Schlagwörter
Bahnhofsgebäude, Doss, Gewerbe, Mecklenburgische Kleinseenplatte, Mirow, Sanierung, Tesch, Umbau, WOBAU, Wohnen

Ob es ein Alleinstellungsmerkmal ist, wird schwer zu recherchieren sein Auf jeden Fall dürfte es extrem selten sein, dass ein kommunales Wohnungsunternehmen ein Bahnhofsgebäude kauft und ihm zu einer neuen Bestimmung verhilft. In Mirow gibt es genau dieses Projekt, und sollte es erfolgreich umgesetzt werden, könnte von ihm eine Vorbildwirkung für andere Städte ausgehen. Denn leer stehende, vor sich hin gammelnde Bahnhofsgebäude gibt es landauf, landab etliche: Schandflecke in Wesenberg, in Stavenhagen, in Altstrelitz…
In dieser Woche habe ich mich mit Bürgermeister Henry Tesch und Anna Doss, Geschäftsführerin der WOBAU Mirow, zum Termin vor Ort getroffen. Der eine oder andere Fusion-Besucher hielt das Stadtoberhaupt und meine Wenigkeit für Schwarztaxifahrer, deswegen sind wir schnell hinter den Bahnhofstüren verschwunden. Wo jede Menge Informationen von meinen Gesprächspartnern auf ich warteten, die gemeinsam mit der Neustrelitzer Architektin Kerstin Heller das herausfordernde Vorhaben aus der Taufe gehoben haben. Im jetzigen heruntergekommenen Zustand passe der Bau nicht in die Empfangssituation einer Stadt mit Anspruch, da war sich das Trio einig. Erster Eindruck meinerseits: Die Bausubstanz ist bis auf den letzten Balken bereits gründlich untersucht worden.
Im von Grund auf sanierten Haus mit seinen 1300 Quadratmetern vermietbarer Fläche wird es im Ober- und im Dachgeschoss sechs Wohnungen unterschiedlicher Größe und Raumzahl zwischen zwei und fünf geben, barrierefrei bzw. barrierearm und mit einem Aufzug erreichbar. Außerdem ziehen Stand heute parterre und im Obergeschoss ein Sanitätshaus, unten ein Friseur und die Wohnungsbaugesellschaft selbst sowie oben eine Podologiepraxis ein. Die Bahnhofshalle bleibt erhalten und wird durch Mieter wie durch externe Interessenten multifunktional nutzbar sein.
Zugbetrieb muss ein Stück verlegt werden
Bevor es mit dem Bauen hier losgehen kann, muss aber der Zugbetrieb samt Technik ein Stück verlegt werden, damit die Handwerker ungestört arbeiten können. Das Verrücken eine Aufgabe, die nicht in der Hand von Stadt und Wohnungsbaugesellschaft liegt. In naher Zukunft soll die Kleinseenbahn direkt neben dem vormaligen Bahnhofsgebäude halten, wo ein Neubau entsteht, der öffentliche Toiletten in Regie der Stadt und Räumlichkeiten für die Hanseatische Eisenbahngesellschaft als Mieter aufnimmt. Der erforderliche Abriss ist bereits erfolgt (Strelitzius berichtete).
Natürlich werden die beiden Gebäude äußerlich einander angeglichen. Erfolgt die Genehmigung durch den Landkreis zügig, so könnten nach öffentlichen Ausschreibungen die Bauarbeiten zunächst am Dach im Spätsommer/Frühherbst beginnen. Mit dem Baustart soll das Vorhaben bei einem Tag der offenen Tür noch einmal ausführlich den Mirowern und weiteren Interessenten vorgestellt werden. Dabei wird auch zu erfahren sein, dass der Bus künftig direkt vor dem Bahnhof halten und die jetzige reservierte Busdurchfahrt dem allgemeinen Verkehr zur Verfügung gestellt wird. Die Vorplatzgestaltung selbst ist noch Zukunftsmusik. Wir waren uns einig, dass hier neben viel gepflegtem Grün Gastronomie wünschenswert wäre.
Mit viel Daumendrücken kann noch 2027 der erste Mieter ins einstige Bahnhofsgebäude einziehen, auf jeden Fall soll das Haus aber 2028 bezugsfertig sein. Dazu gehören auch 50 Autostellflächen, die angekauft sind. Ist das Bahnhofsgebäude zum symbolischen Preis von einem Euro an die WOBAU gekommen, so bewegen sich die Baukosten nicht im Schnäppchenbereich: Vor Ausschreibung sind 5,9 Millionen Euro veranschlagt. Zehn Prozent Eigenmittel bringt die WOBAU auf, 230.000 Euro Fördermittel kommen vom Bund, der Löwenanteil der Summe soll durch ein zinsgünstiges KfW-Darlehen abgedeckt werden.




