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Auswahlkonzert, Brandenburg, Hofkapelle, Rheinsberg, Schlosstheater

Am Freitag, 19. Januar, um 19 Uhr, stellen sich drei Ensembles der Alten Musik beim Auswahlkonzert im Schlosstheater Rheinsberg vor. Wer ab September 2024 neue „Rheinsberger Hofkapelle“ wird, entscheidet eine fachkundige Jury im Anschluss an die Auftritte. Um den Titel und das damit verbundene einjährige Förder- und Residenzprogramm hatten sich insgesamt zwölf Ensembles mit Mitgliedern aus aller Welt beworben. Im Finale präsentieren sich bei freiem Eintritt nun die Ensembles „False Consonance“, „Caos limitato“ sowie „Tra Noi“ und stellen ihr virtuoses Können in einem jeweils 20-minütigen Programm mit konzeptuellem Bezug zum Thema „Historische Rheinsberger Hofkapelle“ unter Beweis.
Die Ensembles
„False Consonance“ verzichtet auf sperrige Tasteninstrumente und kann so flexibel jede Art von Raum bespielen. Auf den Konzertprogrammen stehen meist spezielle Arrangements ursprünglich stark instrumentierter Werke in einer minimalen Kammermusikbesetzung, wie es auch im 17. und 18. Jahrhundert üblich war. Somit wird eine Art „Taschenmusik“ geschaffen, die sowohl aus original besetzter Kammermusik als auch auf eigenen Bearbeitungen großer Orchesterwerke oder Opern besteht.
Bei „Tra Noi“ begegnen sich historisch informierte Aufführungspraxis und musikalische Gegenwart: Als Spezialisten für Alte Musik öffnen sich die Musiker auch zeitgenössischen Klängen in neuartigen Konzertformaten. Das Ensemble ist u.a. Preisträger des Wiener Konzerthauspreises und des Publikumspreises des Biagio Marini Wettbewerbs.
„Caos limitato“ widmet sich dem instrumentalen Repertoire des frühen bis späten Barock und lotet in unterschiedlichen Konstellationen den Raum zwischen historisch informierter Praxis und neuen musikalischen Ideen aus. Im Jahr 2022 war „Caos limitato“ 1. Förderpreisträger der Tage Alter Musik im Saarland und gewann 2023 alle Sonderpreise der göttingen händel competition.
Die Jury
In diesem Jahr umfasst die Jury insgesamt vier Mitglieder: Bernward Lohr ist u.a. Professor für historische Aufführungspraxis an der HMTM Hannover. Xenia Löffler ist Direktorin des Instituts für Alte Musik der Universität der Künste Berlin sowie Oboistin bei der Akademie für Alte Musik Berlin „Akamus“. Marcus Friedrich, derzeitiger Leiter der Musikakademie Rheinsberg, gehört ebenso der Jury an wie Bildungsreferent Jonas Wolf, der das Programm „Rheinsberger Hofkapelle“ betreut.
Die Rheinsberger Hofkapelle
Seit der Wiedereröffnung des Rheinsberger Schlosstheaters 1999 vergibt die Musikakademie Rheinsberg als Bundes- und Landesakademie jährlich den geschützten Titel „Rheinsberger Hofkapelle“ an ein junges Ensemble für historische Aufführungspraxis. 2019 wurde der Titel erstmals öffentlich ausgeschrieben. Das ausgewählte Ensemble wird ein Jahr lang von der Musikakademie durch individuelle Weiterbildungen sowie Proben- und Auftrittsmöglichkeiten gefördert. Ziel des Programms ist die künstlerische und konzeptionelle Weiterentwicklung des Ensembles sowie die lebendige Pflege des musikalischen Erbes der historischen Rheinsberger Hofkapelle.
Hofkapellen gab es bereits im Mittelalter; im 17. und 18. Jahrhundert erlebten sie einen neuen Aufschwung. Als der 24-jährige Kronprinz Friedrich 1736 mit seiner Gemahlin das Rheinsberger Schloss bezog, wurde die Gründung seiner ersten Kapelle als notwendiger Bestandteil des Hofstaates angesehen. Vier Jahre lang erlebte Rheinsberg mit dieser Hofkapelle eine Blüte der Barockmusik. 17 Musiker, Friedrich eingeschlossen, sind namentlich bekannt, die bis zur Thronbesteigung Friedrichs ganz oder teilweise in der Rheinsberger Hofkapelle mitwirkten. Dazu gehören so illustre Namen wie Johann Joachim Quantz, Franz Benda, die Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Christoph Schaffrath, Johann Gottlieb Janitsch oder Carl Philipp Emanuel Bach. Nach seiner Thronbesteigung 1740 nahm Friedrich II. seine Hofkapelle mit nach Berlin bzw. Potsdam.

