Der Neustrelitzer Kulturrat unterstützt das Projekt Drehmoment zur Belebung der Neustrelitzer Innenstadt. Für einen Monat entsteht, was unter ökonomischen Gesichtspunkten wohl kaum noch möglich erscheint, ein Schallplattenladen in der Glambecker Straße. Ein Unterfangen welches selbst in Großstädten nur mit sehr viel Leidenschaft und günstiger Miete dauerhaft tragbar scheint, findet sich in der Kleinstadt Neustrelitz ein.
Der Neustrelitzer Kulturrat fordert die Freigabe der blockierten Mittel für die Kunstnacht. Es geht um rund 8.500 Euro, die der Kulturausschuss der Stadtvertretung Neustrelitz in seiner jüngsten Sitzung nicht freigegeben hat (Strelitzius berichtete). Der entsprechende Beschluss kam mit den Stimmen von AfD und CDU zustande. Gestellt hat den Förderantrag das Kunsthaus Neustrelitz.
Wie halten es die Spitzenkandidaten der Parteien für die bevorstehende Bundestagswahl mit der Kultur? Der Neustrelitzer Kulturrat will es wissen und organisiert ein Wahlforum im Großen Saal des Landestheaters Neustrelitz am 6. Februar um 19 Uhr. Was dürfen Kunst- und Kulturschaffende in Neustrelitz von der Bundespolitik erwarten?
Wie kann verhindert werden, dass immer mehr Leistungen für Kultureinrichtungen und Initiativen der Freien Kulturszene in den öffentlichen Haushalten gekürzt werden? Sollten Kunst und Kultur ins Grundgesetz? Jeder Interessierte ist mit seinen Fragen zum Thema herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.
Der 1991 gegründete Zusammenschluss von Kunst- und Kulturinteressierten in Neustrelitz und Umgebung will auch in Zukunft die kulturelle Entwicklung in der Stadt mitgestalten. Dafür hat der Neustrelitzer Kulturrat seinen Vorstand neu gewählt. An der Spitze stehen jetzt der Künstler Dr. Marcus Doering (Vorsitzender), der Theaterregisseur Jürgen Esser (Stellvertreter) sowie der Journalist Matthias Tetzlaff.
Die Kompanie im Juli dieses Jahres auf dem Neustrelitzer Schlossberg. Foto: Theresa Lange
Am Dienstag dieser Woche fand auf Einladung der Kulturministerin in Schwerin ein Gespräch über die Finanzierung der Deutschen Tanzkompanie nach 2025 statt. Vorausgegangen war ein Brief der die Deutsche Tanzkompanie unterstützenden Kommunen – des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte und der Städte Neubrandenburg und Neustrelitz – sowie des Stiftungsvorstands, in dem diese auf die prekäre finanzielle Situation aufmerksam machten (Strelitzius berichtete). „Bei der Zusammenkunft in der Landeshauptstadt bestand Einigkeit in der Würdigung des Wirkens und der Bedeutung der Deutschen Tanzkompanie für die Region, aber auch für das Land. Vor diesem Hintergrund streben alle Beteiligten gemeinsam Planungssicherheit und zukunftsfähige Lösungen für die Deutsche Tanzkompanie an. Künstlerische Fragen waren nicht Gegenstand des Gesprächs“, heißt es in einer von Marco Zabel, Geschäftsführender Direktor der Kompanie, verbreiteten Pressemitteilung.
Durch diese Bemühungen und unter Einbeziehung der bestehenden finanziellen und sonstigen Unterstützung durch den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sowie die Städte Neubrandenburg und Neustrelitz solle der nachhaltige Fortbestand der Deutschen Tanzkompanie in der Trägerschaft der Stiftung gewährleistet werden. Es sei zu betonen, dass die Deutsche Tanzkompanie die Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit der TOG anstrebt. Davon unabhängig, müsse aber entsprechend dem nicht änderbaren Stiftungszweck die Förderung des traditionellen Tanzes gesichert sein.
Antwort an den Kulturrat: Choreograph wird weiter geschätzt
In struktureller Hinsicht habe der Stiftungsrat bereits 2022 eine Neugestaltung der Künstlerischen Leitung beschlossen, die auf die bewährte Grundstruktur zurückgreife. Die künstlerische Zusammenarbeit mit Lars Scheibner, an der sich nichts ändern solle, und seine Bedeutung für die Deutsche Tanzkompanie werde unvermindert sehr geschätzt, so Marco Zabel abschließend. Die Änderung seines vertragsrechtlichen Status (Honorarvertrag anstelle eines Arbeitsvertrags) sei davon völlig unabhängig.
Der Kulturrat Neustrelitz hatte heute eine Erklärung verbreitet, in der der Leitung der Tanzkompanie auch vor dem Hintergrund der Unterschriftensammlung für ihr wirtschaftliches Überleben mangelnde Transparenz zu ihren Zielen und Handlungsweisen vorgeworfen wird. Zugleich setzt sich das Gremium für Lars Scheibner ein, dessen Arbeitsvertrag als Künstlerischer Leiter wie angekündigt zum Ende der Spielzeit nicht mehr verlängert worden ist (Strelitzius berichtete). Das berechtige trotzdem zu der Frage, wohin die Tanzkompanie steuere, so der Kulturrat. Immerhin habe Scheibner in seiner künstlerischen Verantwortung das Profil der Kompanie geprägt und sie zu einem überregional anerkannten Tanzensemble entwickelt.
Obwohl in der Landeshauptstadt künstlerische Fragen gar nicht zur Debatte standen, sieht es der Kulturrat als „skandalös“ an, dass es Scheibner verwehrt worden sei, an dem Gespräch in Schwerin teilzunehmen. Auf der Internetseite der Tanzkompanie wird Scheibner aktuell nur noch als Haus-Choreograph vorgestellt.
Die Stadt Neustrelitz hat die Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, Vorschläge für einen Straßennamen zu unterbreiten, der einerseits Opfern des Naziregimes gedenkt und andererseits einen Bezug zu Neustrelitz haben soll. Der Vorstand des Neustrelitzer Kulturrat e.V. hat sich mit der Frage beschäftigt und hat der Neustrelitzer Stadtvertretung vorgeschlagen, der Straße den Namen „Rose-Wagner-Groß-Straße“ zu geben. Die Begründung dafür bezieht sich auf Archiv-Untersuchungen mehrerer Historiker für die es als erwiesen gilt, dass die fünf Kinder Fritz Wagner (4 Jahre alt), Paul Wagner (7 Jahre alt), Max Groß (9 Jahre alt), Alex Rose (10 Jahre alt) und Franz Rose (13 Jahre alt) vom katholischen Kindergarten in Neustrelitz zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau abtransportiert und dort ermordet wurden.
Nach Ansicht des Neustrelitzer Kulturrats wäre das eine angemessene Würdigung von Opfern des nationalsozialistischen Terrors, wie er auch in Neustrelitz in den 1930er und 1940er Jahren gewütet hat, und hätte so einen unmittelbaren Bezug zu Neustrelitz. „Gerade in dieser Zeit des sich wieder verstärkenden Rassismus und der Ausgrenzung von Minderheiten stände es unserer Stadt gut an, die Erinnerung an die deportierten Sinti-Kinder wachzuhalten“, so die Vorstandsmitglieder Dr. Marcus Doering, Oliver Hahn und Horst Conradt in einer gemeinsamen Erklärung.