Schlagwörter

, , ,

Foto: Michael Schröder

Der Neubrandenburger Oberbürgermeister Silvio Witt hat anlässlich des 70. Jahrestages der Schließung der Lager von Fünfeichen (Strelitzius berichtete) auf einer Gedenkveranstaltung am Sonnabendvormittag betont, dass dieser Ort und seine Geschichte zu Neubrandenburg gehörent. „Die Stadt Neubrandenburg möchte mit Veranstaltungen wie dieser immer wieder zeigen, dass sie sich ihrer Geschichte stellt.“

Die Stadt wolle in der täglichen Zusammenarbeit mit Schulen, Vereinen, Kirchen, Parteien, Stiftungen oder Organisationen die Lehre aus der Geschichte in das Hier und Heute übertragen. „Denn das Grauen der Nazi-Zeit und die Willkür der Nachkriegsjahre sind keine abstrakten Fakten eines Geschichtsbuchs, sondern haben hier an dieser Stelle stattgefunden. In selben Moment, in dem unten in der Stadt Menschen ihren Alltag erlebten. Auch in unserer heutigen unruhigen Zeit verklärt der Alltag uns manchmal den Blick für die tatsächlichen Ungerechtigkeiten in der Welt. Es ist daher wichtig, eine wache Zivilgesellschaft zu sein“, betonte Witt.

Der Oberbürgermeister dankte der Arbeitsgemeinschaft Fünfeichen unter Dr. Rita Lüdtke für ihr fortwährendes Engagement und ihre Hingabe. Durch mühevolle Recherchearbeiten konnten weitere Opfer ihre Namen zurückbekommen. Ohne die Arbeitsgemeinschaft sei es auch finanziell nicht möglich gewesen, das Symbol von Fünfeichen – das gestützte Kreuz – wieder feierlich einzuweihen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat auf Initiative von Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider zwei Drittel der Kosten für das gestützte Kreuz übernommen. Zugleich dankte Witt dem Künstler und Holzbauer Uwe Grimm sowie allen Beteiligten für die präzise Arbeit bei der Aufstellung des Holzkreuzes.

Das Stadtoberhaupt würdigte zugleich Dr. Constanze Jaiser und ihre Neubrandenburger Schüler für das Projekt „Zeitlupe“. So werde in den nächsten Wochen eine neue Internetseite dieses Projekts online gehen. Diese liefert Schulen und anderen Partnern unkompliziert und jugendgerecht Informationen zu den verschiedenen Gedenkorten der Stadt. Letztlich hob Silvio Witt die Partnerschaft mit dem Volksbung Deutsche Kriegsgräberfürsorge und der Bundeswehr hervor.

Ministerin: Der Wahrheit über diesen Ort so nah wie nie

Die Gedenkrede in Fünfeichen hielt Landesjustizministerin Katy Hoffmeister (CDU). „Der Weltfriedenstag ist ein sehr gutes Datum für die Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags der Schließung aller Spezial-, Kriegsgefangenen- und Internierungslager in Fünfeichen. Eine Botschaft, die Papst Benedikt XVI. zum Weltfriedenstag 2006 herausgegeben hatte, passt heute ebenso: ‚In der Wahrheit liegt der Friede‘. Heute sind wir der gesamten Wahrheit über diesen Ort so nah wie nie. Denn Fünfeichen war nicht nur ein Lager. Es waren insgesamt fünf Lager in der Zeit von 1939 bis 1948. Zwei Diktaturen haben hier ihre Willkür an Menschen ausgelebt. Die Gedenkstätte Fünfeichen ist darum sehr bedeutsam“, so die Justizministerin.

Sie sei den Initiativen in Neubrandenburg sehr dankbar, dass sie aktiv an die beiden Lagerzeiten erinnern und gerade bei der jungen Generation ein Bewusstsein schaffen, aus der Geschichte zu lernen, um den Frieden und die Freiheit zu erhalten. Zu der Veranstaltung waren Gäste aus vielen Ländern Europas gekommen, darunter Überlebende und deren Angehörige.