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Man musste nicht Musikkenner, nur Musikliebhaber sein, um am gestrigen Oktobersonntagnachmittag die Atmosphäre zu spüren, die von der Neubrandenburger Philharmonie auf die Zuhörerinnen und Zuhörer und von diesen wieder zurück auf die Musiker übersprang, und damit Teil eines unglaublich guten Konzerts in der Aula des Unteren Schlosses zu Mirow zu werden. Ein Strelitzius-Korrespondent war dabei und hat mir, mit diesen euphorischen Worten beginnend, seine Impressionen aufgeschrieben.

Der erste Eindruck bei Betreten des Unteren Schlosses lässt nicht unbedingt Gutes erwarten: kalt und renovierungsbedürftig Foyer und Treppenaufgang zur Aula im ersten Stock. Doch der erste Eindruck verschwand, als sich Musiker und Publikum im engen langen Flur des ersten Stocks vermischten. Atmosphäre kam auf, die sich verdichtete, als die hundert Stühle nicht ausreichten, Nachschub organisiert werden musste und schließlich alle Platz hatten.

Über einhundert Gäste folgten also der Einladung der Stadt Mirow und ihres Bürgermeister Henry Tesch zum „Vivaldi Projekt“ der Neubrandenburger Philharmonie (Strelitzius berichtete). Sehr zu schätzen, dass die Solistinnen und Solisten ihre jeweiligen Gagen zugunsten der lokalen Hospizarbeit von „Querleben“ spenden werden.

Geht in die Mirower Geschichte ein

Auch die Musiker mögen sich anfangs ihren Teil gedacht haben angesichts des Innenlebens des Unteren Schlosses, aber spätestens mit der kurzen Eröffnung der Aufführung und den ersten Tönen entwickelte sich zwischen Musikern und Publikum etwas Großartiges. Chefdirigent Daniel Geiss, acht Solistinnen und Solisten und weitere acht Musiker gaben ein Konzert, das in der langen Mirower Musikgeschichte sicherlich in die Reihe des ganz Besonderen einzuordnen ist.

Dazu trug einerseits die räumliche Enge zwischen den Philharmonikern und dem Publikum bei – Club-Atmosphäre, aber auch die so gar nicht erwartete unheimlich gute Akustik der alten Aula. Schon nach dem vierten Stück gab es einen so intensiven und anhaltenden Applaus einschließlich Bravorufen, dass selbst der Laie begriff, soeben etwas ganz Außergewöhnliches gehört zu haben. Alle Stücke wären erwähnenswert, doch möchte ich es bei dem Schlussakt des Konzerts, Vivaldis „Sommer“, belassen – einfach klasse.

Nicht weniger als drei Zugaben

Auch wenn der Schreiberling die Namen der sechzehn Musiker unter der Leitung von Daniel Geiss nicht nennen kann, so verdienen alle meine Hochachtung ob ihrer Leistung an diesem Nachmittag. Ich möchte aber dennoch die 1. Konzertmeisterin der Neubrandenburger Philharmonie, Elsa Claveria, Violine, hervorheben. War sie doch auch „verantwortlich“, dass es zu drei nicht üblichen Zugaben kam.

Danke Mirow! Aber auch Dank an die Organisatoren und Gastgeber, in Vertretung der Stadt Mirow dem Buchhändler-Ehepaar Grit und Peter Schmitt, die mit ihrer unkonventionellen Art die Gäste in Empfang nahmen, sie zum Teil drückten und wesentlichen Anteil hatten, dass ein kaltes Gebäude zu einer Stätte von Herzlichkeit und Freude bei wahnsinnig gut dargebotener klassischer Musik wurde. Mein großes Kompliment.