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Der Dresdner Eckehard Mayer. Foto: Peter Fischer

Am Sonnabend, den 23. Juli, um 19.30 Uhr, bringt die Kammeroper Schloss Rheinsberg im Schlosstheater die Oper „P.“ von Eckehard Mayer zur Uraufführung. „P.“ wurde 2020/21 auf Texte von Fernando Pessoa komponiert.

Der portugiesische Dichter, der sein facettenreiches Werk unter mehreren Namen und Identitäten schuf, tritt selbst als Figur auf – ebenso wie drei seiner „Alter Egos“. Mit seiner poetischen Erfindung unterschiedlicher, auch widersprüchlicher Verkörperungen seiner selbst zählt Pessoa zu den wegweisenden Dichtern des frühen 20. Jahrhunderts.

Der Dresdner Komponist Mayer (*1946), der wiederholt mit Opern mit literarischem Bezug wie z.B. „Der goldene Topf“ nach E.T.A. Hoffmann, „Sansibar“ nach Alfred Andersch oder „Das Treffen in Telgte“ nach Günter Grass hervorgetreten und auch selbst literarisch produktiv ist, bringt Fernando Pessoa und seine Heteronyme Alberto Caeiro („der Philosoph“, gesungen von Jean Philipp Chey), Álvaro de Campos („der Weltgewandte“, gesungen von Thomas Büscher) und Ricardo Reis („der Klassizist“, gesungen von Dashuai Jiao) auf die Bühne – zusammen mit Pessoas von Ferne angebeteter Ophélia (Yuval Oren), Adressatin seiner unzähligen, nicht abgesandten Liebesbriefe.

In der Oper treten diese Figuren, die unterschiedliche Wesenszüge, Weltsichten und Existenzformen, aber auch künstlerische Konzepte darstellen, szenisch wie musikalisch miteinander in Kontakt, kommentieren, entlarven und widersprechen einander. Aus dem Miteinander voller Komik und Poesie entsteht etwas wie Wahrheit – ein schillerndes Konstrukt, das nur im musikalischen Zusammenklang der Stimmen flüchtige Realität annimmt.

Zugängliche Komposition mit melodischen Einfallsreichtum

Eckehard Mayer, langjährig als Komponist und musikalischer Leiter am Schauspielhaus Dresden tätig, vertonte auch Gedichte u.a. von Ringelnatz und Friederike Mayröcker („Kindersommer“). Seine Oper „P“ erwächst – auch rhythmisch – ganz aus der dichterischen Sprache und beeindruckt mit farbenreichem Einsatz des sparsamen Instrumentariums (zehn Instrumente) sowie mit melodischem Einfallsreichtum. Diese auch für nicht mit Neuer Musik vertraute Hörer zugängliche Komposition spielt das Ensemble Ascolta in zehnköpfiger Besetzung unter Leitung des englischen Dirigenten Nicholas Kok.

Damit findet eine vor drei Jahren begonnene Zusammenarbeit im Bereich der zeitgenössischen Oper ihre Fortsetzung: Das Ensemble Ascolta unter Leitung von Nicholas Kok brachte 2019 Martin Smolkas „Vor dem Gesetz“ (Libretto: Jiři Adámek nach Franz Kafka) zur Uraufführung (zusammen mit Schönbergs „Die hängenden Gärten“, Kammeroper 2019).

Regie führt André Bücker, der mit seiner Inszenierung von Wagners „Ring des Nibelungen“ in Dessau bekannt wurde und als Intendant am Staatstheater Augsburg mit der Gründung einer „Digitalsparte“ ein Vorreiter der digitalen Transformation ist. Bühnenbild und Kostüme entwarf Imme Kachel.

Karten unter 033931 72117 (Mo-Fr 10-15 Uhr), bei der Tourist-Information Rheinsberg 033931 34940 oder an der Abendkasse.