Schlagwörter
Domjüch, Fest der Vielfalt, Gedenken, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz
Vor über 100 Jahren entstand auf der Domjüch bei Neustrelitz eine moderne Heil- und Pflegeanstalt für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Patient:innen lebten nicht hinter verschlossenen Türen, sondern arbeiteten in Werkstätten, auf den Feldern oder im Haushalt und nahmen am Leben der Einrichtung teil.
Mit der nationalsozialistischen Herrschaft änderte sich das Leben der Patient:innen grundlegend. Menschen mit psychischen Erkrankungen wurden ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt. Am 11. Juli 1941 wurden 100 Patient:innen von der Domjüch in die Tötungsanstalt Bernburg deportiert und dort im Rahmen der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen ermordet. Von 71 der Opfer kennen wir heute die Namen.
85 Jahre später, am 11. Juli 2026, erinnert der Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V. gemeinsam mit Jugendlichen, Künstler:innen und vielen engagierten Menschen aus der Region an diese Menschen. Zugleich richtet das Projekt den Blick auf die Gegenwart: Jeder Mensch hat ein Recht auf Würde, Teilhabe und ein Leben ohne Ausgrenzung. Vielfalt ist eine Stärke unserer Gesellschaft.
Das Fest der Vielfalt beginnt um 15 Uhr auf dem Gelände der Domjüch in Neustrelitz. Nach der Begrüßung folgen eine Gedenkfeier mit Pastorin Cornelia Seidel und Bruder Gabriel sowie eine historische Einordnung durch Dr. Constanze Jaiser (Geschichtswerkstatt zeitlupe / RAA Mecklenburg-Vorpommern). Ein besonderer Moment des Nachmittags ist die Aktion „Kerzen der Erinnerung“. Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Vereine und weitere Gruppen aus der Region haben Kerzen gestaltet und sich mit den Lebensgeschichten der Opfer beschäftigt. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung werden 100 Kerzen entzündet – jede steht für einen Menschen, der am 11. Juli 1941 von der Domjüch nach Bernburg deportiert und ermordet wurde.
Gespräche und Mitmachangebote
Die musikalische Begleitung übernehmen Jugendliche der Kreismusikschule Kon.centus. Im Anschluss laden die beteiligten Künstler:innen zu Gesprächen und Mitmachangeboten ein. Jugendliche präsentieren gemeinsam mit ihnen die Ergebnisse einer inklusiven Projektwoche. Entstanden sind Raptexte, Keramikarbeiten und Installationen, die sich mit der Geschichte der Domjüch, den NS-„Euthanasie“-Verbrechen sowie Fragen von Menschenrechten, Vielfalt und gesellschaftlicher Verantwortung auseinandersetzen. Ergänzt wird das Programm durch die Multimedia-Ausstellung „überLEBENSWEGE“, Mitmachaktionen und das Playback-Theater „Blickzurücknachvorn“.
Das Projekt wird vom Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V. in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt zeitlupe (RAA Mecklenburg-Vorpommern) durchgeführt. Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft mit dem Programm „Jugend erinnert engagiert“ sowie von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, gemeinsam zu erinnern, ins Gespräch zu kommen und den historischen Ort Domjüch neu zu entdecken.
Fest der Vielfalt
Samstag, 11. Juli 2026 | 15:00–19:00 Uhr
Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt
Am Domjüchsee 1, 17235 Neustrelitz
Der Eintritt ist frei. Für Essen und Getränke ist gesorgt. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
www.domjuechsee.eu
