamino in der „Zauberflöte“, Graf Almaviva im „Barbier von Sevilla“, Fenton in den „Lustigen Weibern von Windsor“, Don Ramiro in „La Cenerentola“, Rinuccio in „Gianni Schicchi“ und Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“ auf der Bühne zu sehen. Des Weiteren debütierte er u. a. als Edwin („Die Csárdásfürstin“), Ferrando („Così fan tutte“), Xerxes („Xerxes“), Balduin Graf Zedlau („Wiener Blut“) und Radjami („Die Bajadere“). Zuletzt folgten Neuproduktionen von Donizettis „Elisir d’amore“ (Nemorino) und der Operette „Viktoria und ihr Husar“ (Stefan Koltay). In der aktuellen Spielzeit 2023/2024 debütiert er u. a. als Gonzalve in Ravels „L’heure espagnole“ und Leutnant Niki in Oscar Straus‘ Operette „Ein Walzertraum“.
Darüber hinaus ist er u. a. in der männlichen Hauptpartie Mike im Musical „Swing Street“ sowie als Herr M. in der Hindemith-Oper „Neues vom Tage“ zu erleben. Zwischen 2014 und 2018 gastierte er regelmäßig in Kolumbien, so an der Staatsoper in Bogotá. Weitere Engagements führten ihn als Gast in verschiedenen Produktionen an die Staatsoper Hannover, die Staatstheater Braunschweig, Oldenburg und Schwerin, zum Edinburgh International Festival, zu den Opernfestspielen in Heidenheim, Eutin, Wernigerode und Sibiu (Rumänien) sowie an die Theater in Hof, Stralsund, Halle (Saale), Aachen u. a. Darüber hinaus ist er ebenfalls im Konzertbereich aktiv, sowohl in Europa als auch in Lateinamerika.
Allein die Vielfalt seiner Rollen beeindruckt. Und so erfreut und überzeugt er nicht nur in seinem Kernfach mit Mozart oder Donizetti. Er verkörpert eine enorme Bandbreite, zu der auch die moderne Oper, die Operette oder das Musical gehören. Er gewinnt das Publikum immer auch darstellerisch, gleich ob „seriös“ oder „komisch“.
Dem Neustrelitzer Publikumsliebling, der am Theater wie in der Stadt, beruflich wie privat sein Zuhause gefunden hat, bescheinigt die Kritik immer wieder einen frischen Tenor mit angenehmem Timbre, lobt mal die warme Stimmfarbe und technisch wie emotional gelungene Darbietung, dann eine „wuchtige Stimme“ mit der Durchsetzungskraft eines starken Charakters. Der Anspruch der Perfektion geht bei Orozco einher mit großer Disziplin und starkem Einsatz im Dienst für das Gesamterlebnis des Publikums.
Ball-Motto auch ein Statement
„Einhellig war auch der Beifall für diesen wunderbaren, vor allem optisch und musikalisch überzeugenden Ball“, so mein Blogpartner weiter. DIE GOLDENEN 20ER, so waren Ballabend bzw. -nacht überschrieben. „Für mich auch ein Statement, eine Botschaft, eine Haltung, weil die Epoche und das, was wir mit ihr verbinden, so gefährdet war, bekämpft wurde und jäh endete.“
Die Kostümdirektorin und viele, viele fleißige Hände haben erneut gezaubert, Ensembles und Solisten nicht minder. Und das alles mit großer Leichtigkeit (die eben Können voraussetzt) bis hin zum Catering. „Alles Walzer“, ja, aber doch „beswingt“. Und insbesondere die Hartmann (pardon, die wunderbare Karin Hartmann, nebenbei: bereits mit dem Theaterpreis gewürdigt) als Moderatorin: eine Idealbesetzung, die Dresden oder Wien nicht haben. Die Ballgesellschaft ging auf eine Zeitreise in die 1920er Jahre; das Programm begann mit Musiktheater-Einblicken in die Festspiele im Schlossgarten „Ein Walzertraum“, „Die Fledermaus“, das Schauspiel gab einen Vorgeschmack auf das Sommerspektakel „Cabaret“ und die Neubrandenburger Philharmonie umrahmte das Programm und spielte wunderschöne Klänge vom Donauwalzer bis zur Filmmusik. Der Opernchor zeigte Highlights aus seinem aktuellen Stück „Mia Bella“. Unverzichtbar erwies sich die Deutsche Tanzkompanie.
Und die Ballgäste schienen noch mehr als sonst im „Tanzfieber“. Dabei war das diesjährige Motto geradezu ersehnt worden sein. Viele, wirklich viele, Gäste bezeugten dies mit einer Hommage im kompletten Stil der Zwanziger. Und so wurde auch das kreativste passend gestylte Paar gekürt und mit Karten für den Theaterball 2025 überrascht.
„Es bleibt zu danken für einen wahrlich wundervollen Ball – allen, die ihn möglich machen“, schließt der Vorsitzende des Fördervereins. Der Ball habe ja ein sehr treues Publikum, gewinne aber auch neue Gäste, die teils von weither anreisen.





