Schlagwörter

, , ,

Die Rostocker Finya Sorgenfrei und Oskar Kühn (4. und 5. von links) sind mutig mit ihrem Erstlingswerk „Light my Love“ im Landesweiten Jugendvideowettbewerb auf Platz 1 gelandet und können sich damit über „Die große Klappe“ sowie 500 Euro Preisgeld freuen. Fotos: Ute Köpke

Es ging heiß her beim 30. Neubrandenburger Jugendmedienfest (JMF) im Kino Latücht, und das eher weniger durch die parallellaufende Hitzewelle. Das Jubiläumsfest vom 2. bis 4. Juli war geprägt von Beiträgen mit spannenden Sichtweisen junger Medienmacher, schwierigen Juryentscheidungen und einem vielseitigen Rahmenprogramm. Das reichte vom Podcast-Workshop sowie einem Workshop zu Möglichkeiten der Animation, einer Tragikomödie aus MV – mit regionalen Darstellern besetzt – inclusive Filmgespräch, bis zur spannungsvoll erwarteten abschließenden Preisverleihung, gefolgt von der Aftershowparty mit der jungen Neubrandenburger Pop-Cover-Band „Nichtausberl!n“ zum atmosphärisch passenden Ausklang auf dem Innenhof.

Seit drei Jahrzehnten organisiert der Neubrandenburger Verein „Latücht – Film&Medien e.V.“ dieses Medienfest mit landesweiten drei Wettbewerben. In diesem Jahr wurden an den drei Tagen 65 ausgewählte Beiträge von Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 25 Jahren aus MV vorgestellt.

30. Landesweit offener Jugendvideowettbewerb „Die große Klappe“

Der landesweite Jugendvideowettbewerb wird inhaltlich in Kategorien eingeordnet. Der beste Film des gesamten Jugendvideowettbewerbs erhält „Die große Klappe“ und 500 Euro vom langjährigen JMF-Medienpartner Nordkurier. Überzeugend abgehoben hat sich mit großer Intimität und starker queeren Perspektive der Spielfilm „Light my Love“. Mit ihrem Erstlingswerk haben die Rostocker Mia Neuschäfer und Oskar Kühn erfolgreich etwas gewagt und wurden mit gewaltigem Applaus für diesen stark berührenden Film belohnt.

„Das dritte Auge“ zeichnet mit 300 Euro Preisgeld den Film aus, der mit Kamera- und Schnittarbeit am besten eine besondere visuelle Kraft entfaltet. Beeindruckt hat mit Farben, Sound und einem sicheren Gespür für Spannung der Spielfilm „Am Boden“ von Leo TV Neubrandenburg.

In dieser Kategorie erhält Bela Spiecker aus Güstrow für präzise Kameraarbeit und eindringlichen Text in seinem Film „Raise the Roof“ zum Thema Rassismus in den USA eine lobende Erwähnung.

Dotiert mit 200 Euro zeichnet „Der spitze Stachel“ Filme aus, die den Mut haben, unbequeme Themen in unserer Gesellschaft sichtbar zu machen. Klar, kritisch und mit Haltung überzeugte das Team vom „LKJ MV e.V.“ aus Wismar mit dem Essayfilm „7. Dezember 2024“ durch große Präzision und eindrucksvolle Gestaltung zum Thema Rechtsextremismus.

Eine Auszeichnung durch lobende Erwähnung von der Jury erhält die Deutsche Naturfilmstiftung Darß. Beteiligt mit mehreren Filmen, hatte die Stiftung mit Witz und einem ungewöhnlichen Ansatz zahlreiche Umweltprobleme thematisiert, ohne zu belehren.

Die Rebellion von „Punks Dead?“ der Mann-Gang & Co aus Rostock gegen das System und herkömmliche Filmformate ist mit Charme und Witz gelungen – passend zur „Großen Klappe“ von der Jury lobend erwähnt.

6. Landesweiter Radiowettbewerb „Freisprecher“

Getragen durch den langfristigen Kooperationspartner Mediatop Neubrandenburg, startete der 6. Radiowettbewerb „Freisprecher“ das Medienfest am 2. Juli im Latücht. Mediatop-Leiterin Martina Kelling sowie ihre Kollegen Medienpädagoge Andy Krüger und Mia Klimson als Moderatoren freuten sich über die Riesenresonanz. „Die Kids haben mich überrascht mit ihrer Power, mit der sie hier gestartet sind,“ so die diesjährige JMF-Projektleiterin Hanna Bührig. Es wurde während des Wettbewerbs sehr viel interagiert und inbrünstig gevotet.

Die „Freisprecher“-Jury orientierte sich bei der Prämierung in diesem „bunten Mix“ der 13 ausgewählten Beiträge u.a. an einer altersentsprechenden Beteiligung bei der Umsetzung. Den Wettbewerbs-Titel „Freisprecher“ haben neun Schüler der 7. Klassen vom Neustrelitzer Gymnasium Carolinum in besonderer Art und Weise praktisch umgesetzt. Im Podcast „Anders aber gleich“ sprachen sie mit Klienten des Tageswerkes Neustrelitz, setzten sich mit dem Thema der Lebensbewältigung mit Behinderung auseinander. Die Jury betonte, wie wichtig es ist, dass Betroffene zu Wort kommen.

„Ich bin ein normaler Mensch, wie ihr auch, nur sitze ich seit meiner Geburt im Rollstuhl. Habt keine Scheu, mich anzusprechen,“ heißt es im Podcast. Die Leistung der Caroliner mit beeindruckenden Einblicken der Hilfsbedürftigen in ihrem herausfordernden Alltag wurde mit dem Sieg im landesweiten Radiowettbewerb „Freisprecher“ prämiert. Das Preisgeld beträgt 250 Euro, wie der 3. und 2. Preis im Radiowettbewerb von der Medienanstalt MV gestiftet.

Dass Medienkompetenz bereits im Kindergarten lebendig und kindgerecht gefördert werden kann, zeigte der Podcast „Windmühlen Montis on Air“. Dafür ging der 2. Preis, dotiert mit 150 Euro, an die Kita Windmühle Neubrandenburg.

Schüler der KGS Altentreptow stellten in ihrem Podcast „26 Tiefseetaucher auf der Suche nach guten Büchern“ ihre favorisierten Bücher vor, nahmen die Hörer mit auf eine literarische Entdeckungsreise und wurden mit dem 3. Platz (100 Euro Preisgeld) belohnt.

6. Landesweiter Schulvideowettbewerb „Video macht Schule“

„Gemeinsam stark“ präsentierte sich die Teterower „Schule mit dem Förderschwerpunkt lernen und geistige Entwicklung“. In ihrem Musikvideo hatten sie optimal verschiedene Filmtechniken eingesetzt und für ihren kleinen Produktions-Zeitraum ein großes Ergebnis abgeliefert, das sie siegreich auf das oberste Treppchen beim landesweiten Schulwettbewerb hob.

    Der zweite Platz ging an die DRK-Kita „Am Holzhafen Wismar“ für die wahrnehmbare kreative Freiheit der Kinder in ihrem Trickfilm „Der Welt-Kindergarten“ mit dem Thema ‚Freundschaft ohne Grenzen‘ nah an ihren Alltag und gut aufeinander abgestimmten Bild und Ton.

    Schüler der 7./8. Klasse des innerstädtischen Gymnasiums Rostock hatten in ihrem Spielfilm „Karsten“ ein ernstes Thema humorvoll aufgearbeitet und technisch professionell umgesetzt. Für die sehr gute Darstellung der Jugendperspektive gab es den 3. Platz im Schulvideowettbewerb.

    Eine lobende Erwähnung vergab die Jury für „Erklärvideos zu den Bundesverfassungsorganen“ der 10. Klasse der KGS mit gymnasialer Oberstufe in Altentreptow für die sehr gut verständliche Darstellung.

    Kino bis auf den letzten Platz gefüllt

    Ermutigend groß war die Resonanz während der gesamten drei Tage, und auch zur Preisverleihung war das Kino Latücht bis auf den letzten Steh-Platz voll gefüllt. Holm-Henning Freier als Geschäftsführer vom Latücht e.V. betonte in seiner JMF-Jubiläumsfestrede, dass Medienkompetenz in den letzten 20 Jahren rasant an Bedeutung gewonnen hat. „Durch das Selbermachen von Medien und daraus lernen, wird Medienkompetenz am besten aufgebaut. Das ist notwendiger denn je, wie die schnelle Entwicklung von KI zeigt.“ Mit einer Urkunde wurden alle JMF-Beiträge belobigt. „Denn sie machen deutlich, wie viel Kinder und Jugendliche durch die eigene Produktion Medien besser verstehen lernen.“

    Entsprechend der Wertschätzung dieser Arbeit, bedankte sich der Latücht-Chef bei Förderern, Sponsoren und Spendern, Partnern sowie Helfern in den verschiedensten Bereichen wie Programmkommission, Moderation und Jury sowie natürlich beim Latücht-Team. Die Vermittlung von Medienkompetenz angefangen bei Kita-Kindern bis hin zu jungen Erwachsenen wird auch in den nächsten Jahren immer wichtiger werden. Man darf gespannt sein auf die Beiträge zum 31. Neubrandenburger Jugendmedienfest.

    www.jugendmedienfest.de

    Die Leistung der Caroliner aus Neustrelitz wurde mit dem Sieg im landesweiten Radiowettbewerb „Freisprecher“ honoriert.
    Latücht-Geschäftsführer Holm-Henning Freier zum Start der Preisverleihung im bis auf dem letzten Stehplatz (auch unterhalb der Techniker-Empore) voll besetzten Kino. Fotos: Ute Köpke