Mecklenburg-Strelitz Adolf Friedrich II. (1701-1708): 1/192 Taler ohne Jahreszahl (1703) Mirow, Billon, 14 mm, Katalog Kunzel 551 B/a. Foto: Dr. Peter Worseck
Vor über dreihundert Jahren, kurz nach der Gründung des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz, sind in einem ganz kurzen Zeitraum von nur zwei Jahren Münzen in Mirow geprägt worden. Eine davon ist das oben abgebildete Exemplar eines Dreilings (1/192 Taler) aus der Sammlung eines Mitgliedes des Neubrandenburger Münzverein.
„Natürlich beschäftigen sich Sammler gern mit Objekten, die einen regionalen Bezug haben. Und so führt der Verein seine 2012 begonnene Praxis fort, indem er zusätzlich zu den bestehenden weitere acht Patenschaften für Mecklenburger Münzen – diesmal Mirower Gepräge – übernommen hat, die sich im Bestand des Berliner Münzkabinetts im Bodemuseum befinden. Das Geld für das Sponsoring konnte der Neubrandenburger Münzverein e.V. aus dem Verkauf der Neubrandenburger Jubiläumsmedaille 1248-2023 erwirtschaften, worauf wir natürlich ein wenig stolz sind“, schreibt mir der Schatzmeister des Vereins, Dr. Peter Worseck.
Wer Genaueres wissen möchte, kann sich die „Hinzukömmlinge“ vom Dreiling bis zum Gulden gern auf der Internetseite des Vereins ansehen. Sie sind unter Federführung des Numismatikers Dr. Johannes Eberhardt, Mitarbeiter im Bodemuseum, dokumentiert und im interaktiven Münzkatalog des Berliner Münzkabinetts als Information in Wort und Bild der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt worden.
Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten wurden die offizielle „Medaille 775 Jahre Neubrandenburg“ durch die Repräsentanten der Vier-Tore-Stadt vor allem zur Ehrung verdienstvoller Bürger, als Geschenk an offizielle Gäste und für die Auszeichnung von Breitensportlern verwendet. Gegen Ende des Festjahres 2023 kann aber auch der Neubrandenburger Münzverein e.V., der das Projekt aufgelegt hatte (Strelitzius berichtete), eine positive Bilanz zum Verkauf der Jubiläumsmedaillen an Sammler und Neubrandenburg-Besucher ziehen. Während die in Messing geprägten Exemplare bereits im September ausverkauft waren, wird zur Zeit noch eine geringe Anzahl der Medaillen zu je einer Unze Feinsilber durch die Touristinformation und das Regionalmuseum angeboten.
Mit dem Verkauf sind dann schließlich alle von der Prägeanstalt im Dezember vergangenen Jahres gelieferten 300 Silber- und 100 Messingmedaillen abgesetzt worden. Es werden kaum Exemplare in den Bestand des neuen Jahres übernommen, und es werden auch keine neuen mehr geprägt – eine Punktlandung.
Das ist das Endprodukt nach dem Prägevorgang in der Messingvariante, patiniert. Foto: Neubrandenburger Münzverein e.V.
Vor über einem Jahr bot der Neubrandenburger Münzverein e.V. seine Mitwirkung an der Vorbereitung der 775-Jahr-Feier an. Die Idee, eine spezielle Jubiläumsmedaille prägen zu lassen fiel auf fruchtbaren Boden, nicht zuletzt deswegen, weil damit eine seit 1948 bestehende Tradition fortgeführt werden sollte, alle 25 Jahre eine Sonderprägung zu den Jubiläen herauszubringen
Von den Kulturverantwortlichen im Rathaus gab es in der Anfangsphase Unterstützung, in deren Ergebnis eine Kooperationsvereinbarung zustande kam, ein Designer für den künstlerischen Entwurf ausgewählt und eine Prägeanstalt gefunden wurde, wie Vereinsvorsitzender Henning Ihlenfeld und Schatzmeister Peter Worseck berichten. Nach einen längeren organisatorischem Prozess konnte die fix und fertige Jubiläumsmedaille dann von den Münzfreunden pünktlich zum 775-jährigen Stadtgeburtstag der Vier-Tore-Stadt am 4. Januar auf den Gabentisch gelegt werden.
Der Entwurf der Medaille stammt von Gilberto Pérez Villacampa, der auch das Design des Logos für die 775-Jahr-Feier geschaffen hat. Auf dieser Grundlage wurden sowohl im Münzverein als auch im Rathaus verschiedene Versionen der Umschriften auf Vorder- und Rückseite sowie der Oberflächengestaltung diskutiert. Die Reinzeichnung der mit der Herstellung beauftragten Prägestätte Simm GmbH in Renningen als Grundlage für die Anfertigung der Stempel (Prägewerkzeuge) war der nächste wesentliche Schritt. Dem Vorschlag des Neubrandenburger Münzvereins, das Logo mit einer Backsteinschraffur auszustatten, die die Wehrhaftigkeit und das städtische Selbstbewusstsein des alten Neubrandenburg symbolisieren soll, wurde übereinstimmend gefolgt.
Sodann wurden die Stempel von Alžběta Slámová im tschechischen Jablonec (deutsch ehemals Gablonz) für die Firma. Simm GmbH hergestellt. Alle erhabenen Stellen sind in den Stempeln vertieft und die Schrift sowie die Bildelemente logischerweise spiegelverkehrt in den Stahl geschnitten worden. Alsdann wurden die Werkzeuge gehärtet und poliert.
Es gibt die Medaille auch als Unze Feinsilber in polierter Platte, wobei für die bisher hergestellten 300 Silbermedaillen insgesamt fast zehn Kilogramm des Edelmetalls verarbeitet wurden. Beim Verkauf werden die Neubrandenburger Numismatiker hervorragend unterstützt durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Touristinformation und des Regionalmuseums, so dass bis Juni gut 60 Prozent der Silbermedaillen verkauft werden konnte.
Erwartungsvoll sehen die Vereinsmitglieder dem MV-Tag in Neubrandenburg entgegen, wo sie am 2. Juli am Stand der Vier-Tore-Stadt (Pagode) in der Turmstraße, Ecke Stargarder Straße den Verein vorstellen und den Verkauf der „Jubiläumssilberlinge“ persönlich übernehmen. Der Reinerlös soll – dem satzungsgemäß gemeinnützigen Anspruch nachkommend – hauptsächlich zur Förderung der numismatischen Sammlungs-, Bewahrungs- und Forschungstätigkeit in der Region Ostmecklenburg und Vorpommern eingesetzt werden.