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Cornelia Patzwald in „Stolz & Eigensinn“. Fotos: Edition Salzgeber

Zum Abschluss der Reihe „35 Jahre nach dem Beitritt“ wird zum neuen Film von Gerd Kroske „Stolz & Eigensinn“ am kommenden Mittwoch, 26. November, um 19.30 Uhr, ins Fabrik.Kino der Alten Kachelfenfabrik Neustrelitz eingeladen. Anschließend ist ein Gespräch mit dem Regisseur vorgesehen.

In den Schwerindustriebetrieben der DDR arbeiteten auch zahlreiche Frauen; viele von ihnen verloren ihre Arbeit allerdings, als die Betriebe nach der Wende saniert oder abgewickelt wurden. Der Dokumentarfilm erinnert daran, indem er Interviews aufgreift, die ein Fernsehsender 1994 mit betroffenen Arbeiterinnen führte, und die Frauen dreißig Jahre später erneut befragt. Das führt zu manch nostalgischem Rückblick und einigen bitteren Lebensfaziten, vor allem vermittelt sich jedoch der ungebrochene Stolz der Befragten auf ihre Arbeit.

Die ansteckende Lebendigkeit der Frauen schlägt sich auch auf den Film nieder. Frauen aus den ehemaligen Industrie-Großbetrieben der DDR erzählen mit heute überraschender Selbstverständlichkeit über sich und die persönlich erlangte Unabhängigkeit durch ihre Arbeit. Selbstbewusst und emanzipiert teilen sie ihr Erstaunen darüber, dass plötzlich nur noch Männer ihre Arbeiten machen sollen. Sie erzählen auch von den einstigen Utopien, die es heute nicht mehr gibt. Zudem sehen wir Aufnahmen aus ihrem Arbeitsalltag in längst verschwundenen Industriegebäuden und Braunkohle-Zechen.

Auf alten U-matic-Bändern aus den Beständen des ehemaligen Leipziger Piratensenders KANAL X sind die Interviews erhalten. Über 30 Jahre später hat der Regisseur Gerd Kroske („SPK Komplex“) diesen filmischen Schatz aus dem Archiv geborgen und die ArbeiterInnen von damals wiedergefunden. Einer Versuchsanordnung gleich, wird das alte Material von den Frauen neu kommentiert und hinterfragt. „Stolz und Eigensinn“ ist eine mediale Einkreisung, die eine Lücke schließt und Frauen porträtiert, die sich ihren Stolz und Eigensinn bis heute bewahrt haben. 

Ein spannender Film, der Frauen zu Wort kommen lässt, die bislang nur selten gehört wurden. Was wurde einst gewonnen? Was ist verloren? Was ist geschehen? Diesen Fragen soll zum Abschluss der Filmreihe „35 Jahre nach dem Beitritt“ nachgegangen werden. Dazu ist der, 1958 in Dessau geborene, Autor, Regisseur und Filmproduzent Gerd Kroske zum Gespräch im Kino. 

Gerd Kroske