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Der Schriftsteller Uwe Johnson und sein Verleger Siegfried Unseld.

Selten erreichen mich Ankündigungen, die so viel Lust auf eine Veranstaltung machen, wie in diesem Fall. In der Galerie des Feldberger Kulturvereins im Haus des Gastes hält die in der Feldberger Seenlandschaft lebende Künstlerin und frühere Lektorin Annelie Kaduk am morgigen Freitag, den 30. November, um 19 Uhr, einen Vortrag über den Mecklenburger Autor Uwe Johnson und dessen Verleger Siegfried Unseld unter dem Titel „Des Verlegers liebster Autor – Siegfried Unseld – Uwe Johnson“.

Auch wenn der Schriftsteller Uwe Johnson (1934 -1984) mit der DDR, die er 1959 verließ, haderte, blieb die Lebenswelt seiner mecklenburgischen Heimat im Fokus seines Schreibens. Vor allem wurde er durch seine Romane „Mutmaßungen über Jakob“ und „Jahrestage“ (vier Bände) bekannt. Er gilt als der „Dichter der beiden Deutschlands“, der die Situation des geteilten Deutschlands in der Zeit des Kalten Krieges am tiefgreifendsten erfasst hat.

Mitglied der Gruppe 47 und mit Preisen geehrt

Zu Uwe Johnsons engerem Freundes- und Bekanntenkreis zählten u.a. Max Frisch, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Günter Grass, Ingeborg Bachmann und andere mehr. Er gehörte mit zur Gruppe 47, wurde vom deutschen Feuilleton (u.a. Marcel Reich-Ranicki, Fritz Raddatz) bedacht und von Verlegern (Feltrinelli/Italien, Wolff/USA) respektiert. Er erhielt Literaturpreise (u.a. Internationaler Verlegerpreis 1962, Georg-Büchner-Preis 1971) und wurde zum Gegenstand autobiografischer Betrachtungen (Bernd Neumann, Eberhard Fahlke). Mittlerweile werden herausragende Prosaautoren mit dem Uwe-Johnson-Literaturpreis ausgezeichnet, so Rolf Rothmann in diesem Jahr.

Dieser Erfolg und eine solche öffentliche Aufmerksamkeit sind ohne das den Schriftsteller begleitende Engagement seines Verlegers nicht zu denken.
Siegfried Unseld (1924-2002) war für seine „Befähigung, mit den Autoren zu reden“ bekannt. Sein Suhrkamp Verlag gehört zu den renommierten deutschen Verlagen und versteht sich als Gral anspruchsvoller Literatur.
Als Siegfried Unseld und Uwe Johnson sich kennenlernten, waren beide Neulinge in ihrer Branche: Der Schriftsteller veröffentliche sein Debüt, und für den Verleger und Lektor Siegfried Unseld war Uwe Johnson seine allererste Entdeckung. Ihre Männerfreundschaft war legendär, auch wenn sie mitunter bis an die Grenzen des Zumutbaren ging, weil des Verlegers liebster Autor ein in vielerlei Hinsicht schwieriger Fall war.

Mit dem unerwarteten Tod von Uwe Johnson 1984 kamen Gerüchte auf:
Von dem nicht abgeschlossenen Roman „Jahrestage“ war die Rede und einem riesigen Schuldenberg, von Verdruss und einer obskuren Geschichte als die Ursache allen Übels – und von einem Testament, das den Verlag bedachte, aber nicht Ehefrau und Tochter. Im Rechtsstreit ging es nicht um Inhalt und Moral und nicht um den Wahrheitsgehalt einer Tragödie. So blieb ein schaler Beigeschmack unredlich empfundenen Verhaltens vonseiten des Verlegers.

Annelie Kaduk, die selbst in einem Verlag gearbeitet hat, möchte über diese besondere Bande zweier ungewöhnlich produktiver Menschen Auskunft geben. Möglicherweise wird der Eindruck von der hehren Welt des Büchermachens ein wenig beeinträchtigt, dennoch zum Trost sei gesagt: Was bleibt uns Lesern? Die Literatur. Natürlich.