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Liebe Verantwortliche der Möwe Teigwaren GmbH, ich gehe mal davon aus, dass Sie meine Zeilen erreichen. Immerhin trennen den Woblitzweg 11 in Wesenberg und Ihre Anschrift Am Alten Bahndamm 15 in Waren nur exakt 57 Kilometer. Weiß routenplaner-karte.de. Zunächst einmal möchte ich mich artig bedanken, dass Sie meinen Lokalpatriotismus gegenüber Ihrem Unternehmen mit einem Sonderangebot im Neustrelitzer Kaufland belohnt haben. Dass Sie aber Ihre Hartweizen-Breitbandnudeln auf der Verpackung mit Pilzen dekorieren, kann ich Ihnen nicht durchgehen lassen.

Sicherlich ist auch der alleinstehende Begriff „Breitband“ auf der Tüte grenzwertig, von Nudel ist da nämlich keine Rede. Allerdings bin ich zumindest intelligent genug, um mir nach nur kurzer Bedenkzeit zusammenzureimen, dass es sich dabei nicht um ein neues Internetprodukt handelt, das man auch noch kochen kann.

Aber, die Pilze. Zunächst ging ich einfach davon aus, dass meine Chefeinkäuferin, ich bin ja nur der Koch, sich im Regal vergriffen hat. Ich kenne getrüffelte Nudeln und habe sofort in diese Richtung gedacht. Nachdem meine Holde sich standhaft geweigert hatte, ihren vermeintlichen Shoppingfehler zuzugeben und ich auch an keinem Ehekrach interessiert war, folgte ein intensives Studium jeder gedruckten Zeile, die den breitbändigen Nudeln beigegeben war. Wo die Brille nicht reichte, haben wir eine Lupe zur Hilfe genommen. Das Ergebnis, gleich Null.

Schmausen bleibt auf der Strecke

Trotzdem war mir das Mahl irgendwie verdorben. Bis zum Schluss haben meine trainierten Geschmacksknospen versucht herauszufinden ob da irgendwo zwischen Tomate und Zwiebel, Knoblauch, Oregano, Petersilie, Muskat, Zucker, Parmesan, Koriander, Sellerie, Rinderhack und Weißwein unter der Sauce nicht doch etwas Pilziges durchdringt. Stress pur, das entspannte Schmausen blieb natürlich auf der Strecke. Mein vorsichtiges Fazit: Was drauf war, war eher nicht drin.

Nun ist es eigentlich nicht meine Aufgabe darüber nachzudenken, wie man Hartweizen mit Wiedererkennungswert auf Packungen abbildet. Bei Eiernudeln hätte sich natürlich ein glückliches, das Objekt menschlicher Begierde ausklinkendes Huhn angeboten. Auf jeden Fall wissen selbst unsere weniger gebildeten Nachfahren im Umkehrschluss, dass Nudeln nicht gleich neben den Pilzen im Wald wachsen. Das ist anders, als mit der lila Kuh, da gibt es bis heute durchaus Irritationen. Wenn Ihnen, liebe Möwe-Kreativlinge, wirklich nichts anderes einfällt, dann nehmen sie doch einen Mähdrescher oder einen Bauernhof für die Packungsdeko. Bei beiden Motiven besteht nicht die Gefahr, dass man versucht, sie herauszuschmecken.

Übrigens, die Nudeln waren ansonsten in Ordnung. Über die Suggestion per Etikett „Meine Liebsten“ muss ich noch einmal gesondert nachdenken. Es hat schon unendlich viel Pasta meine Küche passiert, von durchaus konkurrenzfähigen Eigenproduktionen ganz zu schweigen. Ich bleibe Ihnen als Konsument jedenfalls in guter Nachbarschaft zunächst erhalten, warne aber vor ausufernder Experimentierfreude bei der Verpackung. Das haben Sie davon, wenn Sie leichtsinnig vorgeben, an Meinung interessiert zu sein.