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Mein ehemaliger Kollege Christian Stelzer hat in der Schriftenreihe des Regionalmuseums Neubrandenburg unter der Nummer 62 eine weitere Publikation vorgelegt, die auch in den Buchhandel geht. Der eine oder andere Leser wird sich noch an die Veröffentlichung des Neubrandenburgers zur Geschichte der B 96 (Strelitzius berichtete) erinnern, die binnen kürzester Zeit zum Bestseller avanciert und vergriffen war. Das wünsche ich ihm erneut.

Seine neueste Recherchearbeit trägt den Titel „Als die Zeiten sich änderten“ und befasst sich mit Neubrandenburgs höheren Schulen – Gymnasium und Lyzeum – zwischen 1910 und 1950. Dabei gibt es auch etliche Bezüge zum Carolinum Neustrelitz und zum Friedländer Gymnasium. So haben einige Lehrkräfte nicht nur in Neubrandenburg, sondern auch in den Nachbarstädten gelehrt. Und die Schulpolitik des Freistaates Mecklenburg-Strelitz wurde in der einstigen Residenzstadt Neustrelitz gemacht.

Größeren Raum nimmt in den Abschnitten „Das Unheil droht“ und „Die Katastrophe“ die Zeit vor und während des Zweiten Weltkriegs ein, als der Schulbetrieb immer mehr eingeschränkt werden musste und ganze Jahrgänge an die Front geschickt wurden. Die Nachkriegszeit füllt ein weiteres Kapitel. An dieser Stelle kommt unter anderem auch Jost Reinhold zu Wort, der auf eigenen Wunsch 1946 vom Neubrandenburger Gymnasium zum Carolinum wechselte und dort seine Reifeprüfung ablegte.

Das Buch gibt einen Einblick in die demokratische Schulreform in der Sowjetischen Besatzungszone und ihre Folgen für Neubrandenburg sowie den Umgang mit NS-belasteten Lehrern. Mit der Namensgebung der nunmehrigen Friedrich-Engels-Oberschule in der Lessingstraße, wo die spätere Erweiterte Oberschule bis 1973 ihren Sitz hatte, und der Gründung der DDR wird das Nachkriegskapitel und damit das 90 Seiten starke Heft abgeschlossen. Natürlich findet sich in ihm auch ein unverzichtbarer Anhang, in dem beispielsweise noch einmal alle erwähnten Lehrerinnen und Lehrer sowie Gymnasiasten aufgeführt sind.

Hochgebildete Meinungsträger im Fokus

Die vier Jahrzehnte waren eine sehr bewegte Zeit, Ende des Kaiserreichs, Weimarer Republik, Nazi-Zeit, sowjetische Besatzung, Gründung der DDR, die Zeiten änderten sich mehrfach, wie im Titel zu der reich bebilderten Broschüre nicht von ungefähr hervorgehoben. Christian Stelzer hat bei seiner Arbeit in den Archiven mit der ihm eigenen Sorgfalt Daten und Fakten zusammengetragen und sie wohlgeordnet. Im Fokus steht für ihn, welche Rolle Lehrer und Lehrerinnen von Gymnasium und Lyzeum als hochgebildete Meinungsträger im öffentlichen Leben gespielt haben. Und das Recherchierte ist alles andere als dröge, im Gegenteil unterhaltsam, ja auch spannend aufgeschrieben. Schließlich ist Stelzer von Haus aus Journalist und hat sein Handwerk nicht verlernt. Zudem hat er mit seiner Frau Christine eine nicht minder professionelle Partnerin, die seine Arbeit kritisch begleitet hat. Überhaupt sei die ihm gewährte Unterstützung vielfältig gewesen, wofür er dankbar sei, so der Autor.

Die Schrift sei geeignet, „den Blick auf die Lokal- und Regionalgeschichte zu erweitern und dem Gedächtnis der Stadt eine neue Facette hinzuzufügen“, befindet Marco Hammer, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins des Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasiums Neubrandenburg im Vorwort. Es könnte auch das Resümee sein.

ISBN-Nr. 978-3-939779-53-7