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Die Aufführung der Oper „Die verkaufte Braut“ gehörte zu den Höhepunkten der Saison. Foto: Uwe Hauth

Mit zwei bejubelten Aufführungen der Bundesakademie für junges Musiktheater ging am Wochenende 27. und 28. August die diesjährige Saison der Kammeroper Schloss Rheinsberg zu Ende. Mehr als 10.000 Besucher erlebten den umfangreichen Veranstaltungsreigen an den malerischen Spielstätten von Schloss Rheinsberg: Vier Premieren mit insgesamt 20 Opernaufführungen und zwölf Konzerte, davon zehn mit Preisträgerinnen und Preisträgern des Internationalen Gesangswettbewerbs der Kammeroper, umfasste das Programm dieser ersten vollgültigen Festivalsaison seit Ausbruch der Corona-Pandemie 2020. Mit rund 65 Prozent lag die Auslastung der insgesamt 34 Veranstaltungen über der des Vor-Corona-Jahres 2019 mit 36 Veranstaltungen; auch die absolute Besucherzahl liegt etwas höher. Außerdem verzeichnet die Kammeroper mit gestiegenen Ticketeinnahmen, zwei Gastspielen und dank der Unterstützung von Förderern über eine Refinanzierungsquote von 60,51 Prozent.

Zur Eröffnung konnten endlich die zwei Wandelkonzerte im Lustgarten und Schlosshof Rheinsberg „Mit Beethoven in Arkadien“ stattfinden, die ursprünglich für das Beethoven-Jahr geplant waren. Mit der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker unter Leitung von Pierre Dumoussaud, dem Pianisten Alexander Krichel, dem Vokalsystem Berlin und Gesangssolisten der Kammeroper gelang trotz Gewitterschauern am ersten Abend ein herausragender Festivalauftakt.

Besondere Nähe geschaffen

In ihrer Inszenierung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ setzten Regisseur Georg Quander und Ausstatterin Barbara Krott dezentrale Spielinseln in den von Kolonnaden gesäumten historischen Schlosshof und ermöglichten den Zuschauern so eine besondere Nähe zu den Darstellern und den Musikern der Kammerakademie Potsdam unter der Leitung von Werner Erhardt. Gleichfalls mit Begeisterung aufgenommen wurde die Uraufführung der „Puristischen Oper P.“ nach Texten von Fernando Pessoa des Dresdner Komponisten Eckehard Mayer: André Bücker brachte den portugiesischen Dichter mit seinen Heteronymen und seine angebetete Ophelia in einer dichten Inszenierung (Ausstattung: Imme Kachel) auf die Bühne des Schlosstheaters; Nicolas Kok leitete das Ensemble Ascolta.

Farbenfroh und turbulent, mit dörflichen Tanz- und Chorszenen und Zirkuseinlage brachte Frank Matthus „Die verkaufte Braut“ von Smetana im historischen Heckentheater auf die Bühne (Ausstattung: Karel Spanhak, Choreographie: Ralph Frey, Apollo-Chor an der Staatsoper Unter den Linden); es musizierten die Berliner Symphoniker unter Hansjörg Schellenberger.

Unter dem Titel „and then no sound“ brachten die Mitwirkenden der Bundesakademie für junges Musiktheater drei Auftragswerke von Margarete Huber, Christoph Breidler und Emre Dündar zur Uraufführung: Assoziativ miteinander verknüpft spiegeln die Stücke das ambivalente Verhältnis von Mensch und Natur, Destruktivität und doch utopisches Potenzial. Die jungen Künstlerinnen und Künstler übernahmen, unterstützt von Musiktheaterprofis, alle Gesangspartien sowie Regie und Bühnengestaltung.

Vorverkauf verhalten

Trotz des erfreulichen Ergebnisses und der positiven Besucherresonanz zeigten sich nach wie vor Auswirkungen der Pandemie: Der Vorverkauf war verhalten und das Buchungsverhalten deutlich kurzfristiger als früher; außerdem belasteten – trotz täglicher Testung – mehrere Krankheitsfälle im künstlerischen Team wie der Belegschaft den Betrieb.

Eine weitere Herausforderung war die wechselhafte Witterung vor allem im Juli; Nässe und Kälte gefährden insbesondere die Orchesterinstrumente: So musste die Premiere von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ abgebrochen werden, Regen und Kälte beeinträchtigten sieben der 25 Open-Air-Aufführungen; zwei konnten kurzfristig ins kleinere Schlosstheater verlegt werden. Bei einer Aufführung von Smetanas „Die verkaufte Braut“ im Heckentheater wurde erstmals das Orchester live aus dem Schlosstheater zugespielt – eine Lösung, die vom Publikum gut angenommen wurde und bei riskanter Witterung auch in Zukunft genutzt werden soll.

Sängerinnen und Sänger aus 19 Ländern

Mit 49 Preisträgerinnen und Preisträgern aus 19 Ländern war das Sängerensemble der Kammeroper auch in diesem Jahr international aufgestellt. „Besonders erfreulich war das hohe Niveau unserer Preisträgerinnen und Preisträger, die das ganze Spektrum von den anspruchsvollen Gesangpartien in Mozarts „Entführung aus dem Serail“ und Smetanas „Verkaufter Braut“ bis zur Uraufführung der Puristischen Oper „P.“ und den zahlreichen Konzerten hochprofessionell bewältigten und mit ihren Leistungen das Publikum begeisterten“, so der Künstlerische Direktor Georg Quander. „Das trug entscheidend dazu bei, dass die anfangs etwas zögerliche Nachfrage des Publikums sich mit Fortlauf des Festivals immer mehr stabilisierte, so dass wir im Ergebnis die gleiche Besuchernachfrage wie vor der Pandemie erreichen konnten.“  

Mehr Infos: www.kammeroper-schloss-rheinsberg.de