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Denkmalschutz, Geschichte, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Politik, Vereine
Mit acht Tagen Verspätung hat Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) eine Kleine Anfrage des Linken-Landtagsabgeordneten Torsten Koplin zum Neustrelitzer Schlossareal (Strelitzius berichtete) beantwortet. Nach Einschätzung des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz ist die Anfrage „mehr oder weniger nicht beantwortet“, stattdessen seien „längst als überholt bekannte Darstellungen vorgetragen“ worden. Das sei blamabel.
In einem Strelitzius zugeleiteten Statement des Vereinsvorsitzenden Dr. Rajko Lippert wird die aus der Ministerantwort ersichtliche Kostenkalkulation als besonders schlimm herausgestellt. Aus ihr könne „nun jeder ersehen, dass weder eine Müllentsorgung stattfinden sollte, noch ein behutsamer Rückbau oder eine fachgerechte Verfüllung geplant war“. Die vorgesehenen Kosten in Höhe von 167 000 Euro reichten nicht mal für den Sand, wenn die Keller leer sind. Für die errechneten 7500 Kubikmeter, die es zu verfüllen gilt – wenn der Keller leer ist – koste dieser Sand über 20 Euro pro Kubikmeter, ohne Transport und fachgerechte Einbringung, rechnet Lippert vor. Er hatte Baufachleute hinzugezogen. „Damit gibt der Minister nun endlich zu, dass das fachgerechte Entsorgen des Mülls, den kein Bürger zu Gesicht bekommen durfte, tatsächlich – zumindest bisher – nicht eingeplant war“, so das Fazit Lipperts. Erst ein auf der Schlossbergkonferenz am 29. Januar in Neustrelitz gezeigtes Video, das auch in meinem Blog gezeigt wurde, hatte das tatsächliche Ausmaß der Müllmengen in den Kellerräumen für die Öffentlichkeit verdeutlicht.
Ebenso sollte vermutlich die angeblich marode Kellerdecke nur zum Einsturz gebracht werden und so zur Füllung beitragen, damit die 167 000 Euro ausreichen. Auf der „maroden Kellerdecke“ wurde vor zwei Wochen mit Radladern und Baggern gefahren, um den Wildwuchs zu entfernen. Dabei dürften laut Lippert die historischen Fußbodenfliesen gelitten haben. Brodkorb führt in der mir vorliegenden Antwort überraschend aus, dass die Gewölbe trotz der Teilzerstörung rechtlich ein Denkmal blieben.
Baufachleute weisen auf physikalische Unmöglichkeit hin
Mit weiteren Angaben aus dem Ministerium, so zum Umgang mit eindringendem Grundwasser oder zur Beschaffenheit des Sandes, der angeblich fließend bleibe und trotzdem begehbar sei, hatten bereits im Vorfeld Ingenieure bei der Schlossbergkonferenz aufgeräumt und die physikalische Unmöglichkeit nachgewiesen. Überlegungen, wie und mit welchen Kosten der Sand mal wieder entfernt werden könnte, wurden offenbar gar nicht angestellt, so Lippert. „Dies ist wohl zu unwahrscheinlich.“
Aus dem Schreiben des Ministers geht auch hervor, dass es überhaupt keinen Plan für den Ablauf der Arbeiten nach der Grünentfernung gibt. Eine Planung der Arbeiten aber hätte es wohl längst geben müssen, wenn man – wie geschehen – medienwirksam einen Baustopp ausruft. Eine Teilnahme am Gedankenaustausch am 29. Januar in Neustrelitz, den die Stiftung Mecklenburg initiiert hatte, war vom Minister mit Verweis, dass alles geklärt sei, strikt abgelehnt worden.
„Man kann nur hoffen, das der Minister und die Stadt beim morgigen Gespräch, das auf Betreiben des Bürgermeisters der Residenzstadt zustande kommt, endlich merken, dass das bisher historisch bedingte kultivierte Gegeneinander endlich in ein konstruktives Miteinander umgewandelt werden muss“, schloss Lippert. Strelitzius wird heute noch veröffentlichen, mit welchem Plan die Neustrelitzer Delegation am Mittwoch in die Landeshauptstadt fährt.

