Nach mehreren Straftaten, die sich insbesondere seit Beginn des Jahres in Neustrelitz häuften, ist ein 17-jähriger Deutscher nun in Untersuchungshaft gekommen. Das Amtsgericht Waren erließ gegen den Jugendlichen vor einigen Tagen Haftbefehl wegen mehrfacher schwerer räuberischer Erpressung.
In den vergangenen Tagen wurden mehrere Onlinebetrüge und Erpressungen durch Hotel- und Gaststättenbetreiber bei der Polizei angezeigt. Gemeldet wurden diese in den Landkreisen Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte. In allen Fällen bekamen die Anzeigenerstatter ein Erpresser-Schreiben per E-Mail. Darin wurden jeweils mehrere Tausend Euro gefordert, die die Empfänger in Bitcoins überweisen sollten. Anderenfalls drohten die Absender mit der Zerstörung von Eigentum der Angehörigen und des guten Rufs. In allen gemeldeten Fällen handelte es sich um den gleichen Absender, angeblich aus Russland von einem sogenannten Russian Business Network.
Nach ersten polizeilichen Überprüfungen konnte eine aktuelle Häufung auch in anderen Bundesländern festgestellt werden. Derzeit stuft die Landespolizei MV die E-Mails als sogenannten SPAM ein und geht von keiner Ernsthaftigkeit aus. Die Polizei warnt daher nochmals eindringlich davor, auf derartige Forderungen einzugehen. Auch wenn solche E-Mails bedrohlich wirken, man unter Umständen direkt mit Namen angesprochen und mitunter Gewalt angedroht wird: Überweisen Sie niemals in irgendeiner Form Geld an die Absender!
Wer solche E-Mails erhält, sollte diese umgehend sichern und anschließend Anzeige erstatten. Das geht bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Online Wache unter: https://www.polizei.mvnet.de. Weitere Informationen rund um Internetbetrug finden Sie auch unter www.polizei-beratung.de
Nach dem Überfall auf eine Bäckerfiliale in Neustrelitz am 27. Dezember war ein ermittelter 18-jähriger Tatverdächtiger aus Neustrelitz nach Abschluss aller polizeilichen Maßnahmen wieder entlassen worden (Strelitzius berichtete). Nun steht der junge Mann zusätzlich im Verdacht, am Abend des 29. Dezember eine räuberische Erpressung zum Nachteil von zwei 14 und 17 Jahre alten Jugendlichen in der Strelitzer Straße begangen zu haben. Hierbei wurde der 14-jährige Geschädigte leicht verletzt, zu einer Entwendung von Geld oder Gegenständen kam es nicht.
Auf Grundlage der im Rahmen der geführten Ermittlungsverfahren zusammengetragenen Beweise erließ die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg nun am 12. Januar Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen, woraufhin dieser noch am selben Tage festgenommen und der Justizvollzugsanstalt Neustrelitz überstellt wurde. Die Tatvorwürfe gegen den Heranwachsenden belaufen sich nun auf schweren Raub, räuberische Erpressung und einfache Körperverletzung, die Ermittlungen werden weiterhin von der Kriminalkommissariatsaußenstelle Neustrelitz geführt.
Immer wieder kommt es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg zu Anzeigenerstattungen nach sexuellen Erpressungen. Was zunächst als harmloser Flirt über ein soziales Netzwerk wie beispielsweise Snapchat, Instagram oder Facebook beginnt, endet meistens mit hohen Geldforderungen für die Opfer.
Der Begriff „Sextortion“ setzt sich aus den englischen Wörtern „Sex“ und „Extortion“ – Erpressung – zusammen. Die Täter nutzen dabei oft die Unwissenheit oder das Vertrauen der Opfer aus, um sie dazu zu bringen, intime Bilder oder Videos von sich zu machen oder bereits vorhandenes Material preiszugeben.
Andere Täter verwenden Malware, um sich Zugang zu den Computern oder Smartphones ihrer Opfer zu verschaffen. Sie können dann die Kamera oder das Mikrofon des Geräts aktivieren, um heimlich intime Aufnahmen zu machen. Oder sie greifen direkt auf bereits vorhandenes Material zu, das auf dem Gerät gespeichert ist.
Beiden Vorgehensweisen ist gemein, dass anschließend damit gedroht wird, dieses Material zu veröffentlichen, wenn das Opfer nicht bestimmte Forderungen erfüllt, wie zum Beispiel Geldzahlungen oder weitere intime Aufnahmen.
Sextortion ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein ernst zu nehmendes Kriminalitätsphänomen, dass in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt. So wurden im Jahr 2020 im Polizeipräsidium Neubrandenburg 54 Strafanzeigen erstattet, im Jahr 2021 bereits 84 und im vergangenen Jahr 166.
Neben dem finanziellen Schaden (2020: 3.030 Euro, 2021: 22.190 Euro, 2022: 40.740 Euro) kann Sextortion auch schwerwiegende Auswirkungen auf die Psyche, das Privatleben, den Beruf oder die Beziehungen des Opfers haben, denn sie werden mit ihrer eigenen Scham erpresst.