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Der zerbrochne Krug, Landestheater, Mecklenburg-Strelitz, Neustrelitz, Premiere, Schauspiel, Theatervorplatz

Mit langanhaltendem Applaus hat das Publikum am gestrigen Freitagabend auf dem Vorplatz des Landestheaters Neustrelitz die Premiere des Lustspiels „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist bedacht. Die ungewöhnliche Inszenierung hat Holle Münster besorgt, für das Bühnen- und Kostümbild zeichnet Antonia Bitter verantwortlich.
Zugegeben, Letzteres hat mich zunächst verunsichert. Wäre da nicht der überdimensionale Krug gewesen, mitten auf den Stufen der Spielstätte platziert, ich hätte mich in einer Vorstellung von „Arielle“ gewähnt. Dorfrichter Adam als Neptun in seiner untergegangenen Welt jenseits von Recht und Gerechtigkeit, umgeben von weiteren Fabelwesen, das war schon gewöhnungsbedürftig. Dazu musikalische Variationen (Romy Sydow) des Beatles-Evergreens „Yesterday“. Unter dem Strich dann doch eine geniale Sicht auf die Kleistsche Vorlage, das Stück 1808 in Weimar uraufgeführt und erst 1811 in vollständige Druckfassung erschienen.
Es war für mich als Theatergänger von Kindheit an der dritte Krug. War es die beste Fassung? Ich denke schon. Frappierend die Aktualität. Der Kampf um Macht, Wahrheit und Gerechtigkeit ist wohl ein ewiger. Und das Thema Wehrpflicht und in den Krieg ziehen ist wieder an der Tagesordnung. Die Soldaten bleiben hier, heißt es am Ende des Stücks. Möge dem so sein!
Gelungen, überzeugend, herrlich
Die Besetzung sehr gelungen. Leon Ullrich gibt den arg ramponierten Dorfrichter überzeugend, der seine Schuld mit allen Mitteln zu vertuschen sucht. Ihm zur Seite Anika Kleinke als zweifelnder Schreiber Licht und als Zeugin Brigitte, spätestens da läuft sie zur Hochform auf. Karin Hartmann, die große Mimin des Neustrelitzer Theaters, in der Rolle des reservierten Gerichtsrats Walter, ein Genuss. Den man unbedingt auch bei Dirk Schmidt als Frau Marthe Rull empfunden hat. Wie die ihren zerbrochnen Krug vor Gericht in schier endlosem Monolog bejammerte, einfach herrlich.
Mit Moritz Russ als zunächst verstörte, dann sich überwindende Tochter Eve und Toni Maercklin als deren zu Unrecht beschuldigter Verlobter haben zwei Studenten der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ Berlin zum Erfolg beigetragen. Er spielt sie und sie spielt ihn, warum nicht, kann man offensichtlich auch und gut machen.
Einstieg macht Lust auf mehr
Die Zuschauer wurden bestens unterhalten. Ein Einstieg in die Spielzeit, der unbedingt Lust auf mehr Theater macht. Schauspielchef David Czesienski lud ausgangs noch einmal ausdrücklich in seine neuen Wirkungsstätten Landestheater und Schauspielhaus ein, die im Zeichen von 250 Jahren Theater für die Seenplatte wieder viele Höhepunkte bereithalten.
Das Lustspiel „Der zerbrochne Krug“ wird vom 29. August bis zum 14. September auf dem Theatervorplatz in Neustrelitz gezeigt und läuft ab 13. März kommenden Jahres im Schauspielhaus Neubrandenburg. Nächste Vorstellungen in Neustrelitz 30. August, 4., 5., 6. September jeweils um 19.30 Uhr sowie 7. September um 18 Uhr.




