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Das ehemalige Technikum ist heute Sitz der Stadtwerke Neustrelitz. Foto: Maria Krüger

Was haben eine russische MIG, das ehemals höchste Bankgebäude Brooklyns und die bayerische Zugspitzbahn gemeinsam? Richtig! Alles wurde unter Mitwirkung ehemaliger Studenten des Technikums zu Strelitz (heute Neustrelitz) erbaut! Aber nicht das – in den 1930er bis 1940er Jahren gab es keinen deutschen Flugzeughersteller, der nicht mindestens eine zweistellige Anzahl ehemaliger Strelitzer beschäftigte! Über 100 süddeutsche Kirchen wären nicht erbaut worden, hätte nicht eine bestimmte Person, nämlich Albert Boßlet, in Strelitz studiert! Auch der Onkel des vormaligen Argentinischen Ministers für Energie, Alejandro Sruoga, war in Strelitz eingeschrieben…

Das Technikum zu Strelitz war die Brutstätte vieler großartiger Ingenieure, Architekten und anderer technisch begabter Menschen! Christian Delhey, Historiker aus Münster, aber mit Mecklenburger Wurzeln, schreibt gerade ein Buch über das „studentische Leben und „Treiben“ am alten Technikum. „Hä? Werden Sie jetzt sagen – das gibt es doch schon!? – und zwar das Buch ‚Das Technikum Strelitz – Max Hittenkofer‘ vom Verein Technikum!“, schreibt mir der Autor. „Jein! So nett das Buch auch sein mag – es ist von Ingenieuren für Ingenieure geschrieben. Es ist nett – reißt aber niemanden vom Hocker, der mit der Materie Technik nicht vertraut ist.“ So werde das Wichtigste, was den damaligen Studenten des Technikums beschäftigte, nicht behandelt: die Freizeit.

Das seien schließlich alles junge Leute gewesen, die, wenn sie nicht gerade im Hörsaal saßen, das gemacht haben, was andere Menschen heute noch tun: Party, Vereinsleben, Vereinsmeierei etc.! Und darum geht es Christian Delhey. Zu Hochzeiten des Technikums war jeder vierte Einwohner Student. Und die mussten irgendwie beschäftigt werden.

Vielzahl von Vereinen und Verbindungen

Was mache der „Deutsche Michel“ in so einem Fall? Er gründe einen Verein. In Strelitz-Alt habe es seit Gründung des Technikums 1890 bis 1936 (da sei ja alles gleichgeschaltet worden) eine Vielzahl solcher fachstudentischer Vereine und auch Studentenverbindungen; daneben gab es Sportvereine, musische Zusammenschlüsse etc. Zudem gab es auch einige ausländische Vereine (Schweden, Russen, Norweger, Schweizer etc.) – die sich sehr gut einbrachten.

So gab es mindestens 23 Studentenverbindungen, darunter einer Helvetia, noch den Klub Finnlandia, den Svenska Klubben, den Norsk Klub und den Tiroler Verein für die zahlenmäßig starken Ausländer (es dürfte jedoch aus mindestens einen russischen, einen dänischen und einen Tiroler Club gegeben haben) – und eben auch Vereine wie den Eisenbau-Verein, die Flugtechnische Vereinigung, den SC Corso (den ältesten Fußballverein Mecklenburgs!), den Verein studierender Bauingenieure, den Ruderclub „Helgoland“ Neustrelitz, dessen Rechtsnachfolger heute der WSV „Einheit“ Neustrelitz ist.

„Darüber schreibe ich“, so der Historiker in seiner Mail an Srelitzius. „Das mag zwar alles sehr speziell klingen – es ist aber ein unheimlich breites Spektrum, was dort abgearbeitet werden wird, da das auch zeigt, wie gut die Einwohner damals mit den Studenten vernetzt waren. Nicht nur, dass die Herren Studenten damals in irgendeiner Kneipe tagen mussten (an jeder der zahlreichen Kneipen hing damals ein Wappen und die Fahne des jeweiligen Vereins), irgendwo mussten sie ja auch ihre weiblichen Begleiterinnen (für Tanzabende, Ausflüge etc.) herbekommen. Zudem wurden die Aufführungen der Vereine (sei es Theater, Sportveranstaltungen etc.) auch gerne von der Bürgerschaft besucht.

Leser um Hilfe gebeten

Für dieses Unterfangen benötigt Christian Delhey die Hilfe der Neustrelitzer – denn: bedingt durch zwei Kriege, das DDR-Regime (welches diese Vereine alle nicht mehr zuließ) und auch den Zeitgeist („alles muss“ raus – wir schmeißen alle Akten weg!) sei kaum noch Quellenmaterial vorhanden.

Daher möchte Delhey die Leserinnen und Leser animieren, bei sich einmal nachzusehen, ob sie nicht ggf. noch das eine oder andere Kleinod zu Hause haben, was ihn weiterbringt – also z.B. alte Photos, irgendetwas anderes Schriftliches… „Ich würde mich sehr freuen. Es gibt nämlich nichts Schlimmeres als das Vergessen.“

Kontaktaufnahme bitte via E-Mail an: korpobuch@gmx.de

Historische Zeichnung, Ludwig Warning – Apoldaer Tageblatt 20.2.1908