Am heutigen Dienstag gegen 17 Uhr teilt eine Zeugin über den Notruf der Einsatzleistelle des Polizeipräsidiums Neubrandenburg mit, dass auf der B104 in der Ortschaft Chemnitz ein PKW Jeep vor ihr in Schlangenlinie fährt. Noch während des Notrufes teilt sie mit, dass der PKW jetzt auf ein Privatgrundstück in der Ortschaft Chemnitz gefahren ist und dort abgestellt wurde. Umgehend wurde ein Funkstreifenwagen des Polizeihauptrevieres Neubrandenburg zum Einsatz gebracht.
Aufmerksame Mitbürger werden es schon längst bemerkt haben: Seit einiger Zeit hängen an den Feuerwehrhäusern in Carpin und Thurow zwei auffällige rote Kästen mit der Aufschrift „AED“. Sie enthalten Automatische Externe Defibrillatoren, die für den Gebrauch durch Laien nicht nur geeignet, sondern sogar ausgelegt sind. Im Falle eines medizinischen Notfalls kann jedermann auf dieses Gerät zugreifen.
Einen eher ungewöhnlichen Einsatz erlebten Beamte des Polizeihauptreviers Neubrandenburg am frühen Abend des gestrigen Montags. Über den Notruf meldete eine Frau gegen 17 Uhr unzulässigen Lärm aus einer Nachbarwohnung in der Max-Adrion-Straße.
Der Einsatzanlass, welcher in der Form regelmäßig zu polizeilichen Routineeinsätzen führt, nahm jedoch eine ungewohnte Wendung, als Rücksprache mit der vermeintlichen Hinweisgeberin gehalten wurde. Diese teilte erstaunt mit, dass sie den Notruf nicht gewählt und auch keinen unzulässigen Lärm vernommen habe. Solcher sei jedoch des Öfteren aus einer Nachbarwohnung zu vernehmen, weshalb die Beamten dort vorstellig wurden.
Die dort angetroffene Mieterin benahm sich auffällig und lachte mehrmals offenbar grundlos über das Erscheinen der Polizeibeamte. Hellhörig geworden, überprüften die Beamten kurzerhand die Telefonnummer der 32-Jährigen. Es stellte sich heraus, dass ebenjene Frau den Notruf der Polizei wählte und im Namen ihrer Nachbarin eine nicht vorhandene Ruhestörung aus ihrer eigenen Wohnung meldete. Einen nachvollziehbaren Beweggrund für ihr Handeln konnte die Beschuldigte nicht nennen, weshalb eine Anzeige wegen Notrufmissbrauchs gegen sie eröffnet wurde.
In den frühen Nachmittagsstunden des heutigen Tages meldete sich der Sportbootführer eines gecharterten Motorkatamarans von der Müritz bei der Polizei und schilderte einen Notfall. Sein Boot laufe aus unerklärlicher Ursache voll Wasser. Das Boot habe bereits so starke Kränkung, dass es zu sinken drohe.
Einen nächsten Hafen zu erreichen, war für den Sportbootführer und seine Familie unmöglich. Die Beamten der Wasserschutzpolizei Waren rückten sofort aus. Parallel dazu wurde die Rettungsleitstelle des Landkreises MSE alarmiert. Die aufmerksame Besatzung eines Fahrgastschiffes hatte zwischenzeitlich die Schieflage des Motorkatamarans bemerkt und eilte zur Hilfe. Es konnte eine Leinenverbindung zwischen beiden Fahrzeugen hergestellt und so ein weiteres Absinken des Katamarans verhindert werden.
Kurze Zeit später trafen die Beamten der WSPI Waren vor Ort ein sowie Rettungsboote der Freiwilligen Feuerwehr Waren und der Wasserrettung. An Bord des Havaristen befanden sich zwei erwachsene Personen und ein 11jähriger Junge aus Baden Württemberg. Alle waren unverletzt und trugen Rettungswesten. Der Havarist wurde anschließend durch das Fahrgastschiff und in Begleitung der Einsatzkräfte in einen Schutzhafen geschleppt. Die Ursache wird durch die Wasserschutzpolizeiinspektion Waren untersucht.
Über die kostenfreie Telefonnummer 112 erhalten Hilfesuchende in allen Ländern der Europäischen Union Schutz und Hilfe von Feuerwehr und Rettungsdiensten. Um diese Notrufnummer bekannt zu machen, werben die EU-Staaten seit mehreren Jahren mit dem europaweiten Notruftag. Dieser ist traditionell am 11. Februar. Das Datum des Aktionstags geht zurück auf die Notrufnummer 112 selbst: Hierbei steht der Tag für die 11 und der Monat für die 2.
Wer die Notrufnummer 112 in der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg wählt, erreicht die integrierte Leitstelle des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte. Von dort werden sämtliche Einsätze im Feuer- und Katastrophenschutz, im Rettungs- und Notarztdienst sowie im Krankentransport für unseren Landkreis koordiniert.
Berufsfeuerwehr und Rettungsdienst mit rund 100 Kameradinnen und Kameraden können rund 60 bis 90 Sekunden nach Kenntnis eines Ereignisses bzw. nach Eingang des Notrufs alarmiert werden. Zusätzlich stehen der Stadt zwei Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung, ebenfalls eine Stärke von insgesamt rund 100 Rettern. Zudem unterstützen weitere Rettungsdienste des Deutschen Roten Kreuzes, Medical-Service sowie des Landkreises und bei sehr großen Schadenslagen Katastrophenschutzeinheiten des Landkreises und des Technischen Hilfswerks des Bundes die Sicherung von Neubrandenburg.
Fast 10.000 Einsätze im Jahr 2022
Im vergangenen Jahr rückten die Mannschaften der Vier-Tore-Stadt fast 10.000 Mal aus: Diese Zahl unterteilt sich in rund 8.000 Einsätze des Rettungsdienstes, rund 1.000 Einsätze zur technischen Hilfestellung und über 400 Einsätze der Feuerwehr. Bei den Einsätzen der Feuerwehr können mehr als die Hälfte der Einsätze als Fehlalarm (blind, böswillig oder aufgrund von Fehlmeldungen automatischer Brandmeldeanlagen) oder keine Einsatznotwendigkeit vor Ort (Brand bereits gelöscht) eingeordnet werden. Durchschnittlich jeden zweiten Tag rückte die Feuerwehr jedoch zur Brandbekämpfung aus (163 Einsätze).
Im vergangenen Jahr hat es in der Einsatzleitstelle des Polizeipräsidiums Neubrandenburg 101.575 Notrufe gegeben (2021: 103.223). Im August gab es mit 10.600 die meisten, im Februar mit rund 6.300 die wenigsten. Aus den angenommenen Anrufen resultierten fast 48.100 Einsätze (2021: 53.215).
Am häufigsten hören die Mitarbeiter der Leitstelle am Telefon, dass jemand einen Verkehrsunfall hatte. Auch Hilferufe wegen Schlägereien, Bedrohungen, Einbrüchen und wegen Ruhestörung sind täglich dabei. Und immer wieder melden sich vor allem Senioren, weil sie den Verdacht haben, einen Trickbetrugsanruf gehabt zu haben.