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Blaubart, Brandenburg, Kammeroper, Neuproduktion, Oper, Rheinsberg

Die Kammeroper Schloss Rheinsberg präsentiert: André-Erneste-Modeste Grétrys „Blaubart“! Mit seiner dramatischen Wucht und gesanglichen Eleganz ist der Revolutionshit des Lütticher Komponisten eine frische Lesart zu den Vertonungen Béla Bartóks und Jacques Offenbachs. Zugleich liegt der aufreibende Komödien-Thriller deutlich näher am Originalstoff des französischen Märchensammlers Charles Perrault – und wird mit der Akademie für Alte Musik Berlin eine feinsinnig-schwungvolle Entdeckung.
Die Musikalische Leitung obliegt Bernhard Forck. Es inszeniert Maja Jantar: Neben ihrer Tätigkeit als Regisseurin und Performerin ist sie auch Keramik- und Multimedia-Künstlerin, was eine besondere Verbindung zu Rheinsberg schafft. Seit Prinz Heinrich die Gründung einer Fayence-Manufaktur ermöglichte, gilt die Stadt als traditionsreicher Keramikort mit über 250 Jahren Geschichte. Premiere im Schlosshof ist am Freitag, 7. August – bis zum 16. folgen sechs Vorstellungen.
Preisträger übernehmen Partien
Die Partien übernehmen Preisträger*innen des hauseigenen Gesangswettbewerbs – es alternieren zwei Besetzungen. Sie erwecken die Figuren dieser doppelten Parodie zum Leben: Das Libretto von Michel-Jean Sedaine verschmilzt Perraults berühmtes Märchen mit der Legende von „La Dame de Fayel“ – und lässt das Werk trotz düsterer Kulisse als Komödie funkeln. Unter der Oberfläche ist der Stoff gleichzeitig scharf gezeichnet: Der adlige Blaubart ist ein grausamer Mensch und bezahlt Misstrauen und Machtmissbrauch am Ende mit dem Leben – eine Wendung, die im Kontext von 1789 kaum missverstanden werden konnte.
Im berüchtigten Revolutionsjahr war der Rheinsberger Preußenprinz Heinrich in Paris und bei der Uraufführung anwesend. Kurz darauf verabschiedete er sich aus Frankreich, das wenige Monate später mit dem Sturm auf die Bastille in eine neue Epoche stürzen sollte. In Rheinsberg wiederum waren die Erschütterungen der Revolution spürbar, als Emigranten aus Frankreich Zuflucht fanden. So wird Grétrys „Blaubart“ in Rheinsberg zum Musiktheaterstück einer Zeitenwende – und zum Schlüsselwerk des Saisonmotivs „Auf Entdeckungsreise mit Heinrich und Wilhelmine“.
Spielzeit mit 300. Geburtstagen verbunden
Das Motto verbindet die Spielzeit mit den 300. Geburtstagen des preußischen Prinzen Heinrich und Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Kassel: Gesucht werden sowohl die historischen Persönlichkeiten des kleinen Bruders Friedrichs des Großen und seiner Ehefrau als auch ihre Spiegelungen in der Gegenwart. Das Programm spannt so einen Bogen von preußischer Hof- und französischer Aufklärungskultur zu europäischen Perspektiven von heute.
Heinrich als Blaubart? Das wäre zu weit gegriffen. Doch die Biografie Wilhelmines, die später in einem anderen Flügel des Berliner Heinrichpalais wohnen musste, wirft ein kritisches Licht auf Fragen von Nähe und Distanz in einer elitären Gesellschaft mit verschlossenen Türen. Die Kammeroper Schloss Rheinsberg macht Neugier zur Tugend – und Blaubarts berühmten Schlüsselbund zum Symbol: Welche Türen dürfen geöffnet werden? Und welche Türen müssen geöffnet werden?
Festivalsommer 2026
Das Internationale Festival junger Opernsänger*innen der Kammeroper Schloss Rheinsberg steht im Sommer 2026 erstmals vollständig im Zeichen der Ära des neuen Künstlerischen Leiters Jelle Dierickx. Das dichte Festspielprogramm vom 30. Juni bis 13. September 2026 bietet insgesamt 28 Events – von Musiktheater im Schlosshof über Open-Air-Abende im Heckentheater bis zu Konzerten im Spiegelsaal und Schlosstheater. Als Musiktheaterproduktion stehen auf dem Spielplan außerdem Giovanni Paisiellos „Der Barbier von Sevilla“ und „Dollhouse“ von Clemens K. Thomas.
Handlungs-Teaser
Isaure hat ihrem geliebten Vergy die Treue geschworen! Doch eines Tages begegnet sie dem adeligen Ritter Blaubart – und sie heiraten. Nach der Hochzeit verlässt Blaubart die Burg und stellt Isaure auf die Probe: Isaure darf eine bestimmte Tür auf keinen Fall öffnen. Sie wird neugierig und missachtet das Verbot: Hinter der Tür offenbart sich ihr Schreckliches – die drei früheren Ehefrauen Blaubarts. Allerdings bricht beim Öffnen der Tür der Schlüssel im Schloss ab. So erkennt Blaubart bei seiner Rückkehr Isaures Ungehorsam. Wird Isaure das nächste Opfer? Kann sie sich aus den Klauen ihres Gatten befreien? Und wo steckt eigentlich Vergy, der erste Geliebte Isaures? Es entspinnt sich ein aufreibender Komödienthriller…