Schlagwörter
CDU-Antrag, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Schlossturm, Stadtvertreter
Der Antrag der CDU-Fraktion zur Wiederrichtung des Neustrelitzer Schlossturms in seiner historischen Gestalt und zur Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für den Ort der Demokratiegeschichte, beides in Verantwortung des Bürgermeisters (Strelitzius berichtete) ist bei der Stadtvertretersitzung am Abend in namentlicher Abstimmung beschlossen worden. 15 Abgeordnete stimmten für die Vorlage, neun vor allem von der SPD votierten dagegen.
Dazu der Neustrelitzer Holger Wilfarth, der das Projekt „Leuchtturm für Demokratie“ maßgeblich vorangetrieben hat, gegenüber Strelitzius: „Wer das Vorhaben jetzt nicht unterstützt bzw. verschleppt oder boykottiert und den demokratisch gefassten Beschluss der Stadtvertretung Neustrelitz nicht mit aller Kraft unterstützt, möchte aus meiner Sicht einen Ort der politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland verhindern.“

Eine Ergänzung und eine Erwiderung
Frank Havemann
Ergänzen möchte ich den kurzen Bericht um meine Eindrücke von der sehr lebendigen Diskussion zum Wiederaufbau des Schlossturms in der Sitzung der Stadtvertretung, an der ich als Besucher teilnahm. Die Befürworter des CDU-Antrags wiesen zwar auf die Bedeutung des „Leuchtturms der Demokratie“ für die politische Bildung hin, wesentlicher war ihnen aber nach meinem Eindruck der drohende Verlust von zugesagten Fördermitteln. Die Gegner mahnten an, dass die notwendigen Zuschüsse der Stadt für den Turm anderswo (in den Kitas, in den Schulen usw.) viel nötiger wären als für die Errichtung „dieses Betonspargels“. Die Zuschüsse von Bund und Land seien bei der aktuellen Haushaltslage nicht mehr sicher und die Baukosten sind im Steigen. Der Bürgermeister kündigte an, dass er in Widerspruch zum Beschluss gehen müsste, weil gerade erst mit den Beratungen über einen defizitären Haushalt begonnen worden sei; die Rechtsaufsicht des Landkreises hielte diesen Beschluss für „formell rechtswidrig“.
Zu Beginn der Sitzung stellte ich in der Bürgerfragestunde der CDU-Fraktion Fragen zu den Gründen, die für den Schlossturm sprächen, welche mir schriftlich beantwortet werden sollen. Ich lehne den Turm aus architektonischen Gesichtspunkten ab, die ich in meinem Kommentar zum im Artikel oben verlinkten Blog-Beitrag näher dargelegt habe. Ich favorisiere den Wiederaufbau des Barockschlosses oder eines modernen Gebäudes in seinen Abmaßen. Mich gruselt die Vorstellung, dass wir für Jahre oder gar für immer einen klobigen Turm ohne Schloss auf dem Schlossberg stehen haben, der den Barockgarten verschandelt. Das sind natürlich Geschmacksurteile, die man nicht teilen muss. Aber für mich wäre aus diesem Grund der Verlust von Fördermitteln ein Gewinn für die Stadt.
Eine Erwiderung verdienen die Bemerkungen von Herrn Wilfarth. Ich bin froh, dass mir die liberale Demokratie erlaubt, auch nach dem Beschluss für den CDU-Antrag weiter gegen den Turm zu argumentieren. Die Unterstellung, ich würde damit einen Ort politischer Bildung verhindern wollen, nehme ich gelassen. Weitaus kostengünstiger könnte in Neustrelitz etwas für die politische Bildung und die Demokratie getan werden, wenn die Dauerausstellung im Stadtmuseum die revolutionären Lichtgestalten der 1848er Revolution in Neustrelitz, Daniel Sanders, Adolf Glaßbrenner und Karl Petermann, nicht mit einer halben Vitrine abtun würde, in der der Bezug zur Revolution nicht sichtbar wird. Ein paar von den adligen Porträts könnte man getrost dafür abhängen. Vor dem Haus von Glaßbrenner in der Glambecker Straße könnte eine Tafel an sein Wirken hier vor 175 Jahren erinnern. Die revolutionär-demokratischen Traditionen von Mecklenburg-Strelitz könnten, wie es der Neustrelitzer Kulturrat fordert, in den Schulen viel präsenter sein.
Die Drapierung des Schlossturms als Leuchtturm der Demokratie ist für mich nicht unproblematisch. Es könnte nicht nur auf mich lächerlich wirken, dass gerade dieses wilhelminisch-neobarocke Symbol der Verbundenheit mit dem Kaiser an die Revolutionen von 1848 und 1918 erinnern soll.
Sehr geehrter Herr Wilfarth,
Demokratie heißt nicht, dass alle die gleiche Meinung haben müssen, denn dann würden wir uns schnell in alten Zeiten wieder finden. Ich erinnere nur an „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“. Zur Demokratie gehört, dass man sich mit allen Argumenten auseinandersetzt und auch eine andere Auffassung akzeptiert. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, den „Leuchtturm für Demokratie“ in das Kulturquartier zu integrieren. Keinesfalls sollten Sie mit Unterstellungen argumentieren, das ist eines Demokraten unwürdig.
Ja, es erscheint fragwürdig, wie heute eine deutsche Vergangenheit betrachtet wird.
Für mich SYMBOLHAFT zur heutigen Politik.
Zu diesem Beitrag schreibt mir Günter J. Stolz aus Thurow:
Die Berichterstattung über den Schlossturm in Neustrelitz hinterlässt bei mir nur Kopfschütteln. Da wird locker die Ausgabe von Millionenbeträgen beschlossen, ohne dass man weiß, woher das Geld für den Bau oder den Betrieb kommt. Naja, vielleicht haben die Ideen ja den Charakter von Wünschen an das Christkind…
Um Geschichte wieder ins Bewußtsein der Menschen zu rücken, bedarf es „ja Millionen Beträge“, aber die sind es wert, in Geschichte zu investieren.
Nicht dagegen ist es wert, in einen Krieg zu investieren, der Menschen, egal auf welcher Seite TÖTET, VERSTÜMMELT, oder WAISEN hinterläßt – es gibt keinen GERECHTEN Krieg !, und so könnte ich die Kriterien von Einsparmöglichkeiten fortsetzen.
Ich würde mich freuen, wenn das Schloss, beginnend mit dem Schlossturm, wiederaufgebaut wird. Alle mir bekannten Rekonstruktionen historischer Gebäude sind Erfolge und Publikumsmagnete. Bei meinen Besuchen in Neustrelitz erschien mir das fehlende Schloss immer als großer weißer Elefant im Raum, als präsente Lücke. Wird diese geschlossen, wird dies den Ruf der Stadt sehr positiv beeinflussen.
Moin, wenn es ein Nutzungskonzept für das Schloss gibt macht es Sinn ein neues Haus zu bauen. Vielleicht könnte da eine Schwimmhalle rein? Nur einen Turm zu bauen ist Verschwendung von Geldern die wir nicht haben. Die Stadt wird dadurch gezwungen sein den Hebesatz zu erhöhen und damit steigen die Mieten. Neustrelitz wird durch den Demokratieturm nicht demokratischer. Ich bin dafür eine Bürgerabstimmung zu machen, dass wäre der Anfang von Demokratie in Neustrelitz.
Wer solch ausgesprochenen Quatsch schreibt, hat die Verantwortung nicht begriffen, das BEWAHRUNG der Geschichte nicht heißt, die Gelder für Kanonen und „menschliches Material“ in einen KRIEG zu investieren !
Also, ich bin gegen Krieg und Waffenlieferungen!
Ich bin für ein friedliches Miteinander aller Völker.
Die Bewahrung der Geschichte heißt nicht, einen Schlossturm ohne Schloss zu bauen. Dann sollte man das Schloss neu bauen, dass wäre konsequent. Es gibt genug Ruinen in Neustrelitz, die das Stadtbild verschandeln. Da sollte die Stadt eingreifen, notfalls auch die Besitzer enteignen. Abreißen, Entsorgen und mit der NeuWo neues schaffen. Das wäre dann Geschichte, die wir täglich sehen. Das fehlende Schloss sieht kein Tourist. Demokratisch wird der Demokratieturm nicht, nur weil man mit Deckmantel Demokratie(Turm) Fördermittel bekommt.
„Demokratieturm“ klingt spannend, da die Entscheider die Bürger direkt in die Entscheidung einbeziehen würden. Das würde der Demokratie in Neustrelitz mehr Gehör verschaffen, und die Einwohner könnten darüber abstimmen, ob sie einen solchen Turm wollen oder nicht.
Bevor weitere Schritte unternommen werden, wäre es sinnvoll, die Finanzierung offen zu legen. Nur so können die Turmliebhaber und alle Beteiligten abwägen, ob das Projekt realistisch und sinnvoll ist und die Bürger überzeugt.