Schlagwörter

, ,

Beinahe täglich muss die Polizei in MV über einen geglückten Betrug zum Nachteil älterer Menschen berichten. Die Senioren können durch diese perfiden Maschen ihr gesamtes Erspartes, sogar das vorgesehene Sterbegeld, verlieren. Oft schämen sie sich in Grund und Boden und trauen sich gar nicht, ihren Angehörigen oder der Polizei davon zu berichten, geht aus einer Pressemitteilung hervor.

Durch die Pandemie haben viele Ältere ihre ohnehin schon geringen sozialen Kontakte noch mehr einschränken müssen. Auch Präventionsveranstaltungen in größeren Rahmen konnten nicht stattfinden. Doch die Betrüger haben nicht nachgelassen. Sie entwickelten ihre abscheulichen Maschen weiter und ließen nichts unversucht, um an das Vermögen der Senioren zu kommen.

Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch im Jahr 2021 die Zahlen der Trickstraftaten zum Nachteil älterer Menschen erneut angestiegen sind. Nach einer vorläufigen statistischen Auswertung des Landeskriminalamtes wurden im letzten Jahr knapp 2.800 Anzeigen erstattet. Dabei erlangten die Täter in über 280 vollendeten Fällen Geld in einer Höhe von fast 3 Millionen Euro. Zusätzlich ist von einer sehr großen Dunkelziffer auszugehen.

Die Maschen der Betrüger gleichen sich auf der ganzen Welt. Auch bei unseren polnischen Nachbarn sind diese Betrüge ein großes Problem. Gemeinsam mit der KWP Stettin hat das Polizeipräsidium Neubrandenburg über Interreg Fördermittel beantragt und mit den bewilligten Mitteln in Höhe von 50.000 EUR eine Kampagne gegen den Enkeltrick entwickelt.

Gemeinsam mit der Werbeagentur RLmedia aus Neubrandenburg hat die Polizei Plakate, Flyer, Social Media Beiträge und einen Radiospot entwickelt. Ein zentrales Element der Kampagne ist der Slogan „Ein Anruf reicht“. Denn den Betrügern reicht oft ein einziger Anruf, um an das gesamte Geld der Geschädigten zu gelangen. Aber andersherum würde auch ein Anruf der Senioren genügen, um den Betrug auffliegen zu lassen. Ein Anruf bei den echten Verwandten oder der Polizei könnte sie vor der erfolgreichen Straftat bewahren.

Die vier häufigsten Maschen im Fokus

Im Fokus stehen der klassische Enkeltrick, der Gewinnspielbetrug und der falsche Polizist. „Als viertes widmen wir uns dem recht neuen sogenannten Schockanruf, der gerade im vergangenen Jahr sehr häufig auftrat. Er stellt eine Mischform aus falscher Polizist/Anwalt und der Vortäuschung eines Verwandtschaftsverhältnisses dar. Dem Angerufenen wird am Telefon von einem Polizisten oder Staatsanwalt gesagt, dass der Sohn/ die Tochter einen tödlichen Unfall verursacht hat, bei dem ein kleines Mädchen starb. Nun müsse der Angehörige ins Gefängnis. Oft reicht der falsche Polizist das Telefon an die verzweifelt weinende Tochter weiter. Gegen die Zahlung einer Kaution könne der Angehörige freigelassen werden“, so die Polizei.

Mit über 1000 Fällen (geglückt 30) war der falsche Polizist die häufigste Masche im Jahr 2021. Darunter wurde auch der beschriebene Schockanruf gezählt. Die Täter erlangten mit dieser Masche über 430.000 EUR. Der klassische Enkeltrick war auch im letzten Jahr leider erfolgreich. In 730 Fällen (geglückt 24) erlangten die Täter über 570.000 EUR. Der angebliche Jackpot bei den Gewinnspielen brachte die Senioren in über 300 Fällen (geglückt 34) um über 120.000 EUR.

Die vorläufigen Zahlen des LKA belegen, dass die Masche der falsche Bankmitarbeiter mit über einer Million EUR Schaden in „nur“ 82 Fällen und der sogenannte Liebesbetrug mit über 430.000 EUR Schaden in „nur“ 38 Fällen für die Betrüger sehr erfolgreich waren. Diesen Versionen des Trickbetruges widmet sich die Polizei in einer zukünftigen Kampagne. „Prävention ist nicht messbar“, heißt es abschließend. „Aber wir wollen es zumindest weiter versuchen und hoffen, mit dieser Kampagne wenigstens ein paar ältere Menschen davor zu bewahren, Opfer eines Trickbetruges zu werden.“

.