Mirows Buchhändler Grit und Peter Schmitt starten in die nächste Runde ihrer Kultur- und Literaturtage. Anlass ist der 3. Palliativtag Mecklenburg Vorpommern, der erstmals in Mirow auf dem Gelände des Unteren Schlosses sowie der neu eröffneten „Alten Feuerwache“ als Bürgerbegegnungszentrum stattfindet. Weit über 150 Kongressteilnehmer aus Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein werden am 21. Juni und ggf. auch ein paar Tage zuvor in Mirow zu Gast sein.
Zum zweiten Mal haben sich nach Mai 2024 jetzt im Bereich Schlossensemble Mirow/Unteres Schloss die Türen geöffnet. Besucher konnten das Untere Schloss, das Flügelgebäude (Rotdornhaus), das Backsteingebäude (zukünftig Schulwald-Akademie) sowie das Bürgerbegegnungszentrum (BBZ)-Alte Feuerwehr besichtigen. Peter Schmitt stand im Unteren Schloss Rede und Antwort, Bettina Strauß im und am Flügelgebäude, Alexa Beaucamp war mit ihrem Team bei der Schulwald-Akademie anzutreffen und Bürgermeister Henry Tesch führte durch die Alte Feuerwehr.
Die Mirower Buchhändler Grit und Peter Schmitt haben beschlossen, das Untere Schloss auch dieses Jahr in Besitz zu nehmen und Veranstaltungen zu offerieren, die Interesse wecken, Unterhaltung bieten und vor allem zueinander finden lassen. Dem wollen sie gerecht werden. Eine Herausforderung, der sich die Schmitts auch und gerade angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Situation stellen.
Los geht es morgen, am 24. Mai, beim „2. Tag der offenen Tür“ auf dem Areal des Unteren Schlosses, wo die Buchhändler den Besuchern im Unteren Schloss mit Rede und Antwort zur Verfügung stehen, das Veranstaltungs-Café geöffnet haben mit Kaffee und Kuchen und zwei Ausstellungen zeigen. Zum einen hängen die Mirower Malfreunde neben deren aktueller Präsentation in der Johanniterkirche im Unteren Schloss eine kleine Auswahl ihrer Bilder. Zum anderen eröffnet die Arbeitsgruppe Ortsarchiv Mirow – Anne Görtz, Barbara Lange, Kevin Lierow-Kittendorf, Bettina Strauss – nach ihrer ersten erfolgreichen Ausstellung „Mirower Sommerfrische“ im vergangenen Jahr nun die zweite „Vor 80 Jahren – Zum Kriegsende in Mirow – Werkstattgespräch“ um 13 Uhr sowie um 16 Uhr im ersten Stock des Unteren Schlosses.
Gymnasiasten bringen Musical in die Aula
Vom 26. bis zum 28. Mai präsentiert das Gotthold-Ephraim-Lessing Gymnasium Neubrandenburg nach „Romeo und Julia“ im vergangenen Jahr in der Aula eine Eigenproduktion des Fachbereichs Darstellendes Spiel unter der Leitung von Christoph Deuter. Das Musical SPRING AWAKENING berührt, trifft und regt zum Nachdenken an – eine packende Reise durch die Höhen und Tiefen der Jugend. Das Musical ist eine Adaption von Frank Wedekinds 1891 geschriebenem Stück, das in seiner Beschreibung des Erwachsenwerdens nichts an Aktualität und Aussagekraft eingebüßt hat. Der Beginn im Unteren Schloss ist jeweils um 19 Uhr, und der Eintritt beträgt 15 Euro.
Steffen Kopetzky liest wieder
Dann freuen sich die zwei Buchhändler auf Steffen Kopetzky, der am 29. und am 30. Mai nun zum vierten Mal mit zwei Lesungen an den Kultur- und Literaturtagen teilnimmt, beide mit überraschendem Bezug zur Aktualität. In der Dorfkirche Krümmel liest er am Donnerstag um 17 Uhr aus dem vom Rowohlt Verlag herausgebrachten Buch „1924 – Eine Reise durch die deutsche Republik – und andere Reportagen aus der Epoche der Weltrevolution“ sowie seinem Roman „Damenopfer“, in deren Mittelpunkt jeweils die Revolutionärin Larissa reissner steht.
Einen Tag später, am Freitag, um 19 Uhr, stellt Kopetzky in Mirow im Unteren Schloss sein aktuelles Buch „Atom“ vor. Der spannungsvolle Roman erzählt von der Jagd nach der Atomtechnik, der Spur eines Phantoms und einem Mann, der zwischen Schuld, Liebe und Hoffnung steht. Der Autor wird nicht nur daraus lesen, sondern auch einiges zu erzählen haben. Der Eintritt zu den Lesungen mit Steffen Kopetzky beträgt jeweils 10 Euro.
Konzert zum Ausklang
Und zum Schluss ihres Kultur- und Literatur-Frühlings wollen die Schmitts die Besucher am Samstag, den 31. Mai, um 19 Uhr, in der Aula des Unteren Schlosses von einem emotionalen Konzert mit Tommy Thomann bezaubern. Das Programm „Eine Reise“ ist ein Crossover aus Rock- & Pop-Klassikern, Fingerstyle, südamerikanischer Musik und Klassik. Instrumentale Gitarrenmusik und Gesangsstücke, wie zum Beispiel von Eddie Vedder, Element of Crime oder Gundermann, werden von Tommy Thomann interpretiert. Er hat in vielen Produktionen der Theater in Mecklenburg-Vorpommern und deren Orchestern in Musicals, Opern, Operetten und Konzerten mitgewirkt. Der Künstler ist Gitarrist und Sänger der Band „Coloured Line“ aus Rostock und mit seinem Soloprogramm unterwegs. Der Eintritt ist frei.
Hans van Beem erzählt die Geschichte seines Großvaters am 1. Mai um 10.30 Uhr im Unteren Schloss in Mirow. Im April 1945 trieb die SS über 20.000 Menschen von Ravensbrück aus auf die Todesmärsche, die durch die Kleinseenplatte führten. Unter ihnen der Niederländer Johan van Beem. Nach der Befreiung, auf dem Heimweg, gelangte er nach Mirow. Schwer krank, fand er Hilfe in der Strelitzer Straße 27. Trotz aller damals möglichen Pflege starb er kurz darauf am 20. Mai an den Folgen der KZ-Haft und wurde im Massengrab auf dem Mirower Friedhof beerdigt.
Bänke, Hocker, Stühle und Tische im Unteren Schloss stehen schon bereit, warten auf Besucher aus Mirow und der Region sowie auf unterhaltsame, interessante, freudige, nachdenkliche und emotionale Veranstaltungen, die uns Grit und Peter Schmitt in diesem Jahr zu bieten haben.
Im vergangenen Jahr haben die Buchhändler Grit und Peter Schmitt aus Mirow das heruntergekommene, sanierungsbedürftige Untere Schloss „besetzt“ und dort erfolgreich Ausstellungen, Lesungen, Filmabende und kleine Konzerte veranstaltet. Sind doch die Mirower in ihrem Unteren Schloss zahlreich erschienen, ob bei einem erstmals aufgeführten Musical, der Veranstaltung mit NDR1 Radio MV Kultur, dem Konzert mit der Neubrandenburger Philharmonie oder der Schloss-Weihnacht an allen vier Adventssonntagen, um nur einige Beispiele von vielen zu nennen.
„Trotz der vielen unerfreulichen Nachrichten und Ereignissen weltweit und gerade deshalb werden wir das Untere Schloss auch dieses Jahr erneut in Besitz nehmen und Veranstaltungen parat haben, die Interesse wecken, Unterhaltung bieten und bei denen vor allem die Menschen zueinander finden sollen, die Voraussetzung einer intakten Gesellschaft“, so Peter Schmitt gegenüber Strelitzius.