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Deutsche Tanzkompanie, Erde, Landestheater, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Premiere

Es ist vollbracht! Mit dem zweiteiligen Tanzepos „Erde“ (Strelitzius berichtete wiederholt) hat die Deutsche Tanzkompanie ihren 2023 begonnenen „Elementezyklus“ abgeschlossen und noch einmal für Furore gesorgt. Die gestrige Premiere im Landestheater Neustrelitz war eine doppelte, wurde doch auch erstmals ein Stück des Ensembles auf die Bühne gebracht, das von zwei völlig unabhängig voneinander wirkenden Choreografen erarbeitet worden ist. Stehende Ovationen und unbeschreiblicher Jubel am Ende für die Truppe und ihre beiden Gasttanzlehrer, die gebürtige Brasilianerin Monica Proenca Mazotti, in Kanada lebend, und den Russen Emil Faski. Eine solche überbordende Begeisterung des Publikums, das die Akteure gar nicht mehr ziehen lassen wollte, ist nicht alle Tage zu erleben.
Die Idee, eine Choreografin und einen Choreografen unterschiedlicher geografischer und kultureller Herkunft zu verpflichten, ist in der Tanzkompanie geboren worden. „Uns war es wichtig, bei aller Verschiedenheit der künstlerischen Ansätze, der Stilistik, trotzdem am Ende ein Stück präsentieren zu können“, sagte mir Marco Zabel, geschäftsführender Direktor. „Und das Vorhaben ist mit unseren Wunschkandidaten wunderbar aufgegangen, die mit den Tänzerinnen und Tänzern schöne neue Perspektiven aufgezeigt haben. Ein kraftvoller, ein großer Abend im Dialog der Choreografien.“
Dramaturg hat viel zu tun
Monica Proenca Mazotti bringt die Erde als ernstzunehmendes, gleichberechtigtes Lebewesen auf die Bühne, als Mutter Erde, auf die es zu achten gilt, vom Menschen nicht zu trennen. Emil Faski diagnostiziert den rücksichtslosen Willen des Menschen, auf der Erde zu leben, und warnt vor dessen moralfreiem Streben. Ausdrücklich würdigte mein Blogpartner Marco Zabel Dramaturgie und Libretto von Felix Erdmann, der sehr viel zu tun gehabt habe. Dem jungen Schauspieler und Autor ist auch die sachkundige Stückeinführung gestern Abend im Rangfoyer zu danken, die die Zuhörer mit wichtigem Gedankenmaterial vorab ausrüstete.
Für die Deutsche Tanzkompanie war „Erde“ „nicht nur ein Blumenbeet, sondern auch ein Gebirge, das zu erklimmen war“, um Marco Zabel noch einmal zu zitieren. Wie schon bei den vorangegangenen drei Produktionen „Feuer“, „Wasser“ und „Luft“, sei das Ensemble „durch dick und dünn gegangen“. Auch das habe die Truppe an diesem Premierenabend, der sich nach dem letzten Vorhang noch lange fortsetzte, Revue passieren lassen.
Ensemble immer noch zu klein
Etwa den Zeitraum Februar/März diesen Jahres, als sich krankheitsbedingt bei Tänzerinnen und Tänzern eine dramatische Personalsituation ergab. Zudem erweist sich das Ensemble immer noch als zu klein, um das zu bieten, was es kann und will. Zum Glück ist die Tanzwelt gut vernetzt, und so finden sich in der Besetzungsliste neben Katherine Rooke, dem hiesigen Publikum bereits bekannt, mit Chayan Blandon-Duan, Angelica Bistarelli und Marianna Pappa weitere Gäste. Sie ergänzten sich perfekt mit Sara Branco, Nicola Clarissa Gehring, Aidan Grierson, Luka Magalhaes, Noé Plasencia, Roberta Ramos, Charlie Riddiford, Daisuke Sogawa und Axel Rothe. Zwei choreografische Handschriften, zwei Visionen zum Thema „Erde“ tänzerisch umzusetzen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die die Künstler mit Bravour bewältigt haben.
Vor die Wahl gestellt, entschieden sich Choreografen und Dramaturg aus nachvollziehbaren aktuellen Gründen, den Fokus auf die Erde als unseren Heimatplaneten in seiner Entwicklung über viereinhalb Milliarden Jahre sowie seiner globalen Krise und weniger auf das Element Erde zu richten. Gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern entstanden eindringliche Bilder, voller Schönheit, aber auch mit Beklemmung einhergehend und dem Appell, diese eine Erde, die wir haben, zu bewahren. Diese Möglichkeit der Sensibilisierung, des Aufrüttelns, der Botschaft hat sich die Deutsche Tanzkompanie nicht entgehen lassen. Und unterstreicht damit einmal mehr, dass sie wertvolles, ja unverzichtbares Kulturgut ist.
Preisgekrönte Tonschöpfer komponieren für das Stück
Sowohl Monica Proenca Mazotti mit Lacrimoboy (Frankreich) als auch Emil Faski mit Vladislav Fedorov (Russland) ließen sich von preisgekrönten Tonschöpfern begleiten. Diese komponierten eigens für „Erde“ und sorgten für noch ganz besondere Kunstgenüsse. Schade, dass Fedorov die ganze Zeit über nicht nach Deutschland reisen konnte. Zumindest wäre zu wünschen und ihm zu gönnen gewesen, ihn beim Schlussapplaus einzublenden.
Bühnenbild, da fehlte es mir zum Teil am Abstraktionsvermögen, und Requisite besorgte Axel Rothe, das von erdigen Farbtönen dominierte Kostümbild Nicola Clarissa Gehring, beide wirkten auch als Sprecher. Als choreografischer Assistent trug Vinícius da Silva zum Erfolg bei. Meinerseits noch vielen Dank für Fotografin Theresa Lange, die extra für meinen Blog heute Nachmittag eine Sonderschicht eingeschoben hat.
Am 25. April findet am Schauspielhaus die Neubrandenburg-Premiere von „Erde“ statt, eine weitere Vorstellung dort gibt es am 2. Mai, jeweils 19.30 Uhr. Und am 29. Mai um 19.30 Uhr ist das Tanzepos wieder im Landestheater Neustrelitz zu sehen, ebenfalls um 19.30 Uhr.














