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Künstler sind doch ein seltsames Völkchen. Gleich zwei sind mir heute begegnet, wenn auch nicht persönlich. Zunächst musste ich bei der Lektüre meiner Tageszeitung am schweren Schicksal der Sopranistin Rebekah Rota teilhaben, die in der Oper „La Traviata“ am Landestheater Neustrelitz die Hauptrolle der Edelkurtisane Violetta Valery singt und spielt. Sie habe dieser Figur schon als Kind nachgeeifert, ist von der gebürtigen US-Amerikanerin zu lesen, und es sei „sehr enttäuschend“ gewesen, dass sie im Gegensatz zu der Valery nie Tuberkulose bekommen habe. Was für eine dramatische Jugend! Hoffentlich klappt es trotzdem mit dem Gastspiel.

Eine intensivere Bekanntschaft hatte ich dann mit Katharina Vogt während einer eineinhalbstündigen Wartezeit im Neustrelitzer Krankenhaus. Die Grafikerin, die mit ihrem Mann, dem Musiker Michael Vogt. die KulturWirtschaft zu Triepkendorf betreibt, hat einige ihrer Arbeiten zur Erbauung der Patienten ausgehängt. Und sich, wie es sich für eine Ausstellung gehört, auch artig vorgestellt. Im Gegensatz zur Masse ihrer Berufskollegen war es Katharina Vogt aber offenbar ein Anliegen, nicht nur die Stationen ihres künstlerischen Werdegangs aufzulisten. Und so erfährt der staunende Betrachter auch, wann sie ihrem Mann begegnet ist, was ja noch angeht. Immerhin trafen hier Künstlerin auf Künstler, oder umgekehrt. Das kann die Schaffensprozesse schon prägen.

Aber damit nicht genug. Die Öffentlichkeit wird weiter eingeweiht, dass dem Paar 1998 und 2005 Söhne geboren wurden. Sicherlich sind es auch Kunstwerke. Zumindest ihre Namen deuten darauf hin. Wir haben es hier nämlich mit keinen geringeren als Iason und Idmon zu tun. Wer gut in der Schule aufgepasst hat, ordnet die beiden mühelos den Argonauten zu. Das sind die, die das Goldene Vlies haben mitgehen lassen. In Zeiten, wo viele nicht gut auf Hellas zu sprechen sind, gibt es wenigstens noch zwei griechische Helden. Wenn auch nur in Triepkendorf.