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Brandenburg, False Consonance, Hofkapelle, Musikkultur, Rheinsberg

Die nächste Rheinsberger Hofkapelle kommt aus Bremen: „False Consonance“ – das sind Annie Gard (Barockvioline), Theo Small (Traversflöte), Duane Thomas Fields (Barockcello/Viola da Gamba) und Johannes Festerling (Laute/Theorbe). Im öffentlichen Auswahlkonzert im Schlosstheater Rheinsberg am vergangenen Freitag setzte sich das vierköpfige Ensemble gegen die Ensembles „Tra Noi“ und „Caos limitato“ durch. Ursprünglich hatten sich zwölf Ensembles aus aller Welt beworben. Auch „False Consonance“ ist international aufgestellt: In Bremen studiert und zusammengefunden, kommen die vier Mitglieder ursprünglich aus Australien, den USA und dem Harz.
„Das Ensemble hat seine ungewöhnliche Besetzung aus Traversflöte, Barockvioline, Viola da Gamba und Laute – wohlgemerkt ohne Cembalo – zum Konzept gemacht und das thematisch spannendste Konzertprogramm abgeliefert. Das Zusammenspiel war dabei auf einem sehr hohen Niveau“, so Akademieleiter Marcus Friedrich. „Wir freuen uns auf die Saison 24/25, in der die jungen Musikerinnen und Musiker bei uns in Rheinsberg regelmäßig residieren und inspirierende Konzerte geben werden.“
Neben Friedrich bestand die diesjährige Jury aus Xenia Löffler, Professorin für Barockoboe und Direktorin des Instituts für Alte Musik der Universität der Künste Berlin, und Bernward Lohr, Professor für Historische Aufführungspraxis an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover.
Zwei Leitideen stechen bei „False Consonance“ ins Auge: Durch den Verzicht auf sperrige Tasteninstrumente kann flexibel jede Art von Raum bespielt werden – beste Bedingungen also für die Entwicklung kreativer Formate außerhalb des klassischen Konzertsaals. Zudem setzt das Ensemble auf spezielle Arrangements ursprünglich stark instrumentierter Werke in einer Minimalbesetzung. Dabei wird auch aus eigenen Bearbeitungen großer Orchesterwerke oder Opern geschöpft – im Auswahlkonzert war so u.a. die Ouvertüre aus Händels „Partenope“ zu erleben. Im Oktober 2023 erschien die Debüt-CD „Il Sassone – a domestic opera“. 2022 und 2023 erhielt „False Consonance“ eine Ensembleförderung des Deutschen Musikrats und von Neustart Kultur.
Ab Herbst 2024 ist „False Consonance“ in Rheinsberg zu erleben. Drei Residenzphasen, individuelle Coachings und Konzertauftritte ermöglichen dem Ensemble, an seiner musikalischen Entwicklung und am Ensembleprofil zu arbeiten. Konkrete Konzerttermine werden zu gegebener Zeit kommuniziert.
2019 Titel erstmals ausgeschrieben
Seit der Wiedereröffnung des Rheinsberger Schlosstheaters 1999 vergibt die Musikakademie Rheinsberg als Bundes- und Landesakademie jährlich den geschützten Titel „Rheinsberger Hofkapelle“ an ein junges Ensemble für historische Aufführungspraxis. 2019 wurde der Titel erstmals öffentlich ausgeschrieben. Das ausgewählte Ensemble wird ein Jahr lang von der Musikakademie durch individuelle Weiterbildungen sowie Proben- und Auftrittsmöglichkeiten gefördert. Ziel des Programms ist die künstlerische und konzeptionelle Weiterentwicklung des Ensembles sowie die lebendige Pflege des musikalischen Erbes der historischen Rheinsberger Hofkapelle.
Hofkapellen gab es bereits im Mittelalter; im 17. und 18. Jahrhundert erlebten sie einen neuen Aufschwung. Als der 24-jährige Kronprinz Friedrich 1736 mit seiner Gemahlin das Rheinsberger Schloss bezog, wurde die Gründung seiner ersten Kapelle als notwendiger Bestandteil des Hofstaates angesehen. Vier Jahre lang erlebte Rheinsberg mit dieser Hofkapelle eine Blüte der Barockmusik. 17 Musiker, Friedrich eingeschlossen, sind namentlich bekannt, die bis zur Thronbesteigung Friedrichs ganz oder teilweise in der Rheinsberger Hofkapelle mitwirkten. Dazu gehören so illustre Namen wie Johann Joachim Quantz, Franz Benda, die Brüder Johann Gottlieb und Carl Heinrich Graun, Christoph Schaffrath, Johann Gottlieb Janitsch oder Carl Philipp Emanuel Bach. Nach seiner Thronbesteigung 1740 nahm Friedrich II. seine Hofkapelle mit nach Berlin bzw. Potsdam.

