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Bettina Meske, Niklas Schurz, Deutsche Tanzkompanie

Das Musical “The Famous Door on Swing Street” von Komponist Thilo Wolf und Autor Ewald Arenz hat gestern Abend am Landestheater Neustrelitz seine Premiere, quasi zweite Uraufführung erlebt. Und die war umjubelt, das Publikum spendete minutenlange stehende Ovationen. Selbst gestandene Theatergänger erleben eine so überbordende Begeisterung selten, die sich schon während der Aufführung immer wieder mit Szenenapplaus und Hochrufen abzeichnete. Nach der Pandemie war das Haus endlich wieder ausverkauft, wie Intendant Sven Müller bei der Stückeinführung im Rangfoyer hervorhob. Auch dafür gab es dankbaren Beifall.

2020 war das Stück am Stadttheater Fürth zum ersten Mal auf die Bühne gekommen, mit allen Einschränkungen, die den Kulturbetrieben des Landes durch Corona seinerzeit auferlegt waren. Gaines Hall führte bereits Regie und hat auch in Neustrelitz Inszenierung und Choreografie übernommen. Thilo Wolf steuerte ein gänzlich neues Arrangement für großes Orchester und kleine Jazzband bei. Er hat für “The Famous Door on Swing Street” die Leitung der Neubrandenburger Philharmonie übernommen, die im Orchestergraben die musikalische Vorlage exzellent umsetzte.

Andrés Felipe Orozco, Laura Scherwitzl

Laura Scherwitzl und Andrés Felipe Oroczo in den Rollen von Anna und Mike, die in New York neu anfangen wollen und zu Zeitreisenden werden, meisterten ihre Aufgaben mit gewohnter Bravour. Sopranistin und Tenor stehen als feste Ensemblemitglieder seit Jahren für hohe künstlerische Qualität am Bühnenhaus der Residenzstadt. Gast-Musicaldarsteller Niklas Schurz als brillanter Stepptänzer Pete beeindruckte, auch Bettina Meske als Besitzerin des Plattenladens, einstige Diva und Wächterin über die Geheimtür in die Vergangenheit, flogen die Sympathien der Zuschauer nur so zu. Sebastian Naglatzki als Banker Tom schien der Part des komischen Vogels wie auf den Leib geschrieben, und die Aufzählung wäre unvollständig ohne die vielbeschäftigten Swing-Sisters Laura Albert, Julia-Baier-Tarasova und So Yeon Yang, die das Vergnügen abrundeten.

Einmal mehr ist die einzigartige Deutsche Tanzkompanie zu würdigen, ohne die die Aufführung sicherlich nicht diesen grandiosen Erfolg gehabt hätte. Wenn die Damen und Herren auf der Bühne loslegen, hält es einen kaum auf dem Sitz. Immerhin, der Intendant hatte ausdrücklich zum Mittanzen ermuntert. Und gesteppt wie in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in der New Yorker Swing Street wird bei der Kompanie auch nicht alle Tage. Kompliment und Verneigung vor diesem Auftritt der Truppe, die pure Lebensfreude vermittelt und doch um ihr Überleben kämpfen muss!

Natürlich ist auch der für das Musiktheater unverzichtbare Opernchor der TOG unter der Führung von Joseph Feigl in die großartige Inszenierung eingebunden. Für die glänzende Ausstattung steht Dirk Immich. Um die 130 Kostüme für das Spiel in zwei Jahrhunderten waren zu fertigen, eine Herausforderung von der Schneiderei bis zu den Ankleiderinnen, die ohne Fehl und Tadel bewältigt wurde. Auch das Bühnenbild steht für die Leistungskraft der Theater und Orchester GmbH und ihrer Werkstätten.

Strelitzius kann für den Besuch des Musicals “The Famous Door on Swing Street” am Landestheater Neustrelitz nur werben. Nächste Vorstellungen am Fr. 03.11., 19:30 Uhr; Sa. 25.11., 19:30 Uhr; Fr. 15.12., 19:30 Uhr; Di. 26.12., 19:30 Uhr. Und noch einmal zurück zu Sven Müller und seinen einführenden Worten. Der Wissenschaft sei noch nicht gelungen, was Theater spielerisch kann: in die Vergangenheit reisen.

Opernchor der TOG, Deutsche Tanzkompanie
Laura Albert, Laura Scherwitzl, Julia Baier-Tarasova, So Yeon Yang