Schildübergabe: André Neitzel, David Wülferling und Prof. Hermann Behrens (von links.
Ein Stück deutscher Naturschutzgeschichte hat eine neue Heimat gefunden: David Wülferling, zuständig für Liegenschaften im Lebenshilfswerk Waren, und André Neitzel, Leiter des Landschaftspflegehofs Müritzhof, übergaben dem Studienarchiv Umweltgeschichte an der Hochschule Neubrandenburg ein historisch bedeutsames Naturschutzschild.
Das hölzerne Schild hing mehr als 35 Jahre neben der Eingangstür des Müritzhofs bei Waren, auf dem am 14. September 1954 die „Lehrstätte für Naturschutz“ der DDR eröffnet wurde – die erste staatliche zentrale Naturschutzlehrstätte weltweit. Ihr erster Leiter war Kurt Kretschmann, der Erfinder der bekannten „Naturschutzeule“, die bis heute Naturschutzgebiete kennzeichnet.
Seit Bekanntwerden von Plänen des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern, die traditionsreiche Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung im Rahmen von Umstrukturierungen zu schwächen, reißt der Protest aus den Reihen von Natur- und Umweltschützer*innen nicht ab. Gestern startete der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, gemeinsam mit dem Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern eine Online-Petition. Minister Backhaus wird darin aufgerufen, die Landeslehrstätte und damit Umweltbildung und Wissenstransfer zur Bewältigung der Naturschutzkrise zu stärken.
„Wir ehrenamtliche Naturschützer*innen brauchen das umfangreiche Fortbildungsprogramm der Landeslehrstätte und das Land braucht uns. Denn ohne die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen im Naturschutz könnte die Landesregierung ihre gesetzlich definierten Aufgaben zum Schutz der Natur gar nicht erfüllen. Deshalb protestieren wir gegen die beabsichtige Schwächung der traditionsreichen Lehrstätte“, so die Landesvorsitzende des BUND, Bettina Baier. Und Dr. Martin Buchsteiner, Vorsitzender des Heimatverbandes M-V, bezeichnet in einem Aufruf die Die Landeslehrstätte als „unverzichtbare Plattform für die Kommunikation zwischen Behörden und ehrenamtlich Aktiven. Statt in diesem Bereich Kapazitäten abzubauen, ist genau das Gegenteil notwendig. Wir brauchen einen intensiven Dialog zwischen Ehrenamt und Behörden, brauchen die Vermittlung guter Praxisbeispiele und die Ermutigung der Menschen, sich an Schutz und Gestaltung unserer Kulturlandschaften zu beteiligen.“
Die 1954 auf dem Müritzhof am Ostufer der Müritz gegründete Lehrstätte hat kein eigenes Haus mehr, sondern sitzt beim Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in Güstrow. Aber sie wird in der Naturschutz-Szene bis heute gewissermaßen körperlich als Lehrstätte wahrgenommen. Die Archivalien der Müritzhofer Lehrstätte befinden sich an der Hochschule Neubrandenburg.