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„Drinnen und draußen. Kunst im Norden der DDR“ – unter diesem Titel wird im September 2022 ein einmaliges Kunstprojekt in den Räumen der Kunstsammlung Neubrandenburg und im Haus der Kultur und Bildung am Marktplatz von Neubrandenburg präsentiert. Die Vier-Tore-Stadt stellt damit zum 40. Jahrestag der Neugründung der Kunstsammlung verschiedenste Werke der ostdeutschen Kunsthistorie ins Rampenlicht und verspricht sich im Rahmen der Ausstellung und begleitenden Expertinnen- und Experten-Tagung samt Exkursion eine kontroverse und reflektierte Debatte.

Rund 5.000 der 8.000 Werke im Bestand der Kunstsammlung stammen aus der Zeit der DDR und bilden neben dem quantitativen Aspekt auch aufgrund der hohen künstlerischen Qualität und malerischen Kultiviertheit das Fundament des Bestands. Eine handverlesene Auswahl wird im Rahmen des Projekts dank der Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht und soll durch ein großes Publikum neue Aufmerksamkeit erfahren.

Vor dem Hintergrund der voranschreitenden Planung äußerten sich Vertreterinnen und Vertreter der involvierten Institutionen heute bei einer Kick-Off-Veranstaltung in der Kunstsammlung Neubrandenburg zu dem Projekt.

OB freut sich auf die Diskussion

Oberbürgermeister Silvio Witt betonte: „Für viele Neubrandenburgerinnen und Neubrandenburger stellt die DDR-Kunst eine emotionale Verknüpfung zu den Erfahrungen aus Kindheits- und Jugendtagen her, weshalb die Werke ganz unterschiedliche individuelle Wahrnehmungen und Reaktionen hervorrufen. Dieses persönliche Erlebnis macht das Projekt für die Vier-Tore-Stadt und ihre Einwohnerinnen und Einwohner so spannend und reizvoll. Mit Stolz und besonderem Dank an die unterstützenden Partner schaue ich den Ausstellungen entgegen und freue mich auf rege Diskussionen.“

Susanne Bowen

Susanne Bowen, Staatssekretärin im Kulturministerium M-V, unterstrich die Bedeutung des Projektes für das Land: Kunstwerke aus der Zeit der DDR sind Teil der jüngeren Kulturgeschichte des Landes. Nach der politischen Wende waren zahlreiche DDR-Zeugnisse vorhanden. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Bestand insbesondere im öffentlichen Raum aber reduziert. Für das Land ist es daher ein Anliegen, die künstlerischen Werke und ihre Bedeutung zu schützen und in den öffentlichen Fokus zu rücken. Nur so können wir zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dieser Zeit und ihrer Kunst beitragen. Dabei ist es wichtig, wenngleich mitunter herausfordernd, einerseits den künstlerischen Aspekt der Werke unvoreingenommen anzuerkennen und wertzuschätzen, und uns andererseits kritisch mit der Entstehungsgeschichte oder der Aussage einzelner Kunstwerke auseinanderzusetzen.

Patricia Werner

Patricia Werner, Geschäftsführerin der Ostdeutschen Sparkassenstiftung erklärte: „Kunst, die in der Zeit der DDR entstand, ist automatisch weder schlechter noch besser als andere. Wer sich jedoch ernsthaft für ostdeutsche Kunst und Identität in Vergangenheit und Gegenwart interessiert, kommt um eine Beschäftigung mit ihr nicht herum. Mit der geplanten Ausstellung und dem Symposium leisten die Verantwortlichen in der Stadt Neubrandenburg, ihren Kunstsammlungen und dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege einen wichtigen Beitrag dazu – weshalb die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin das Gesamtprojekt sehr gern ermöglichen und auch weiter begleiten werden.“

Wirkung über Neubrandenburg hinaus

Kirsten Cummerow, Vorstandvorsitzende der Stiftung der Neubrandenburger Sparkasse, überreichte im Februar die Fördermittelzusage an Oberbürgermeister Silvio Witt und hielt fest: „Das Kunstprojekt ‚Drinnen und draußen. Kunst im Norden der DDR‘ ist ein Leuchtturmprojekt mit Signalwirkung über Neubrandenburg hinaus. Es wird zeigen, dass die Gesellschaft nur gewinnen kann, wenn sie sich offen und reflektiert mit der eigenen Kunsthistorie auseinandersetzt. Die umfassende Konzeption und das kunstwissenschaftliche Fundament dieses Projekts gepaart mit der gesellschaftlichen Relevanz sprechen für sich und sind Motivation genug, dessen Realisierung zu unterstützen.“

„Gerade in Zeiten der Pandemie hat sich gezeigt, wie wichtig Kunst und Kultur für die Menschen sind. Sie bringen uns zusammen, regen zu Inspiration an und liefern wichtige Denkanstöße für die Gesellschaft. Deshalb initiiert und fördert die Sparkasse in der Region künstlerische Projekte in ihrer ganzen Breite und Vielfalt“ hob Peter Siebken, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin, hervor.

Dr. Jörg Kirchner vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege erklärte: „Den Auftrag der Denkmalpflege, sich um die Zeugnisse der Vergangenheit zu kümmern, kann man nur bedingt hinauszögern oder auf Morgen verschieben. Dieser Auftrag umfasst auch die Kunst im öffentlichen Raum aus der Zeit der DDR. Selbst die jüngsten Hinterlassenschaften der DDR sind bereits über 30 Jahre alt. Für alle Bauwerke und Kunstwerke gilt in der Regel: nach 30 Jahren sind Sanierungs- und Ertüchtigungsarbeiten nötig. Nicht nur die Fenster von Bauwerken, sondern auch Kunstwerke im Freien brauchen nach vielen Jahren in Wind und Wetter Zuwendung, Sanierung und häufig Ergänzungen. So ist es Zeit, auf die Kunst der DDR im öffentlichen Raum aufmerksam zu machen und für den Fortbestand der bedeutenden Werke zu sorgen. Und das heißt auch, in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, dass auch Bau- und Kunstwerke aus DDR-Zeit Denkmale sein können.“

Projektleiterin: Aus dem Blickfeld geraten

Dr. Elke Pretzel, Mitarbeiterin der Vier-Tore-Stadt in der Kunstsammlung und Projektleiterin, ergänzte: „Die Kunst der DDR hatte nach der Wende einen schweren Stand und geriet sowohl im öffentlichen Raum als auch in vielen Museen aus dem Blickfeld. Seit einigen Jahren gibt es immer wieder Initiativen, die Sichtbarkeit der Werke und deren Akzeptanz zu fördern. Mit dem Kunstprojekt ‚Drinnen und draußen. Kunst im Norden der DDR“ erfährt dieses Bestreben einen starken neuen Impuls, den wir über die Stadtgrenzen hinaustragen wollen.“

Neben den Ausstellungen in der Kunstsammlung Neubrandenburg und im Haus der Kultur und Bildung wird das Projekt durch eine dreitägige Fachtagung samt Exkursion abgerundet. Die Ergebnisse des Projekts sollen in einem Tagungsband in 2023 veröffentlicht werden. Zudem wird der virtuelle Stadtrundgang um die bei der Exkursion besichtigten Kunstwerke in den Ortsteilen Fünfeichen, Südstadt, Oststadt und Zentrum erweitert und auch im realen Stadtbild soll die Sichtbarkeit der Kunstwerke erhöht werden.