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Die Reformgegner wurden nicht müde, immer wieder gegen die Pläne des Landes, wie hier in Schwerin, auf die Straße zu gehen. Foto: Publikumsinitiative

Hat Format bewiesen: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Die unselige Theaterreform ist endgültig vom Tisch, die von Schwerin angestrebte Fusion zu einem Staatstheater Nordost kein Thema mehr. Eine um Beendigung des jahrelangen Konflikts bemühte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat sich heute Mittag die Vertreter der kommunalen Träger der Theater des Landes und die Intendanten an den Kabinettstisch geholt und mit ihren Gästen nach ausgiebiger Diskussion eine Absichtserklärung für die nächsten zehn Jahre verabschiedet, wie mir Vizelandrat Thomas Müller eben beim Verlassen der Landeshauptstadt bestätigte.

Landrat Heiko Kärger (links) und sein Stellvertreter Thomas Müller haben sich mit vielen anderen Politikern und Bürgern in der Region erfolgreich für den Fortbestand der Theater und Orchester GmbH eingesetzt.

Das Land wird seine seit 1994 eingefrorene Theaterförderung endlich dynamisieren, ab 2019 um jährlich 2,5 Prozent. Das war eine immer wieder erhobene Forderung der Basis. Außerdem wird die Theaterförderung ab 2018 von aktuell 35,8 Millionen auf mindestens 40 Millionen Euro aufgestockt. Letztlich wird das Land auch noch die Kommunen unterstützen. Die sollen ihre Theaterzuschüsse ebenfalls dynamisieren. Bei der schrittweisen Angleichung der Bezüge der Theaterschaffenden an den Tarif werden die Landkreise und Städte vom Land mit 55 Prozent der Aufwendungen gefördert.

„Das war ein großes Szenario“, sparte Thomas Müller nicht an Anerkennung für die heute von Manuela Schwesig abgelieferte Vorstellung. „Wir sind dankbar, auch wenn wir eine bittere Pille schlucken müssen.“ Die Theater und Orchester GmbH und das Theater Vorpommern müssen in den nächsten acht Jahren je 15 Stellen abbauen. „Das sollte uns aber sozial verträglich gelingen“, so der Dezernent zuversichtlich. „Wichtig ist, dass die Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz in ihren Sparten eigenständig bleibt, das haben wir erreicht.“

Vom heutigen Theatergipfel unberührt bleibt die mit dem Theater Vorpommern geschlossene Kooperationsvereinbarung (Strelitzius berichtete). „Der in Gründung befindliche Kooperationsrat wird alle Möglichkeiten abklopfen, um möglichst viele Synergien zwischen beiden Theaterstandorten aufzudecken und zu nutzen“, versicherte Müller. Auch mit der Landesregierung gingen die Gespräche natürlich weiter.

Der für die Theater glückliche Ausgang des Trauerspiels dürfte vor allem Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) nicht kalt gelassen haben, der der heutigen Zusammenkunft beiwohnte. Als früherer Kultusminister war er Protagonist für die Reformpläne und hatte sich an den Theaterstandorten keine Freunde gemacht. Nun wird nicht nur „seine“ Reform kassiert, sondern Brodkorb muss auch noch tiefer ins Landessäckel greifen. Schwesig wiederum war um Gesichtswahrung bemüht und sprach trotz der faktischen Kursaufgabe  von einer Fortsetzung der Theaterreform.