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Dorfkirche, Ensemble Carolinum, Gust, Konzert, Leussow, Mecklenburgische Kleinseenplatte

Kann es einen schöneren Sommerabend geben als den gestrigen in Leussow? Schwer vorstellbar angesichts der vielen Glücksmomente, die das Ensemble Carolinum unter Leitung von Maestro Reinhard Gust seinem Publikum in der Dorfkirche beschert hat. Seit mehr als zwei Jahrzehnten geben die Gymnasiasten hier ihre Konzerte, und immer wieder sind die Auftritte überwältigend.
Es ist nicht nur die verblüffende musikalische Qualität, die zu erleben ist, sondern auch die ungeheure Freude der Chormitglieder und Instrumentalisten an der Darbietung. Nicht umsonst hat es am Ende niemanden mehr auf den Kirchenbänken gehalten, die jungen Leute wurden zu Recht gefeiert und um eine Zugabe gebeten. Stimmt es wehmütig, dass das eine oder andere herausragende Talent mit dem Abitur das Ensemble verlassen wird, so darf man andererseits sicher sein, dass die Lücken schnell wieder geschlossen sein werden.
Die Konzertbesucher wurden beim Eintritt in das Gotteshaus mit Tango-Klängen begrüßt. Nach dem Einzug der Sängerinnen und Sänger erklang Händels „Vom Frieden singen unsere Lieder“, bevor in bewährter Weise internationale Folksongs folgten. Bei „Wir lagen vor Madagaskar“ erreichte die Stimmung ihren ersten Höhepunkt. Lieder für den Frieden und gegen Umweltzerstörung fehlen in keinem Programm der Caroliner. Dass auch Hannes Waders „Es ist an der Zeit“ aufgeführt wurde, zeugt von Mut und ist mir wie immer, wenn ich dieses Lied höre, sehr ans Herz gegangen. Genial die Caroliner-Version des City-Werkes „Dünnes Eis“.
Mit Film- und Musicalsongs sowie internationalen Pop-Titeln kehrte der Frohsinn in die Kirche zurück. Die Zwölftklässler hatten anlässlich ihres bevorstehenden Abgangs das „Haus am See“ von Peter Fox witzig umgetextet, „Azzurro“ erinnerte an das kürzliche Italien-Gastspiel, und bei „Barbara Ann“, Klassiker der Beach Boys, flippten Künstler und Publikum endgültig aus. Mit dem gemeinsamen Gesang von „Der Mond ist aufgegangen“ klang der großartige Konzertabend aus, bevor es noch einmal zu Bratwurst und Getränken vor die Kirche ging.
Lücke schwer zu schließen
Eine Lücke wird sich wohl schwerlich schließen lassen. Die Schulleitung arbeitet mit Hochdruck daran, die Nachfolge von Reinhard Gust zu regeln. Der hat sich gestern in Leussow nach jahrzehntelanger Arbeit an der Spitze des Ensembles verabschiedet. Schulleiter und Bürgermeister Henry Tesch hob hervor, wie viel Herzblut der Lehrer in seine über alle Maßen erfolgreiche Tätigkeit eingebracht hat. Gust habe seine musikalische Handschrift auch ins europäische Ausland, ja bis nach Südkorea gebracht. „Ohne ihn wäre das alles nicht so gewesen“, betonte Tesch unter dem tosenden Beifall von Schülern und Zuhörern.
„Es war ein Job der anstrengend war, aber an dem ich auch immer Freude hatte“, entgegnete Reinhard Gust. „Ich habe enorm viel zurückerhalten, und dafür danke ich euch“, sagte der Maestro, an sein Ensemble gewandt. „Viele haben mich in meiner Tätigkeit unterstützt, die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen“, so der Scheidende vor allem an die Adresse von Henry Tesch. Es sei ein großes Glück gewesen, am Carolinum arbeiten zu dürfen. Die Schule trage er im Herzen. Er gehe mit etwas wackligen Knien, aber trotzdem voller Zuversicht, erklärte Gust. Er habe als Lehrer seine Bestimmung gefunden und sei es auch bis zum Schluss gern gewesen.
Für die Kirchengemeinde sprach Prädikat Gerd Manske. Er zeigte sich beeindruckt von dem Abend und räumte ein, sich einen solchen Zuspruch bei den eher spärlich besuchten Gottesdiensten zu wünschen. Manske bedankte sich beim Ensemble Carolinum dafür, dass es die kleine Dorfkirche Jahr für Jahr zum Rocken bringe. Er wünschte allen Schülern, dem Publikum und vor allem auch Reinhard Gust Gottes Segen auf allen Wegen und Frieden auf Erden. Wenn es immer heiße „die Jugend von heute“, „das ist die Jugend von heute“, wies der Vertreter der Kirchengemeinde unter dem Jubel der Besucher auf die Caroliner.
Der Leussower Dorfverein hat die Veranstaltung wie immer liebevoll vorbereitet, den Chor verwöhnt und die Konzertgäste gastronomisch versorgt. Auch dafür ein dickes Dankeschön.
Persönliche Worte des Maestros für Strelitzius
Reinhard Gust hat es nicht versäumt, sich auch gegenüber Strelitzius als seinem treuen Wegbegleiter seit drei Jahrzehnten zu äußern. „Ich habe die ‚Ziellinie‘ erreicht. Mit den Konzerten des Ensembles am Freitag in Leussow und am Sonntag in Userin erfolgt der buchstäblich nicht ’sang- und klanglose‘ Ausstieg aus dem Berufsleben. Abschiede sind ja immer Anlass für resümierende Gedanken und kommen nicht ohne die berühmte ‚Träne im Knopfloch‘ aus. Das ist bei mir auch so. Nach 43 Berufsjahren als Lehrer und gut 30 Jahren als Leiter des Ensemble Carolinum ist es aber Zeit, das Zepter an die nächste Generation zu übergeben.
Die Arbeit mit dem Ensemble war anspruchsvoll, mitunter anstrengend, aber sehr erfüllend. Zu sehen, welche Freude die jungen Sänger und Instrumentalisten in der Gemeinschaft beim Musizieren hatten und wie sie sich musikalisch entwickelten. Da kam viel Dankbarkeit zurück. Auch hat das Mitwirken im Ensemble bei einigen Schülern zur Entscheidung für einen musikalischen Beruf als Lehrer, Musiker oder Tonmeister beigetragen.
Sehr dankbar bin ich für die Möglichkeiten, die sich für mich an meiner Schule ergaben. Ich weiß, das ist nicht selbstverständlich. So wären Chorlager, Konzertreisen und andere Projekte im In- und Ausland durch die Unterstützung der Schule, des Schulvereins und Henrys Kreativität nicht möglich gewesen.
Bei mir überwiegen mit Blick auf Vergangenes Genugtuung und im Hinblick auf den nächsten Lebensabschnitt freudige Erwartung. Mit Sicherheit werde ich den Kontakt zu meinen vielen musikalischen Freunden halten und mich selber in verschiedenen musikalischen Projekten weiter ‚austoben‘. So war zum Beispiel der Auftritt mit der Band ‚Jill Tonic‘ am letzten Wochenende zur Fete de la Musique für mich eine neue schöne Erfahrung. Auch wird wieder mehr Zeit zum Segeln sein…

































