Im Rahmen der „Fahrplankonferenz 2026“ wurden am Dienstag (4. März) in den Räumen der Industrie- und Handelskammer zu Rostock die Planungen für den Schienenpersonennahverkehr des kommenden Jahres erörtert. An der jährlich stattfindenden Konferenz haben alle Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mecklenburg-Vorpommern, also die Deutsche Bahn, die Ostdeutsche Eisenbahn (ODEG) und Flixtrain, aber auch die Fahrgastverbände PRO BAHN und der Verkehrsclub Deutschland, teilgenommen.
„Auch 2026 wird an allen Ecken und Enden des Schienennetzes gearbeitet und unsere Geduld strapaziert. An den vielen Bauarbeiten führt kein Weg vorbei, sie sind überfällig und bitter nötig. Mecklenburg-Vorpommern ist insbesondere auch von der monatelangen Sperrung der Strecke Berlin – Hamburg betroffen. Hier hat die Deutsche Bahn eine frühzeitige und transparente Kommunikation über die konkreten Auswirkungen der Baumaßnahmen und eine bestmögliche Organisation des Schienenersatzverkehrs zugesagt.“ Das hat Dr. Wolfgang Blank, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern, gesagt. „Im Rahmen unserer Mobilitätsoffensive wird es trotz der vielen Bauarbeiten auch gelingen, dass viele Reisende von einem weiter verbesserten Angebot im Schienenpersonennahverkehr profitieren werden.“
Der erste Spatenstich auf dem Neustrelitzer Schlossberg wirft zwar noch nicht unbedingt seine Schatten voraus, aber für den Spaten ist schon gesorgt. Den sponsort Helmuth von Maltzahn, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Mecklenburg, wie er auf der gestrigen 6. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz (Strelitzius berichtete) versprach. Einen Termin dafür wagen selbst die kühnsten Propheten noch nicht zu benennen. Momentan schieben sich Stadt und Land gegenseitig die Schuld dafür zu, dass es noch nicht einmal zur Grundstücksübertragung an die Kommune für die geplante Bebauung gekommen ist. Das habe ich heute aus zuverlässiger Quelle erfahren.
Der Vorstandsvorsitzende bezeichnete die Versammelten im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz als „Rückgrat dafür, dass dieser Turm wieder aufgebaut wird. Nehmen Sie Ihre Kraft in die Hand und pressen Sie, damit so schnell wie möglich angefangen wird. Schlagen Sie jetzt Pflöcke ein, sonst gucken Sie in die Röhre. Setzen Sie klare Zeichen, Angst ist ein schlechter Berater. Ran, Attacke!“ Stadtpräsident Ernst-August von der Wense, Vorsitzender des Schlossberg-Beirates, backte da kleinere Brötchen. „Ich bin schon sehr stolz auf das bislang Erreichte und es ist spannend geblieben, unsere Ideen vom Schlossberg umzusetzen.“
Es fehlt nur ein Baustein
Sehr viel Applaus erntete der Jurist Bernhard Meyer-Graefe, der sich schon für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses engagiert hat und nach eigener Aussage begeistert von Neustrelitz ist. Er bezeichnete den Schlossberg als ein „verletztes, ein beschädigtes Baudenkmal, dem ein Baustein fehlt. Die Umgebung schreit förmlich danach, dass da wieder etwas hingehört, und zwar originalgetreu“. Er reagierte damit möglicherweise auf den Redebeitrag des Neustrelitzer Bürgermeisters Andreas Grund, der nebulös von einer nötigen Linie sprach, „die der Stadtentwicklung gut tut“. Man könne ja durchaus unterschiedlicher Meinung sein. Das Stadtoberhaupt stellte in dem Zusammenhang das starke öffentliche Interesse an der umstrittenen Ausstellung im vergangenen Jahr in der Schlosskirche mit studentischen Modellen von sicherlich preisgünstigeren Alternativbauten auf dem Schlossberg heraus.
Andreas Grund
„Das darf nicht sein“, konterte Meyer-Graefe. „Das Gebiss ist doch noch da, es fehlt doch nur ein Zahn. Hier wird nicht rekonstruiert, sondern ein Ensemble repariert.“ Den Residenzschlossverein sieht der Jurist in der Rolle eines „Wachhundes mit Klagebefugnis und Akteneinsichtsrecht“. Neustrelitz sei momentan „ein Leuchtturm ohne Leuchtfeuer“, und dem Wiederaufbau des Schlossturms müsse der Wiederaufbau des Schlosses folgen.
Aufs Tempo drückt auch Wilhelm von Boddien, die Symbolfigur für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses. Es gelte bei aller nötigen Geduld schnellstens auf dem Schlossberg in Neustrelitz Baurecht zu erreichen und sich zunächst auf den Schlossturm und seine Nutzung zu konzentrieren. „Versuchen Sie keine Gegner zu überzeugen, sondern Freunde zu gewinnen“, riet von Boddien.
Broschüre über Erna Weiland angekündigt
Inzwischen wird mit erheblichem bürgerschaftlichen Engagement weiter an Neustrelitz und seinem Schlossberg als anerkannter Ort deutscher Demokratiegeschichte gewirkt. Zu den Vorreitern gehört Holger Wilfarth vom örtlichen Büro für Nachhaltigkeit, der für dieses Jahr eine Broschüre über Erna Weiland aus Herzwolde ankündigte, die erste Frau Deutschlands in einem Landtag. Bei den Recherchen habe sich die Zusammenarbeit mit Strelitzius bewährt. Meinen Blogveröffentlichungen sei es zu danken, dass sich Familienmitglieder der 1954 in Berlin verstorbenen Politikerin gemeldet haben. In einem auf der Konferenz gezeigten Film, der in Zusammenarbeit mit der Theater und Orchester GmbH entstanden ist, wird an die Sozialdemokratin Erna Weiland und die in Mecklenburg-Strelitz 1919 auch mit ihrer Stimme verabschiedete erste demokratische Landesverfassung Deutschlands erinnert.
Wilfarth verhehlte seine Enttäuschung nicht, dass er in Sachen Erna Weiland ausgerechnet beim Neustrelitzer SPD-Landtagsabgeordneten auf taube Ohren gestoßen ist. Inzwischen habe er aber einen anderweitigen Kontakt in die Landtagsfraktion
Ernst-August von der Wense (links) dankt Wilhelm von Boddien.
Schließlich informierte Holger Wilfarth darüber, dass die Digitalisierung des Gelben Saals im Schloss, in dem das Parlament seinerzeit tagte, voranschreitet. Die hier im Blog begleitete digitale Rekonstruktion der Fassade des Schlosses ist bis auf einen Abschnitt (Bild unten) abgeschlossen, für den allerdings noch einmal 2450 Euro aufzubringen sind, erfuhr ich heute. Vielleicht finden sich ja ein oder mehrere Spender, die Kontodaten sind bei mir zu haben.
Nachricht von Henry Tesch
Und dann hat mich noch eine Nachricht vom gestern verhinderten Mitvater der Schlossbergkonferenzen Henry Tesch erreicht. „Wenn ich mir überlege, was man uns seit der ersten Konferenz an Steinen in den Weg gelegt hat, und das war nicht lustig, dann ist es schon eine Freude, dass die sechste Konferenz so gut verlaufen ist. Und der Schlosskeller ist doch nicht zugeschüttet worden…“
Keine Schlossbergkonferenz ohne Solveig-Kristin Schmid.Foto: Architectura Virtualis/Holger Wilfarth
Sehr zufrieden mit dem Verlauf der Zusammenkunft im Kulturquartier: Helmuth von Maltzahn, Wilhelm von Boddien, Herzog Michael, Ernst-August von der Wense, Herzogin Hande und Herzog Alexander, Rajko Lippert und Bernhard Meyer-Graefe (von links). Es fehlt der Ratsvorsitzende der Stiftung Mecklenburg, Henry Tesch, der sich maßgeblich in die Vorbereitung der Konferenz eingebracht hat, heute aber leider verhindert war.
Als einen vollen Erfolg hat der Kulturgut Mecklenburg-Strelitz e.V. als einer der Einlader die heutige 6. Schlossbergkonferenz in Neustrelitz bewertet. „Der Ball liegt nun wieder bei der Stadtvertretung, in der es einen breiten überparteilichen Konsens für die Umsetzung des Bauvorhabens Schlossturm gibt, auf die Beschleunigung des Projektes hinzuwirken“, so der Vereinsvorsitzende Dr. Rajko Lippert gegenüber Strelitzius.
Am Vormittag hatten sich im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz auf Einladung der Stiftung Mecklenburg, des Residenzschlossvereins Neustrelitz, der Stadtvertretung und von Kulturgut Mecklenburg-Strelitz rund 80 Personen versammelt. Darunter waren der Beigeordnete des Landrats Torsten Fritz, Stadtpräsident Ernst-August von der Wense, kurzzeitig wegen einer weiteren Verpflichtung Bürgermeister Andreas Grund und als Vertreter des Großherzoglichen Hauses von Mecklenburg-Strelitz, Herzog Alexander und Herzogin Hande sowie Herzog Michael.
Fraktionen versichern Unterstützung
Vertreter von CDU, FDP/PuLS/Grüne, den LINKEN und der AfD in der Stadtvertretung haben auf der Konferenz ihre Unterstützung des Bauvorhabens zum Ausdruck gebracht und wurden dafür mit viel Beifall bedacht. „Wenn wir es jetzt nicht ernsthaft anfassen, wird es nichts mehr“, brachte es der CDU-Fraktionsvorsitzende Andreas Petters unter Anspielung auf den schleppenden Fortschritt auf den Punkt.
Dafür wurde aus dem Publikum mehrfach Andreas Grund verantwortlich gemacht. Ihm wurde unter anderem mangelndes Engagement vorgeworfen. Weitere Kritiken wurden von Ernst-August von der Wense mit Verweis auf die mittlerweile Abwesenheit des Stadtoberhauptes unterbunden. Gleichwohl schätzte auch der Stadtpräsident ein, dass Grund hier einen Verwaltungsakt und nicht eine Herzensangelegenheit der Neustrelitzer abarbeite.
Der Bürgermeister selbst hatte sich in einer blutleeren Rede in der Tat auf die Darstellung der bisherigen Stationen in Sachen Schlossbergsanierung und -bebauung beschränkt und sich darüber hinaus in Medienschelte geübt. Prioritär seien in dem „aufwändigen Verfahren“ jetzt die Eigentumsübertragung durch das Land und der Neustrelitzer Haushaltsbeschluss Anfang Februar, in dem Investitionen zum Schlossturm von sieben Millionen Euro für die nächsten Jahre enthalten seien.
Endlich anfangen, mehr Druck
Kernbotschaft der Gastredner Wilhelm von Boddien, Gründer des Fördervereins für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses, des architekturerfahrenen Juristen und Ministerialrats a.D. Bernhard Meyer-Graefe sowie von Einlader Helmuth von Maltzahn, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Mecklenburg, war der dringende Appell an die Neustrelitzer Schlossbergaktivisten, angesichts sich dramatisch ändernder Rahmenbedingungen bei aller Besonnenheit mehr Druck auszuüben, endlich anzufangen und die Zahl der Mitstreiter deutlich zu erhöhen.
Eine ganz andere Facette brachte Holger Wilfarth vom Neustrelitzer Büro für Nachhaltigkeit in die Konferenz ein. Ihm ist unter anderem die bundesweite Anerkennung von Neustrelitz und seines Schlossbergs als Ort der Demokratie zu verdanken. Hier wurde vom Landtag Mecklenburg-Strelitz am 29. Februar 1919 Deutschland erste demokratische Landesverfassung verabschiedet. Wilfarth, typischer Vertreter der von Grund gewürdigten Mitte der Bürgerschaft, referierte über die Recherchen zur Mecklenburg-Strelitzerin Volksvertreterin Erna Weiland, die erste und für eine Woche auch einzige deutsche Parlamentarierin in einem Reichs- und Landtag überhaupt.
Solveig-Kristin Schmid leitete die Schlossberg-Konferenz mit ihrer Trompete zum sechsten Mal ein. Das Kulturquartier hat sich einmal mehr als brillanter Konferenzort empfohlen. Mehr von der Konferenz morgen hier im Blog.
Kein Stuhl blieb leer im Konferenzraum. Fotos: Moritz König