„Angesichts der allgemein angespannten Wirtschaftslage zeigt sich der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern robust. Viele Unternehmen sind in einer Warteposition und verzichten auf Neueinstellungen. Gleichzeitig tun sie alles dafür, ihre Arbeitskräfte trotz schwieriger Rahmenbedingungen zu halten.“ Das hat Reinhard Meyer, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit Mecklenburg-Vorpommern zu den heute veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen für November 2024 gesagt.
Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist die Arbeitslosenquote in Mecklenburg-Vorpommern im November um 0,1 Prozent auf 7,7 Prozent gestiegen. Damit sind derzeit 63.500 Menschen als arbeitslos registriert. Verglichen mit dem Vormonat ist die Zahl der Arbeitslosen im November um 1.400 oder 2,2 Prozent gestiegen.
Im Dezember waren im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte 393 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im November, insgesamt 11.615. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 9,1% oder einem Plus von 0,2% gegenüber dem November. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres waren es 243 Arbeitslose oder 2,1% mehr. Im Agenturbezirk Neubrandenburg entwickelte sich der Arbeitsmarkt im Dezember recht unterschiedlich. Am günstigsten war die Veränderung der Arbeitslosigkeit im Geschäftsstellenbezirk Neustrelitz; dort sank der Bestand an Arbeitslosen gegenüber dem Vorjahresmonat um 3%. Dem gegenüber steht die Entwicklung im Bezirk der Geschäftsstelle Malchin mit einer Zunahme von 7%.
Arbeitsagentursprecher Ronny Steeger erläutert: „Im Dezember verzeichnet der Arbeitsmarkt im Landkreis einen vergleichsweisen geringen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Dieser Anstieg ist auf übliche witterungs- und branchenabhängige Faktoren zurückzuführen und stellt eine normale Entwicklung in den winterlichen Monaten dar.“ Interessant ist ein Blick auf die vergangenen fünf Jahre. „Im längerfristigen Trend lässt sich feststellen, dass die Arbeitslosigkeit im Dezember im Vergleich zum Vormonat November durchschnittlich um 489 Personen gestiegen ist. Allerdings haben das Weihnachtsgeschäft und der milde Dezember dazu beigetragen, dass der Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Dezember dieses Jahres – mit einem Plus von 393 gegenüber dem Vormonat November – unter dem Niveau der vergangenen fünf Jahre geblieben ist.“
Im November waren in der Seenplatte 480 Menschen mehr arbeitslos gemeldet als im Oktober, insgesamt 11.222. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,8 Prozent. Im Vergleich zum November des Vorjahres sind es 272 Arbeitslose mehr.
Von diesen 11.222 Arbeitslosen haben 4.935 keinen Berufsabschluss. Dies entspricht einer Quote von knapp 44 Prozent. „Dies zeigt uns den Handlungsbedarf hinsichtlich notwendiger (Weiter-)Qualifizierung, um den sich weiter verschärfenden Arbeits- und Fachkräfteengpass, der sich durch fast alle Branchen zieht, entgegenzuwirken“, sagt Stephan Bünning, Vizechef der Agentur für Arbeit Neubrandenburg
Woche der Menschen mit Behinderungen
In dieser Woche findet die Woche der Menschen mit Behinderung statt. Unter dem Motto „Inklusion bringt weiter“ finden auch in diesem Jahr bundesweit verschiedene Veranstaltungen statt. Das Ziel ist es, für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen und ihren Belangen in der Arbeitswelt, zu sensibilisieren und Menschen mit Behinderungen als Teil der Lösung des Arbeits- und Fachkräftemangels wahrzunehmen. „Denn auch Menschen mit Behinderungen sind gut ausgebildet und ein wertvoller Gewinn für jedes Unternehmen.“ so der Vize-Agenturchef. Die Agentur für Arbeit kann Arbeitgebern in vielen Fällen Förderleistungen für die Beschäftigung und Einstellung schwerbehinderter Menschen gewähren. Auskünfte erteilen die Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter.
Arbeitsmarktdaten für Geflüchtete aus der Ukraine
Bis Mitte November wurden 791 arbeitslose Ukrainerinnen und Ukrainer in den Jobcentern und der Arbeitsagentur betreut. Das sind 51 mehr als im Oktober und 90 mehr als im November des Vorjahres.
Kurzarbeit sichert Arbeitsplätze und verhindert Arbeitslosigkeit
Derzeit liegen Anzeigen auf Kurzarbeit für 48 Mitarbeitende aus fünf Unternehmen vor. Nach aktuellen Hochrechnungen befanden sich im Juni 27 Mitarbeitende aus drei Unternehmen in Kurzarbeit.
Ausbildungsmarkt: Verlängerung durch „5. Quartal“ sorgt für Bewegung
Auch im November suchten Unternehmen und Betriebe nach passenden Bewerberinnen und Bewerbern, um ihre zum klassischen Ausbildungsstart im September noch unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätze zu besetzen. „Die Chancen auf einen attraktiven Ausbildungsplatz und eine interessante Karriere sind für Jugendliche weiterhin so gut wie schon lange nicht mehr“, betont Bünning. Für alle die, die noch keine passende Ausbildungsstelle gefunden haben, besteht die Möglichkeit einer Einstiegsqualifizierung in Vorbereitung auf das nächste Ausbildungsjahr 2024/2025, um so die Chancen auf eine Ausbildungsstelle im Wunschberuf zu verbessern. Dass ein Berufsabschluss der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit ist, zeigt der hohe Anteil von arbeitslosen Jugendlichen (15-25jährige) ohne Berufsabschluss mit über 81 Prozent.
Zu- und Abgänge
965 Männer und Frauen mussten sich im November nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes in der Seenplatte neu oder erneut arbeitslos melden. Das sind 11 (+1,2 Prozent) mehr als im November 2022.
471 Arbeitslose konnten ihre Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt beenden. Das sind 45 (-8,7 Prozent) weniger als im November 2022.
Entwicklung der Arbeitslosigkeit nach Personengruppen
Nach Personengruppen entwickelte sich die Arbeitslosigkeit recht unterschiedlich, leider war auch bei den jugendlichen Arbeitslosen ein Anstieg von 150 Kunden (+15,2%) zum Vorjahr zu verzeichnen. Bei den Langzeitarbeitslosen ist ein Anstieg um 260 Kunden (+5,9%) zum Vorjahr zu verzeichnen.
Im Juli waren in der Seenplatte 54 Menschen weniger arbeitslos gemeldet als im Juni, insgesamt 10.657. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 8,3 Prozent. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres sind es 253 Arbeitslose weniger. Arbeitsagenturchef Besse: „Im Juli ist die Arbeitslosigkeit im Seenplattelandkreis bereits den fünften Monat in Folge gesunken, trotz geopolitischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten, einsetzender Sommerpause und nachlassender Dynamik im längerfristigen Vergleich. Vor allem die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt weiterhin hoch und führt zu Engpässen in einigen Berufen und Regionen. Gleichwohl bleiben Herausforderungen – mit denen sowohl die heimische Wirtschaft als auch die Arbeitsuchenden konfrontiert sind – bestehen.“
Thomas Besse. Foto: B4B MV
Besse erklärte, „dass die nachlassende Dynamik auf dem Arbeitsmarkt in der Region hauptsächlich auf die Folgen des Krieges in der Ukraine, die Inflation und den Problemen in den Lieferketten zurückzuführen ist.“ Zusätzlich machen sich Demografie und der Fachkräftemangel bemerkbar. Der Agenturchef nannte außerdem drei weitere Gründe für die nachlassende Dynamik die für den Julimonat typisch sind: „Erstens ist der 30. Juni ein Kündigungstermin, an dem traditionell (befristete) Beschäftigungsverhältnisse enden. Zweitens laufen auch Ausbildungsverhältnisse aus, und viele junge Menschen beginnen erst nach den Sommerferien ihre berufliche Laufbahn. Drittens warten viele Unternehmen oft bis zum Ende der Sommerferien, bevor sie neue Mitarbeiter einstellen. All diese Faktoren tragen zur Situation auf dem Arbeitsmarkt in diesem Monat bei.“